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Bei Gesprächen aus dem Ausland zahlen Handy-Nutzer massiv drauf. Dagegen will die EU vorgehen. Für Schweizer Kunden bleibts vorerst teuer.
Wenn ein Schweizer mit seinem Handy aus Italien in die Schweiz telefoniert, zahlt er dafür schnell einmal mehr als für eine Pizza. Ein zehnminütiges Handy-Gespräch kostet 15 bis 20 Franken. Ähnlich hoch sind die Tarife aus anderen EU-Ländern in die Schweiz.
Für diese happigen Preise bemühen die Telecomanbieter unterschiedlichste Gründe: zusätzlicher technischer Aufwand, hohe Kosten für das Nutzen fremder Netze sowie Umtriebe beim Verrechnen. Giorgio Cortiana, Telecom-Analyst bei der UBS, kann dies nicht nachvollziehen: «Faktor zwei, also doppelt so hohe Tarife, wäre vielleicht noch gerechtfertigt», aber Faktor fünf sei jenseits von gut und böse.
Nicht nur Schweizer, auch EU-Bürger zahlen bei grenzüberschreitenden Handy-Telefonaten viel. Anders als die sinkenden nationalen Tarife verharren die internationalen Gebühren seit Jahren auf sehr hohem Niveau. Das ärgert auch die zuständige EU-Kommission, die jetzt dagegen angehen will: «Die Nutzung ausländischer Mobilfunknetze, das so genannte "Roaming", in den Ferien oder auf Geschäftsreisen darf nicht teurer sein als die Nutzung eines anderen Netzes im Heimatland», forderte die verantwortliche Kommissarin, Viviane Reding.
Vodafone Deutschland mit attraktivem Tarif
Die Schweizer Netzanbieter Swisscom, Orange und Sunrise geben sich wenig konkret: «Sollte es zu einer gesetzlichen Regelung kommen, wird dies sicher Auswirkungen auf die Preise der Schweizer Anbieter haben, und diese können die entstandenen Kostenvorteile dann an ihre Kunden weitergeben», heisst es bei Swisscom Mobile.
Heute bieten Swisscom & Co. verschiedene «Sparmöglichkeiten» an: Mit einem Abo-Zuschlag von 5 Franken pro Monat kann man zum Beispiel bei Swisscom im Ausland pro Minute 15 Rappen günstiger telefonieren - was bei einem regulären Minutentarif von Fr. 1.50 jedoch nicht gerade viel ist.
Ein wesentlich attraktiveres Sparangebot bietet Vodafone Deutschland mit dem «Reiseversprechen» an. Dort zahlt man die gleichen Preise wie auf dem Heimnetz plus einen Zuschlag von rund Fr. 1.20 pro Gespräch. «Wir erachten dies grundsätzlich als ein interessantes Konzept und prüfen die Anwendbarkeit auf dem Schweizer Markt», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber zurückhaltend. Die Voraussetzungen dafür wären ideal: Laut Branchenkennern laufen 75 Prozent der Roaming-Anrufe von Swisscom-Kunden über ein Vodafone-Partnernetz.
22. März 2006 | Stephan Dietrich - stephan.dietrich@ktipp.ch
