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Pflanzen reinigen die Luft, verbessern das Raumklima und mindern Schadstoffe. Doch eine grüne Umgebung kann auch unser emotionales Wohlbefinden verbessern, wie verschiedene Studien belegen.
Heute verbringen Menschen mehr als 80 Prozent ihres Lebens in geschlossenen Räumen. Eine Folge davon ist, dass gesundheitliche Beschwerden zunehmen. Zimmergrün ist deshalb in physiologischer Hinsicht umso wichtiger. Es vermindert Kopfschmerzen, Schnupfen, Hautreizungen und Stress. Die Phytophilie, also die Liebe zu Pflanzen, fördert zudem die Kreativität, das Konzentrationsvermögen und die Entspannung, wie Studien von Plants for People zeigen. Plants for People ist eine internationale Vereinigung von Wissenschaftlern, welche die «Wohlfahrtswirkung» von Pflanzen in der Arbeitswelt erforscht. Untersuchungen der niederländischen Vereinigung Integrierter biologischer Architektur zeigen etwa auf, dass Pflanzen am Arbeitsplatz eine höhere Arbeitszufriedenheit bringen.
In langjährigen Studien untersuchte der Amerikaner Roger S. Ulrich, Professor für Landschaftsarchitektur und Architektur an der Texas A & M University, die Wirkung von Pflanzen auf das Wohlbefinden von Patienten in Krankenhäusern. Resultat: Kranke reagieren positiv auf Pflanzen: Sie sind weniger ängstlich in der Phase nach der Operation, empfinden weniger Schmerzen und genesen schneller. Interessant dabei ist, dass die emotionale Wirkung von Pflanzen sich offensichtlich auch durch den Blick aus dem Fenster entfaltet - denn nicht in allen Krankenhausbereichen sind Zimmerpflanzen erlaubt.
Grünzeug für den stressabbau
Wer sich also etwas Gutes tun möchte, begrünt sein Umfeld. Nicht nur am Arbeitsplatz, auch zu Hause unterstützen Pflanzen den Stressabbau. Was auch nötig ist: Handys, Laptops und Computer machen es immer schwieriger, die Freizeit von der Arbeitswelt zu trennen.
Bei der Wahl der Begrünung sollte man dem eigenen Geschmack folgen. Das können durchaus Kakteen oder Yuccas sein, auch wenn die Feng-Shui-Berater von Pflanzen mit spitzen Blättern oder Stacheln ihrer negativen Ausstrahlung wegen abraten (siehe SPEZIAL «Haus & Garten» 1/06).
Wer etwas zur Verbesserung des Raumklimas beitragen will, wählt Pflanzen mit grosser Blattoberfläche: Sie haben einen hohen Stoffwechsel, was entsprechend zu einer höheren Luftfeuchtigkeit führt. Als «Prima-Klima-Pflanzen» gelten Cyperus (Zyperngras), Musa (Zierbanane) und Sparmannia (Zimmerlinde).
Pflanzen erobern die schlafzimmer
Der Standort hat bei der Wahl der Pflanzen einen grossen Einfluss. Wer die Ansprüche der Exoten nicht kennt, sollte sich deshalb beraten lassen. Denn nur gesunde Pflanzen entfalten ihre volle Wirkung. Auch Zimmerpflanzen sind Trends unterworfen: Momentan ist etwa der Bogenhanf, den man vor allem aus Grossmutters Stube kennt, wieder besonders aktuell, Ficus hingegen ist out. Wer «in» sein will, dekoriert die Wohnung mit einzelnen, wirkungsvollen Solitären - auch baumförmige Zimmerpflanzen mit Stamm sind sehr beliebt.
Eine Faustregel, wie viel Grün pro Quadratmeter ideal ist, gibt es nicht. Auch wer viele Pflanzen hat, muss keinen Schimmel oder wellige Tapeten befürchten. Entgegen überholter Ansichten machen sie sich auch im Schlafzimmer gut. «Früher hatte man Angst, dass Pflanzen in der Nähe des Betts den Sauerstoff rauben. Doch genau das Gegenteil ist der Fall», sagt Zimmerpflanzen-Spezialist Gerhard Zemp von der Hydroplant AG in Nänikon ZH. Nur Zierpflanzen mit stark duftenden Blüten wie etwa Jasmin und Gardenien eignen sich nicht fürs Schlafzimmer. Zudem sind in einem Haushalt mit Kindern giftige Zimmerpflanzen wie Diffenbachia und Weihnachtssterne tabu (siehe auch Gesundheitstipp 12/2005).
Grünpflanzen zu Hause helfen nicht nur, Stress abzubauen, auch die Pflege kann entspannen, meint Zemp: «Pflanzen sind etwas Lebendiges. Man kann sich mit ihnen auseinander setzen und sogar eine Beziehung aufbauen.»
So bleiben Ihre Pflanzen gesund und kräftig
Klima
Die meisten Zimmerpflanzen mögen eine Durchschnittstemperatur ab 16 Grad Celsius. Im Winter sollten Sie mit einem Zerstäuber oder einem Luftbefeuchter für eine genügend hohe Luftfeuchtigkeit sorgen. Vorsicht: Undichte Fenster und übermässiges Lüften bei frostigen Temperaturen können Pflanzen erheblich schädigen.
Wasser
Der Wasserbedarf ist je nach Pflanze unterschiedlich. Lassen Sie sich von Ihrem Fingerspitzengefühl leiten. Für Anfänger besonders geeignet sind Hydrokulturen, da sie als Kontrollmöglichkeit über einen Wasserstandsanzeiger verfügen.
Dünger
Als Faustregel gilt eine Düngergabe pro Woche. Während des Winters sollte jedoch sparsamer gedüngt werden. Achten Sie darauf, nie in die trockene Erde zu düngen, da sonst die Wurzeln verbrennen.
Substrat
Das Umtopfen von Zimmerpflanzen ist zu jeder Jahreszeit möglich, am besten eignen sich jedoch die lichtreichen Monate von März bis August. Bei der Wahl der Erde sollten Sie sich erkundigen, ob Ihre Pflanze möglicherweise eine Spezialmischung benötigt.
Pflanzenschutz
Falls Ihre Pflanze von Parasiten oder Pilz befallen wird, klären Sie zuerst ab, wo die Ursache liegt. Ist die Pflanze Zugluft ausgesetzt? Hat Sie genügend Licht und Wasser? Bevor Sie Chemie versprühen, informieren Sie sich über biologische Alternativen.
22. März 2006 | Helen Weiss
