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Ob DAB, DRM oder Podcasting - saldo gibt Technik-Laien einen Überblick über die Begriffe, die in Zukunft den Radio-und TV-Bereich prägen.
HD DVD, Blue-ray Disc
Die zwei möglichen Nachfolger der DVD. Für Spiele oder Kinofilme reicht der Speicherplatz der DVD momentan noch aus. Spätestens mit Filmen in () HDTV-Qualität kommt der Silberling jedoch an seine Grenzen. Die Blue-ray Disc sowie die HD DVD stehen daher kurz vor der Markteinführung. Auf eine doppelseitige Blue-ray Disc passen rund 50 Gigabyte (GB), auf eine HD DVD 32 GB. Der Speicherplatz ist also bis zu sechsmal grösser als auf einer herkömmlichen doppelseitigen DVD. Somit haben gut 25 Stunden Film in bisheriger DVD-Qualität auf einer Blue-ray Disc Platz. Gute Aussichten für den Konsumenten, sollte man meinen, doch bis er in den Genuss der neuen Medien kommt, kann es noch eine Weile dauern. Denn noch immer haben sich die Hersteller nicht auf einen Standard geeinigt. Bis es so weit ist, lohnt sich der Kauf eines teuren Abspielgeräts nicht.
Prognose: Bis der DVD-Nachfolger feststeht und - vor allem - preislich attraktiv ist, dauert es noch fünf Jahre.
DAB
«Digital Audio Broadcasting». Die digitale Radioverbreitung soll UKW ablösen. Ob sich die Technik durchsetzt, ist noch offen. Das Problem: DAB kann man nur mit dafür geeigneten Geräten empfangen. Seit der Einführung 1999 läuft der Verkauf von DAB-Radios schlecht. Die Qualität von DAB ist nicht markant besser als beim herkömmlichen UKW-Radio, dafür lässt das System technisch ein grösseres Senderangebot zu. Die SRG propagiert DAB deshalb diesen Frühling mit einer Werbeoffensive. Ein möglicher Konkurrent wächst vielleicht mit () DVB-T heran, das neben Fernsehsignalen prinzipiell auch Radioprogramme übertragen kann.
Prognose: DAB könnte sich in Haushalten ohne Kabelanschluss sowie im Auto in den nächsten fünf Jahren durchsetzen.
DRM
«Digital Rights Management», die digitale Rechteverwaltung. Mit DRM will die Unterhaltungsindustrie die Nutzung von gekauften digitalen Dokumenten wie Musik, Filmen oder Software beschränken. Wer DRM-geschützte Musik oder Videos herunterlädt, braucht eine Lizenz-Software, um die Mediendateien nutzen zu können. Je nach Lizenz ist dies nur für einen bestimmten Zeitraum oder unbeschränkt möglich. Was wie eine vernünftige Massnahme gegen Raubkopierer aussieht, birgt Zündstoff. So kann der Nutzer wegen der unterschiedlichen DRM-Techniken nicht jeden heruntergeladenen Film mit derselben Software ansehen. Musikdateien kann man nicht mehr kopieren und nur wenige Male auf eine CD brennen- obwohl das Herunterladen von Tauschbörsen und das Vervielfältigen für private Zwecke in der Schweiz erlaubt ist. Auch soll es, wenn überhaupt, nur beschränkt möglich sein, beim zukünftigen () HDTV Filme daheim für den Privatgebrauch aufzunehmen.
Prognose: Mit () HDTV und den DVD-Nachfolgern wird sich DRM durchsetzen und die Konsumrechte der Zuschauer beschneiden.
DVB
«Digital Video Broadcasting», digitales Fernsehen. Dank dieser Technik kann man eine grössere Zahl von Sendern empfangen, meist auch in besserer Qualität. Die heutigen Fernsehgeräte benötigen dazu aber ein Zusatzgerät. Es gibt unterschiedliche Wege, wie die DVB-Signale ins Wohnzimmer gelangen. Am verbreitetsten ist die digitale Übertragung via Satellit (DVB-S). Daneben gibt es auch DVB-C (via Kabelanschluss) und DVB-T (via Antenne).
Prognose: Erst wenn jeder Fernseher digitale Signale empfangen kann und kein Extragerät mehr nötig ist, wird sich DVB flächendeckend durchsetzen.
