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Artikel | K-Tipp 5/2006

Das Geschwätz der Politiker vom Wettbewerb

Bravo Migros! Euer Härdöpfelstock schmeckt am besten. Note «sehr gut». Er ist leckerer als alle deutschen Kartoffelpürees von Aldi bis Pfanni. Das hat die Stiftung Warentest herausgefunden. Doch eine Schande ist der gesalzene Preis. Euer Kartoffelstock kostet sage und schreibe neunmal so viel wie das Püree von Aldi, das im Test auch gut abschneidet. Neunmal so viel! Auch andere Kartoffelprodukte wie Ofen-Frites und Pommes Chips sind in der Schweiz massiv teurer.

Schuld an den hohen Preisen trägt der abgeschottete Schweizer Markt. Viele bürgerliche Politiker und Wirtschaftskreise predigen zwar den freien Wettbewerb, aber sie tun alles, damit er nicht spielen kann. Exorbitant hohe Zölle verhindern den Import von Kartoffelprodukten. Es lohnt sich für die Händler oft nicht, Ofen-Frites und Pommes Chips aus dem Ausland zu importieren
- viel zu teuer. Für eine 300-Gramm-Packung Kartoffelchips müssten sie Fr. 2.35 Zoll zahlen. Das macht niemand. In diesem abgeschotteten Markt konnte die Firma Zweifel in aller Ruhe eine Monopolstellung aufbauen.
Und wer ohne Konkurrenz ist, kann fast jeden Preis verlangen. Für eine Packung Zweifel-Chips müssen Konsumenten Fr. 5.70 bezahlen. Bei Aldi in Deutschland kostet die gleiche Menge nur Fr. 1.10. Zweifel ist fünfmal so teuer. Fünfmal!

Der Abbau von Importzöllen auf Kartoffelprodukte würde die Preise unter Druck setzen. Der Markt könnte spielen. Viele bürgerliche Politiker reden zwar immerzu von Wettbewerb. Doch das ist alles nur Geschwätz. Sie tun nichts gegen die Hochpreisinsel Schweiz.

Zu viele profitieren vom abgeschotteten Markt: Die Bauern pflanzen weiterhin teure Kartoffeln an, die Hersteller verlangen für Chips und Stocki unverschämte Preise, und die Detailhändler schlagen überrissene Margen auf die Kartoffelprodukte. Kein ausländischer Konkurrent hindert sie daran. Nur wir Konsumenten gehen leer aus.

08. März 2006 | Wolfgang Wettstein, Redaktionsleiter «Kassensturz»


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