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Eine Scheidung muss für Eltern und Kind nicht traumatisch enden: Gesundheitstipp-Leserinnen erzählen, wie sie eine gute Trennung geschafft haben.
Eine fröhliche Runde sitzt am Tisch von Monika Pohl aus Duggingen BL: Die Tochter mit ihrem Freund, der Ehemann - und auch der Ex-Mann. Er ist der Vater der Tochter. Feste wie Weihnachten gemeinsam zu feiern, ist für Monika Pohl auch nach der Scheidung selbstverständlich: «Er war immer ein guter Vater. Ich habe kein Recht, die Beziehung zwischen unserer Tochter und ihm zu unterbinden.»
Monika Pohl ist eine der Gesundheitstipp-Leserinnen, die sich auf den Aufruf zum Artikel «Ehekriege kennen keine Sieger» (12/05) gemeldet haben. Ein langer Scheidungskampf macht alle Betroffenen krank - seelisch und körperlich. Deshalb wollte der Gesundheitstipp wissen, wie es Geschiedene schaffen, ohne Streit gemeinsam für ihr Kind zu sorgen und sogar Feste wie Weihnachten zusammen zu feiern.
«Wir hatten immer Respekt und Achtung voreinander»
Monika Pohl und ihr damaliger Mann waren sich einig: «Wir wollten uns in Anstand trennen.» Die Zeit sei nicht einfach gewesen. Doch die Tochter sollte nicht leiden. Pohl: «Es ist himmeltraurig, wenn Eltern ihre Probleme auf dem Buckel der Kinder austragen.» Was es für eine gute Trennung braucht: «Etwas Grosszügigkeit und Herz», ist Pohl überzeugt. «Wir hatten immer Respekt und Achtung voreinander.»
Die deutsche Soziologin Anneke Napp-Peters hat untersucht, welche fatalen Folgen Scheidungskriege für Kinder haben: fehlende Zukunftsperspektiven, Bindungsängste, Depressionen, Alkohol und Drogen. Ihr Fazit: «Die Eltern müssen es schaffen, die Feindseligkeit zu überwinden.» Nur dann habe das Kind eine Chance, die Scheidung psychisch gesund zu überstehen.
Elke Centorbi und ihr Ex-Mann haben das geschafft: «Heute sind wir Freunde», sagt sie. Für ihre 12-jährige Tochter sei es extrem wichtig, das Weihnachtsfest mit Vater und Mutter gemeinsam zu feiern. Und das klappe auch: «Wir hatten immer ein schönes und harmonisches Fest», sagt Elke Centorbi.
Doch nicht nur der Frieden zwischen den Eltern ist für das Kind wichtig. Napp-Peters: «Kinder brauchen den regelmässigen Kontakt zu beiden Elternteilen.» Das sei wichtig für ihre emotionale Stabilität und schütze sie vor Verlustängsten.
So wie beim 14-jährigen Moritz aus Zürich. Seit der Scheidung seiner Eltern lebt er bei der Mutter. Trotzdem hat er sehr viel Kontakt zum Vater. Seine Mutter Monika Bachmann: «Wir haben zwar eine Besuchsregelung, aber diese ist flexibel und auf die Bedürfnisse von Moritz abgestimmt.»
Ein grösserer Kreis von Bezugspersonen
Bachmanns planten von Anfang an, «wichtige Familienanlässe gemeinsam zu feiern». Mit dabei sind unterdessen die neuen Lebenspartner. Monika Bachmann: «Ich glaube, dass Moritz davon auch profitiert.» Er erlebe verschiedene Beziehungsformen und habe einen grösseren Kreis von Bezugspersonen.
Buchtipp: Remo H. Largo, Monika Czernin: «Glückliche Scheidungskinder. Trennungen und wie Kinder damit fertig werden.» Serie Piper, Fr. 18.10
15. Februar 2006 | Sonja Marti
