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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2006

Das Auto auf dem Balkon

Der Weg zur Tiefgarage ist ja so beschwerlich: Autofahrer müssen die Wohnungstür aufstossen, ein paar Schritte zum Lift gehen, mit dem Lift in die Tiefe fahren und dann erst noch ein paar Schritte bis zum Auto machen. Doch das hat nun in einer Berliner Siedlung ein Ende. Ein Architekt baut Häuser mit Parkplatz auf dem Balkon. Der Wohnungsbesitzer fährt im Auto mit dem Lift nach oben - direkt vors Schlafzimmer. So hat er ein paar mühsame Schritte eingespart.

Solche «Car Lofts» gelten unter Architekten als trendig. Der Erfinder will seine Idee in 40 Ländern patentieren lassen. Für jeden Arzt aber muss die Idee ein Alptraum sein - und ewiggestrig: Denn sie verleitet zu einem bequemen Leben. Ohne Bewegung. Und das macht krank. Es fördert Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Dickdarmkrebs und schliesslich den frühen Tod. Dies hat sich in den letzten Jahren mit aller Deutlichkeit gezeigt. Wer Bequemlichkeit anpreist, tut dem modernen Menschen keinen Gefallen.

Wie wichtig Bewegung ist, wird immer klarer. Sie kann auch bei bestehenden Krankheiten helfen: Psychiater raten Depressiven, vermehrt zu joggen. Leichter Sport kann das Leben von Patientinnen mit Brustkrebs verlängern. Dies gilt auch für Patienten mit bestimmten Herz-Krankheiten. Selbst Rheuma-Kranke können mit Sport ihre Beschwerden lindern. Ein extremes Beispiel: Der 49-jährige Jakob Brändli läuft Marathon - trotz Morbus Bechterew. Bei dieser Krankheit versteift die Wirbelsäule (siehe Bericht auf Seite 6).

Bewegung ist zudem ein echtes Bedürfnis - und keine Mühsal, wie uns der Erfinder des «Car-Loft» suggeriert. Dies zeigt auch die Aktion des Gesundheitstipp in der letzten Ausgabe: Leser konnten einen Schrittzähler zum Aktionspreis bestellen - über 4000 griffen zu. Die Idee dahinter: Wer 10 000 Schritte am Tag macht, tut sich etwas Gutes und bleibt fit. Dann darf man den lauen Frühlingsabend auch entspannt im Liegestuhl auf dem Balkon verbringen. Und das ist erst noch viel gemütlicher, wenn kein Auto daneben steht.

12. April 2006 | Tobias Frey, Redaktionsleiter


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