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Frauenärzte preisen die Embolisation als schonenden Eingriff, um Gebärmutter-Geschwulste zu entfernen. Doch kann er bei Patientinnen die Wechseljahre auslösen.
Maria Binder (Name geändert) hatte immer wieder starke Monatsblutungen. Der Arzt stellte ein Myom fest. Das ist ein gutartiger Knoten in der Gebärmutter. Weil Binder deswegen an Eisenmangel litt, empfahl ihr der Frauenarzt die Embolisation. «Schliesslich entschloss ich mich zu einem Eingriff», sagt die 45-Jährige.
Bei der relativ neuen Methode führt der Arzt über einen kleinen Schnitt in der Leiste einen Katheter ein. Durch diesen spritzt er kleine Kunststoffkügelchen. Diese verschliessen die Arterie, die das Myom mit Blut versorgt.
Der Eingriff geschieht unter örtlicher Betäubung und dauert zirka eine halbe Stunde. Während dieser Zeit durchleuchtet der Arzt den Bauch mit Röntgenstrahlen, damit er sieht, wo sich der Katheter befindet. In den Monaten nach dem Eingriff bildet sich das Myom zurück.
Doch bei Maria Binder passierte noch etwas ganz anderes: Einen Monat nach dem Eingriff fiel ihr Eisprung aus, den sie sonst immer deutlich gespürt hatte. Auch die Menstruation war nur noch schwach - nach einem Jahr hörte sie ganz auf. Seither leidet Maria Binder an Wechseljahrbeschwerden: «Ich habe starke Wallungen, vor allem nachts. Deshalb schlafe ich schlecht und fühle mich am Morgen oft nicht erholt.»
Ärzte, die Embolisationen durchführen, preisen deren Vorteile: Die Gebärmutter bleibt erhalten, und die Erholungszeit nach dem Eingriff ist viel kürzer als bei einer Operation unter Narkose. Ein Fachartikel im «Schweizerischen Medizin-Forum» bezeichnete die Methode deshalb als «für die Patientinnen sehr attraktive Alternative».
Doch die Embolisation hat auch Schattenseiten. Wie das Beispiel von Maria Binder zeigt, kann der Eingriff dazu führen, dass die Menstruation ganz aufhört. Diese Nebenwirkung ist keineswegs selten: Laut dem Fachblatt «Medical Tribune» bekommen 3 bis 15 Prozent aller Patientinnen keine Blutungen mehr.
Über dieses Risiko hat der Arzt seine Patientin nicht aufgeklärt. «Hätte ich das gewusst, ich hätte die Embolisation nicht machen lassen», sagt Maria Binder.
«Ich konnte erst nach zehn Tagen wieder normal laufen»
Die Embolisation kann Frauen aber nicht nur vorzeitig in die Wechseljahre katapultieren. Sie ist auch äusserst schmerzhaft. Maria Binder: «Bei mir dauerte es etwa zehn Tage, bis ich wieder normal gehen und die Schmerzmittel absetzen konnte.» Diese Beschwerden können mehrere Wochen oder gar Monate anhalten. Bei manchen Frauen bringen selbst starke Medikamente die Schmerzen nicht zum Verschwinden.
Die Solothurner Frauenärztin Helene Huldi steht der Embolisation kritisch gegenüber: «Ich habe sie noch nie einer Frau empfohlen.» Nur in ganz speziellen Fällen würde sie die Methode in Betracht ziehen. «Die vielen Nebenwirkungen und Komplikationen sprechen meist gegen diese Methode.» Hinzu komme, dass die Krankenkasse den teuren Eingriff nicht bezahle.
Bei leichten Beschwerden ist Abwarten die beste Methode
Myome sind sehr häufig: Laut Schätzungen ist jede vierte bis dritte Frau betroffen. Sie entstehen, wenn die Muskelzellen der Gebärmutter zu wachsen beginnen. Zwischen den einzelnen Muskelzellen lagert sich Bindegewebe ein. Ein Knötchen - das Myom - entsteht.
Eine Behandlung ist oft nicht nötig. Nach den Wechseljahren bilden sich Myome ohnehin von alleine zurück. «Solange eine Frau keine oder nur leichte Beschwerden hat, ist Abwarten der beste Weg», sagt Huldi. «Eine regelmässige Kontrolle bei der Frauenärztin genügt völlig.» Eine Behandlung dränge sich nur auf, wenn ein Myom schnell wächst oder Beschwerden verursacht. Dazu gehören starke Blutungen, Druck oder Schmerzen. Auch dann muss ein Myom nicht zwingend entfernt werden: «Oft reicht es, die Beschwerden zu bekämpfen», sagt Helene Huldi. Dazu gibt es viele Möglichkeiten.
Myome: Sanfte Methoden gegen Beschwerden
- Mönchspfeffer: Tropfen oder Tabletten können gegen starke Blutungen und Schmerzen helfen.
- Schafgarbe, Frauenmantel und Hirtentäschelkraut: Machen Sie daraus einen Tee.
- Bewegung: Luna Yoga wurde speziell für Frauen entwickelt.
- Ernährung: Die meisten Fachleute empfehlen eine Ernährung mit viel Ballaststoffen, wenig Fett und wenig tierischen Produkten.
- Homöopathie und die chinesische Medizin bieten mehrere Verfahren an.
- Hormone beeinflussen das Wachstum von Myomen. So kann sich der Wechsel zu einer Gestagenhaltigen Verhütungspille positiv auswirken.
- Ähnlich wirkt die Spirale Mirena, die nur Gestagene abgibt. Hormone haben aber eine Reihe von Nebenwirkungen.
- Weitere Informationen: Broschüre «Myome», Frauen-Gesundheitszentrum München, Euro 7.30 inkl. Porto. Zu bestellen bei FGZ München, Nymphenburger Strasse 38, D-80335 München, E-Mail: fgz@fgz-muc.de
12. April 2006 | Christian Egg