Festplattenrekorder
Nachfolger des Videorekorders. Fernsehsendungen werden direkt auf die Festplatte statt auf eine Videokassette aufgenommen. Das lästige Suchen nach einem leeren Band gehört der Vergangenheit an. Auch Platzprobleme gibt es kaum noch: Auf die gängigen Festplatten passen beinahe 100 Stunden in guter Qualität. Werbeunterbrüche lassen sich nachträglich leicht herausschneiden. Besitzt das Gerät einen Brenner, kann man die besten Aufnahmen auf eine DVD überspielen. Die «Timeshift»-Funktion ermöglicht es, TV-Sendungen noch während der Aufnahme zeitversetzt anzusehen. Unterbricht ein Telefonanruf den abendlichen Fernsehkrimi, kann man so nach dem Gespräch genau an der Stelle weiterschauen, an der man gestört wurde.
Prognose: Festplattenrekorder haben den Videorekorder in Schweizer Haushalten in drei Jahren ersetzt.
Plasma- und LCD-Fernseher
Die zwei verbreiteten Varianten von Flachbildschirmen, die den Röhrenfernseher bald verdrängen werden. Beide Techniken haben ihre Tücken: Ein LCD-Bildschirm kann schwarze Stellen weniger satt darstellen als Plasma-oder Röhrenfernseher. Ausserdem kann das Bild bei schnellen Bewegungen leicht verwischen. Im Gegenzug verbraucht er wenig Strom, strahlt nicht, ist verhältnismässig leicht und lässt sich daher gut an die Wand hängen. Plasma- sind schwerer als LCD-Bildschirme und haben einen hohen Stromverbrauch. Für Plasma spricht jedoch ein satteres Bild. Wer ein besonders grosses Modell sucht, hat bei Plasma-Fernsehern zurzeit noch die grössere Auswahl als bei der LCD-Technik.
Prognose: Bei den mittelgrossen Bildschirmen wird sich LCD über längere Zeit durchsetzen, Plasma bleibt bei den Grossfernsehern führend.
HDTV
«High Definition Television», hochauflösendes Fernsehen. HDTV bezeichnet einen digitalen TV-Standard, der im Breitwandformat ein besonders scharfes Bild liefert. Wer die neue Technik geniessen will, braucht speziell dafür ausgerüstete Fernsehgeräte. Während der neue Standard in den USA und Japan schon verbreitet ist, hinkt Europa hinterher. Zwar gibt es schon geeignete TV-Geräte zu kaufen, doch beginnen die hiesigen Sender erst allmählich, überhaupt in dieser hohen Qualität zu senden. Pro Sieben und Sat 1 strahlen ihr Programm seit letztem Herbst auch in HDTV aus. Andere Anbieter wie ARD, ZDF oder RTL warten noch ab, bis mehr Zuschauer geeignete TV-Geräte besitzen. Das Schweizer Fernsehen will an der Fussball-EM 2008 erstmals die neue Technik einsetzen. Bis der Sender durchgehend in HDTV ausstrahlt, wird es danach noch einige Jahre dauern.
Prognose: Frühestens ab 2010 empfängt man die wichtigsten Sender in HDTV. Wann es sich gegenüber dem jetzigen System durchgesetzt haben wird, ist noch völlig offen.
Podcasting
Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen «broadcast» (senden) und «iPod», dem derzeit bekanntesten MP3-Player. Er steht für eine neue Variante des Radiohörens mit dem MP3- Player. Statt Radio live zu hören, abonniert man einfach einzelne Sendungen. Diese lädt man via Internet auf den Computer, danach auf einen MP3-Player und kann sie so überall und jederzeit abrufen. Doch nicht nur Radioprogramme gibt es als Podcasts: Die Reden des letzten World Economic Forum in Davos sind im Netz ebenso zu finden wie vorgelesene Artikel der «Weltwoche». Besonders häufig sind Podcasts von privaten Nutzern, die damit auf einfache Weise ihre Meinung verbreiten wollen.
Prognose: Es ist fraglich, ob Podcasting mehr ist als nur ein kurzfristiger Trend.
Video on demand
Videofilmverleih ohne Kassetten und DVDs via Internet. Der Kunde entscheidet bequem daheim am PC, welchen Film er sehen will. Diesen lädt er sich via Breitband-anschluss in wenigen Sekunden herunter. Wie oft er sich den Film anschauen darf, kontrolliert der Videoshop mit einem () DRM-System. Auf einigen deutschen Seiten wie bei T-Online findet man bereits ein breites Filmangebot. In der Schweiz ist Video on demand noch in der Versuchsphase. Anbieter sind noch spärlich. Cablecom bietet ein ähnliches System via Kabel an. Allerdings ist der Kunde nicht gleich unabhängig wie via Internet, da es feste Startzeiten für die Filme gibt.
Prognose: Löst in den nächsten Jahren den Videoverleih ab, wird jedoch keine Auswirkungen auf den DVD-Verkauf haben.
29. März 2006 | Marc Mair-Noack
