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Artikel | Gesundheits-Tipp 3/2006

Eine 1800-Franken- Matte gegen Elektrosmog

Die Zuger Bricona und andere Anbieter ziehen den Kunden mit fragwürdigen Angeboten das Geld aus der Tasche: Magnetmatten sollen gegen Elektrosmog und Wasseradern schützen. Reine Geldmacherei, sagen Fachleute.

Monika und Hugo Ming aus Sachseln OW war es nicht mehr wohl in ihrem Heim. «Ich schlief seit längerer Zeit schlecht», sagt Monika Ming. Die Mings liessen deshalb einen Vertreter der Firma Bricona kommen. Das Unternehmen aus Cham ZG hatten sie an einer Werbeveranstaltung kennen gelernt. Der Firmenvertreter sollte messen, ob die Wohnung mit Elektrosmog und Wasseradern belastet sei - zum günstigen Preis von 300 Franken. Andere Anbieter verlangen mehr als das Doppelte.

Doch statt die Wohnung gründlich zu vermessen, habe der Vertreter viel Zeit für eine «Akupunktur-Messung nach Dr. med. Voll» verwendet, sagt Monika Ming. Diese Methode beruht auf der Annahme der chinesischen Medizin, dass Energiebahnen die Finger und die inneren Organe miteinander verbinden. Die Messung des Hautwiderstands der Finger zeigt angeblich, ob der Körper durch Erdstrahlen und Elektrosmog geschädigt ist.

Das Vorgehen des Vertreters hat Monika Ming befremdet: «Für gesundheitliche Abklärungen möchte ich von einem Arzt betreut werden.» Der Bricona-Vertreter sei aber früher Schreiner gewesen.

Dem Ehepaar Ming empfahl der Vertreter schliesslich den Kauf einer Magnetfeldmatte für stolze 1800 Franken. Laut den Bricona-Unterlagen ermöglicht eine solche Matte einen «tiefen, erholsamen Schlaf», wenn man sie unter das Bett legt. Denn sie schütze vor Elektrosmog, Wasseradern und Störungen im Erdmagnetfeld. Warum die Matte so teuer sei, habe der Vertreter nicht erklären können. «Als wir kritische Fragen stellten, reagierte er ungehalten», erinnert sich Monika Ming. «Wir sind uns richtig blöd vorgekommen.» Mings verzichteten auf den Kauf einer Matte.


«Mit den Matten betreibt man nur Symptombekämpfung»

Fachleute kritisieren das Vorgehen der Bricona. Der Zuger Elektroingenieur Adrian Nussbaumer sagt: «Diese Firma bietet die Hausuntersuchungen zum Spottpreis an. Sie will aber vor allem die teuren Magnetfeldmatten verkaufen.»

Nussbaumer bezweifelt, dass die Magnetfeldmatten gegen Elektrosmog wirken. «Damit betreibt man nur Symptombekämpfung», sagt er. «Es ist besser, schädliche Einflüsse an der Wurzel zu bekämpfen.» Auch der Baubiologe Guido Huwiler aus Maschwanden ZH sagt: «Der Langzeiteffekt solcher Matten ist gering. Ich habe auch einmal eine Magnetfeldmatte getestet. Aber ich schlief besser, nachdem ich sie wieder entfernt hatte.»
Für Martin Röösli vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern ist klar: «Solche Methoden sind reine Geldmacherei.» Auch die «Akupunktur-Messung nach Dr. med. Voll» stösst beim Präventivmediziner auf Skepsis. «Niemand kann erklären, wie das funktionieren soll. Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu.»

Die Bricona bestreitet, Messungen zum Spottpreis durchzuführen, damit sie nachher die teuren Matten verkaufen könne. Bricona-Inhaber Conrad von Brockdorff sagt: «Wir veranstalten Vorträge und führen danach jeweils mehrere Messungen in der gleichen Ortschaft durch. Deshalb können wir die Messungen zu einem günstigen Preis anbieten.»


Andere Firmen verkaufen noch teurere Matten

Den hohen Preis seiner Magnetfeldmatten erklärt Conrad von Brockdorff wie folgt: «In unseren Matten sind hochwertige Kupferspulen eingebaut. Sie werden in Handarbeit in der Schweiz hergestellt.» Zudem sei die telefonische Beratung gratis.
Die Bricona ist nicht die einzige Firma, die Magnetfeldmatten verkauft. Das Institut für Erdstrahlen und Elektrosmog (IFEE) aus Hünenberg ZG wirbt mit ganzseitigen Inseraten für Hausmessungen zum Preis von 320 Franken. Auch im Gesundheitstipp. Was allerdings nicht im Inserat steht: Auch das IFEE verkauft Magnetfeldmatten. Und die sind sogar noch teurer als die Bricona-Matten: Je nach Modell blättert man dafür zwischen 1860 und 2400 Franken auf den Tisch.


«Die Störung zu beseitigen, ist sehr kostspielig»

Auch IFEE-Inhaber Thomas Sigrist bestreitet, dass er Lockvogel-Messungen zu Dumpingpreisen anbiete: «Für solche Messungen sind keine teuren Geräte nötig.» Den Vorwurf, er betreibe mit seinen Matten Symptombekämpfung, will Sigrist hingegen nicht bestreiten: «Klar ist es am besten, die Störung zu beseitigen. Doch das ist sehr kostspielig und führt nicht immer zum Ziel.»



«Für gesundheitliche Abklärungen möchte ich von einem Arzt betreut werden»
Monika Ming

15. März 2006 | Andreas Gossweiler


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