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Artikel | Gesundheits-Tipp 2/2006

Werbekino auf Kosten von Babys

Der Grossverteiler lädt frischgebackene Eltern samt ihren Kleinsten ins Kino. Der Zweck: Kundenpflege fürs Babysortiment. Doch Fachleute warnen: Viel zu lärmig für Säuglinge.

Kino Worb bei Bern, Sonntag, 8. Januar, kurz nach 10 Uhr: Das Foyer ist voller Kinderwagen. Auch ein Wickeltisch steht bereit. Ungewohnt das Bild im Kinosaal: Mamis und Papis sitzen mit ihren Babys auf dem Schoss. Einige der Kinder schreien, andere werden von den Eltern herumgetragen. Eines nuckelt an einem Schoppen. Es wird dunkel, die Unruhe bleibt. Der Film beginnt: Es ist «Jeune Homme», die Geschichte eines jungen Mannes, der als Au-pair arbeitet. «Nuggi-Kino» heisst die ungewöhnliche Veranstaltung.

Coop bietet solche Spezialvorstellungen seit kurzem in verschiedenen Städten an. «Wir möchten, dass junge Eltern zusammen als Familie ausgehen können», sagt Beatrice Form, zuständige Projektleiterin bei Coop. Doch wer sich im Foyer umschaut, dem wird rasch klar: Die Nuggi-Kino-Vorführungen dienen dazu, Werbung für Babyprodukte zu machen.


«Ich würde einem Kind so etwas ersparen»

Überall liegen Kindersnacks und Babycremen als Gratismuster auf. Einmal im Jahr erhalten frischgebackene Eltern vom Grossverteiler gratis einen ganzen Sack voll Babyartikel.

Doch diese Werbeveranstaltung geht auf Kosten der Säuglinge. Dies zeigt eine Lärmmessung, die der Gesundheitstipp in Worb vorgenommen hat (siehe Grafik). Zwar behauptet Beatrice Form, dass die Lautstärke «babygerecht» angepasst werde. Doch die Messung ergab: Zwei Stunden lang mussten die Babys im Dunkeln einen durchschnittlichen Geräuschpegel von knapp 60 Dezibel (dBA) ertragen - mit Spitzen bis zu 78,3 Dezibel. Zum Vergleich: Die Suva empfiehlt, bei Arbeiten ab 85 Dezibel einen Gehörschutz zu tragen. Ausserdem zeigen Untersuchungen bei Schulkindern: Bereits ab einem Lärmpegel von 45 Dezibel nehmen deren Leistungen ab. Fachleute sind sich einig: Es ist unsinnig, Babys solchem Lärm auszusetzen. «Das Hirn von Säuglingen ist noch in der Entwicklung», sagt Richard Kraemer, Direktor der medizinischen Kinderklinik des Berner Inselspitals. «Auch mit gedrosselter Lautstärke sind die Ton- und Lichteinflüsse im Kino vermutlich schädlich für ein Baby.»

Für den Arzt Bernhard Aufdereggen, Vorstandsmitglied der Vereinigung «Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz», ist ein Kino «überhaupt keine angenehme Umgebung für einen Säugling». Auch der Zürcher Kinderarzt Remo Largo spricht Klartext: «Ich würde einem Kind so etwas ersparen.»


Nach der Hälfte werden viele Säuglinge unruhig

Für solche Kritiken hat Beatrice Form nicht viel übrig: «Aus unserer Sicht ist das Nuggi-Kino durchaus vertretbar. Letztlich müssen das aber die Eltern entscheiden.»

Doch auch für viele Eltern entpuppt sich der Kinobesuch als Stress: Nach der ersten Halbzeit werden die Babys immer unruhiger. Die Eltern sind hin und her gerissen zwischen dem Film und dem oft vergeblichen Versuch, ihr Kind zu beruhigen.

Kein Wunder, kommen manche Eltern zum gleichen Schluss wie Nadia Roca Mathys nach ihrem ersten Nuggi-Kino-Besuch: «Ein anderes Mal gehe ich lieber wieder mit meinem Mann allein ins Kino und lasse unseren Sohn bei den Grosseltern.»

15. Februar 2006 | Esther Diener-Morscher


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Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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