|
(0) |
Die «Folsäure-Offensive» behauptet, das Vitamin könne Herz-Kreislauf-Krankheiten verhindern. Eine norwegische Studie hat jetzt bewiesen, dass das nicht stimmt.
Folsäure sei nicht nur ein Wundermittel gegen den offenen Rücken bei Babys, sondern auch gegen Herz-Kreislauf-Probleme und andere Krankheiten: Dies hämmern die Vertreter der Schweizer «Folsäure-Offensive» seit Jahren in die Köpfe der Konsumenten. Deshalb sei es wichtig, dass alle Menschen mehr Folsäure zu sich nähmen. Denn das Vitamin baue das schädliche Homocystein ab, das zum Herzinfarkt führen könne.
Eine grosse Studie zeigt jetzt aber, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Homocystein-Gehalt im Blut und dem Infarktrisiko gibt. Laut der «Norwegian Vitamin Study» bleibt das Risiko gleich hoch, auch wenn die Patienten einen Drittel weniger Homocystein im Blut haben. Patienten, die gleichzeitig Folsäure und Vitamin B6 schluckten, hatten sogar noch häufiger einen Infarkt.
Folsäure-«Papst» Otmar Tönz, Leiter des wissenschaftlichen Beirats der «Folsäure-Offensive», räumt ein: «Die Studie versetzt unserem Optimismus einen Dämpfer. Wir werden in Zukunft zurückhaltender sein mit der Aussage, Folsäure schütze gegen Herzkrankheiten.» Die Idee, Lebensmittel mit Folsäure anzureichern, sei aber nicht vom Tisch. Denn das Vitamin sei unentbehrlich, um Fehlbildungen während der Schwangerschaft zu verhindern.
Thomas F. Lüscher, Herzspezialist am Zürcher Universitätsspital, hält es für unsinnig, Lebensmittel für die gesamte Bevölkerung mit Folsäure zu versetzen. Dies hätte die norwegische Studie gezeigt. «Es genügt», so Lüscher, «wenn Frauen, die schwanger werden wollen oder sind, Folsäurepräparate einnehmen.»
(ag)
15. Februar 2006
