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Artikel | Haus & Garten 2/2006

Der Profigärtner gibt Auskunft

Dünger, Schädlinge, Wiesenblumen: Kurt Meister von der kantonalen Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE beantwortet Fragen von Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtnern.

Was ist Bokashi - angeblich ein wahrer Wunderdünger?
Meister: Bokashi ist kein eigentlicher Dünger - es sind fermentierte Mikro-Organismen. Bokashi besteht aus Reisschleifmehl, pflanzlichem Kompost und Gesteinsmehl. Diese Stoffe werden mit Mikro-Organismen angereichert; diese machen die im Boden vorhandenen Nährstoffe schneller für die Pflanzen verfügbar. Bokashi setzt man auch ein, damit der Kompost schneller verrottet.

Meine Rosen leiden unter dem Dickmaulrüssler. Kann ich präventiv und ohne Einsatz von Gift etwas dagegen tun?
Meister: Die Dickmaulrüssler-Käfer verursachen an den Blättern verschiedenster Pflanzen die typischen Frassbuchten (Briefmarkenmuster am Blattrand). Gefürchteter sind aber ihre Larven: Sie fressen an den Wurzeln von Zierpflanzen, Beeren und jungen Obstbäumen, was die Pflanzen zum Absterben bringen kann. Dickmaulrüssler-Käfer können nicht fliegen, wandern aber relativ grosse Strecken. Empfehlen Sie deshalb Ihrem Nachbarn, ebenfalls gegen den Schädling vorzugehen.
Man kann die Larven mit insektenparasitischen Nematoden, auch Fadenwürmer oder Älchen genannt, biologisch bekämpfen. Diese suchen im Boden aktiv nach Dickmaulrüssler-Larven, die sie befallen und innert kürzester Zeit zum Absterben bringen. Sind keine Larven mehr da, sterben auch die Nematoden ab.

Die Frassperioden der Larven dauern von Ende April bis Anfang Juni und Anfang September bis Mitte Oktober. In diesen beiden Perioden setzt man Nematoden ein. Die Bodentemperatur muss über 10 °C sein, also keine Behandlung vor Anfang Mai. Den Boden hält man anschliessend mindestens 10 bis 14 Tage feucht, damit sich die Fadenwürmer bewegen können. Nematoden findet man ab Mai in grösseren Gartencentern, eine Packung reicht für ca. 10 m2.
Lockert man im Frühling nur die Erde, oder sticht man richtig um?
Meister: Sowohl als auch. Wenn der Gartenboden verdichtet oder stark verunkrautet ist, sollte man umstechen: Damit erreicht man einerseits eine Tiefenlockerung, und anderseits verschwindet der Unkrautsamen in tiefere Schichten, wo er nicht mehr keimt.

Im Frühling wird nur leicht aufgelockert, wenn im Herbst bodenlockernde oder bodenverbessernde Kulturen standen, wie etwa Bohnen: Diese besitzen an den Wurzeln Knöllchenbakterien. Diese wandeln Luftstickstoff in Stickstoff um, der von den Pflanzen aufgenommen wird. Sticht man nach einer Bohnenkultur um, verschwindet der angereicherte Stickstoff in Bodentiefen, wo er für die Pflanzen nicht mehr erreichbar ist.
Kann man Wiesenblumen auch in Balkonkistchen ziehen?
Meister: Blumenwiesen in Balkonkistchen sind nicht sehr attraktiv, weil ihre Blütezeit relativ kurz ist. Damit die Blumenwiese überhaupt zum Blühen kommt, muss das Substrat (Erde) sehr nährstoffarm und mager sein. Blumenwiesen werden relativ hoch (50-80 cm); in einem Kistchen ist die Standfestigkeit der Blumen nicht gegeben. Nach dem ersten Regen sind die Pflanzen zerschlagen und hängen über den Kistenrand. Nach dem Monat Juni sind die Blumen nur noch braun - Blumenwiesen gehören an ihren natürlichen Standort: in die Natur.

Seit Jahren versuche ich erfolglos Koriander anzusäen. Was mache ich falsch?
Meister: Die Ursachen können vielfältig sein. Die allgemeinen Bedingungen für ein optimales Vorgehen bei Aussaaten sind: Wichtig ist der Zeitpunkt. Koriander sollte frühestens Ende Februar ausgesät werden, sofern man ein kleines Gewächshaus hat, ansonsten noch später, weil sonst die Keimlinge zu wenig Licht haben. Ganz wichtig bei Aussaaten ist das richtige Substrat: Verwenden Sie nur ungedüngte Aussaaterde. Dies gilt auch beim Pikieren (Ausdünnen) oder Umpflanzen von Keimlingen, weil die feinen Haarwurzeln empfindlich auf zu hohe Salzkonzentrationen in der Erde reagieren und absterben. Folge: Die jungen Keimlinge nehmen kein Wasser mehr auf und gehen ein. Die Saatkisten müssen sauber, frei von Krankheiten und Schädlingen sein: Vor Gebrauch gründlich mit heissem Wasser waschen.

Die Erde vor der Saat leicht andrücken und angiessen. Nach dem Ansäen die Samen mit Erde bedecken. Faustregel: doppelt so hoch, wie der Samen dick ist. Die ausgesäten Kisten mit einer Glasscheibe oder Folie abdecken mit mindestens 3 cm Luft zwischen Erdoberfläche und Scheibe. Damit das Kondenswasser an der Scheibe nicht auf die Aussaat tropft, Scheiben täglich wenden. Man entfernt die Abdeckung, bevor die Keimlinge das Glas berühren, stellt sie ans Licht, vermeidet aber direkte Sonneneinstrahlung.

Meine Rosen bekamen letztes Jahr schwarze Flecken an Blättern und Stielen. Was ist das, und was kann ich dagegen tun?
Meister: Die Beschreibung weist auf die Pilzkrankheit Sternrusstau hin. In der Regel verfärben sich ab August die Rosenblätter mit schwarzen, braunen bis violetten Punkten, die sich strahlenförmig ausdehnen. In der Folge vergilben die Blätter und fallen ab. Bei starkem Befall kann die Pflanze alle Blätter verlieren: Die Rosen werden weniger resistent gegen Frost.

Der Pilz überwintert auf abgestorbenen Blättern am Boden und an der Rinde. Deshalb sollten die Blätter sofort entfernt werden. Von Frühjahr bis Sommer infizieren die Sporen - unter günstigen Bedingungen - die Unterseite der Jungtriebe. Taubildung und Regen fördern eine Infektion. Ist der Sommer nass, kann es schon ab Juni zum Befall kommen.

Vorbeugen: Rosen vor Regen schützen oder frühzeitig Fungizid spritzen, insbesondere auf die Unterseiten der Blätter, damit die Sporen nicht keimen können; periodisch wiederholen. Bei Befall spritzt man sofort und gründlich mit einem geeigneten Fungizid. Sternrusstau-Mittel sind in grösseren Gartencentern erhältlich.



Sie fragen, wir antworten

Haben Sie Fragen rund um den Garten oder zu den Pflanzen auf Ihrem Balkon oder in Ihrer Wohnung? Oder haben Sie eigene Anregungen? Dann wenden Sie sich schriftlich an: Redaktion Spezial «Haus & Garten», Postfach 431, 8024 Zürich; E-Mail: redaktion@ktipp.ch

22. März 2006


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