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Von Akupunktur bis Zyban: Zehn Gesundheitstipp-Leserinnen und -Leser versuchen im neuen Jahr, mit verschiedenen Methoden vom Nikotin loszukommen.
Helfen Sie mir bitte! Ich schaffe es einfach nicht. Immer wieder kommen die kleinen Teufelchen», schrieb uns Manfred Roth aus Wängi TG. Für ihn sind die «Teufelchen» die Lust auf Zigaretten. So wie Manfred Roth geht es vielen Schweizerinnen und Schweizern: Zwei Drittel aller Raucher würden lieber ohne Zigaretten leben. Das zeigt die neueste Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik.
Gross war denn auch das Echo auf die Ausschreibung im letzten «Gesundheitstipp»: Rund 250 Leserinnen und Leser wollten bei der Aktion Rauchstopp mitmachen. Die Redaktion wählte fünf Frauen und fünf Männer aus. Sie alle versuchen jetzt, mit verschiedenen Methoden vom blauen Dunst wegzukommen. Jeden Monat wird der Gesundheitstipp über ihre Erfahrungen berichten.
Der Zeitpunkt zum Aufhören ist besonders günstig: In den Zügen gilt neuerdings Rauchverbot. Und einige Kantone wollen das Rauchen in öffentlichen Gebäuden bald verbieten. Für Gesundheitstipp-Leser Alfons Eder war dies der Grund, um bei der Aktion Rauchstopp mitzumachen: Als stellvertretender Kantonsbaumeister des Kantons Zug muss er im neuen Jahr das Rauchverbot in den kantonalen Gebäuden durchsetzen. «Das ist der richtige Moment zum Aufhören», sagte sich Alfons Eder. Er will seinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel voran gehen.
Für andere Leser stehen gesundheitliche Gründe im Vordergrund. «Ich keuche immer mehr beim Marschieren», sagt Christian Santschi aus Spiez BE, der in der Kaserne Thun den Feldweibel abverdient. Und Isabel Berger aus Tuggen SZ schrieb: «Ich habe Angst um meine schönen langen Beine.»
Aus welchem Beweggrund auch immer: Der Rauchstopp ist keine einfache Sache. Nur einer von sechs Ex-Rauchern schafft es, dauerhaft ohne Glimmstängel zu leben. Der Zürcher Arzt Giovanni Ruffo dazu: «Nikotin macht ähnlich stark abhängig wie Heroin.»
Die Entzugserscheinungen lassen sich mit nikotinhaltigen Produkten dämpfen. Zur Wahl stehen Kaugummis, Pflaster, Tabletten und Inhalator. «Raucher, die in gleichmässigen Abständen zur Zigarette greifen, wählen am besten Pflaster, weil sie Nikotin gleichmässig über den Tag verteilt abgeben», sagt Christine Gafner, Spezialistin auf dem Gebiet der Tabakprävention in Bern. «Wer tagsüber wenig raucht, dafür am Abend ein ganzes Päckli, ist mit dem Kaugummi besser bedient, weil er schneller wirkt.»
Auch Zyban reduziert das Verlangen nach Nikotin. Doch es ist ein rezeptpflichtiges Medikament. Aufgrund der starken Nebenwirkungen eignet es sich nicht für alle. Gafner rät: «Es ist besser, erst einmal ein nikotinhaltiges Produkt zu probieren. Dafür ist kein Arztbesuch nötig, und es hat selten Nebenwirkungen.»
Mit dem Überwinden der Nikotinsucht ist es aber nicht getan. Es gilt auch, Abschied zu nehmen von der Gewohnheit, in bestimmten Situationen eine Zigarette anzuzünden. «Das ist für die meisten Raucher das grösste Problem», sagt Christine Gafner.
Wie schwierig das Ändern eingeschliffener Verhaltensmuster ist, erläutert die Spezialistin mit einer Rechnung: «Wer ein Päckli Zigaretten raucht, führt jeden Tag 400-mal die gleiche Handbewegung aus - im Jahr 146 000-mal.»
Das ist aber kein Grund, die Hoffnung auf ein rauchfreies Leben aufzugeben: Neben nikotinhaltigen Produkten und Zyban gibt es viele andere Therapien und Hilfsmittel. Das Angebot ist kaum überblickbar. «Eine Methode, die allen anderen überlegen ist, gibt es nicht», sagt Ruffo. «Jeder ausstiegswillige Raucher soll die wählen, die ihn am ehesten überzeugt - und bezahlbar ist.»
Hohe Rückfallquote bei der Silvestermethode
Die Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik hat gezeigt, dass die meisten ausstiegswilligen Raucher die Silvestermethode - das Aufhören ohne Hilfsmittel - wählen. «Es ist sinnvoll, beim ersten Versuch auf Hilfsmittel zu verzichten», sagt Arzt Ruffo. «Der Aufhörwillige lernt dabei, wie er sich im Entzug verhält.» Allerdings werden bei der Silvestermethode fast alle Raucher rückfällig.
Doch einen 100-prozentigen Schutz vor Rückfällen gibt es nicht. Gesundheitstipp-Leserin Barbara Oesch aus Bern berichtet: «Ich habe Nikotinkaugummis und Süssholz gekaut, literweise Tee getrunken und sämtliche Bücher von Allen Carr, dem Erfinder der Easyway-Methode, gelesen. Es hat alles nichts genützt.» Jetzt probiert es Barbara Oesch mit Akupunktur.
Bei den alternativen Heilmethoden - Hypnose, Handauflegen und Akupunktur - ist es schwierig, die Erfolgsquote zu ermitteln. «Es gibt zu wenig Studien», sagt die Rauchstopp-Expertin Gafner. Zudem unterscheidet sich das Vorgehen der Therapeuten stark. Einige Ärzte, die Akupunktur anbieten, stecken die Nadeln in die Ohrmuschel. Andere behandeln den ganzen Körper oder kombinieren die Akupunktur mit einer Verhaltenstherapie.
Vorsicht: Nicht alle Therapeuten sind seriös
Die sensationellen Erfolgsquoten, die gewisse Anbieter alternativer Methoden vermelden, sind mit Vorsicht zu geniessen. Der Handaufleger Kurt Zintzmeyer behauptet, dass 80 Prozent seiner Kunden nach vier Wochen rauchfrei leben. Wie viele nach einem Jahr noch abstinent sind, ist aber nicht bekannt.
Weil nicht alle Anbieter seriös sind, wählt man am besten Therapeuten, die einem Berufsverband angehören. Zintzmeyer gehört keinem Verband an. Dennoch will es Cordula Eggenberger aus Beromünster LU wissen: Sie lässt sich von ihm beim Ausstieg unterstützen.
In der Gruppe aufzuhören, erhöht die Motivation
Egal, welche Methode man bevorzugt - das Entwöhnen vom Nikotin ist schwierig. Darum ist es ratsam, sich von einem Arzt, einer Apothekerin oder einem Psychologen beraten zu lassen. Wer den Ausstieg nicht allein durchstehen möchte, kann einen Gruppenkurs besuchen. «Das Bewusstsein, Leidensgenossen zu haben, hilft vielen Leuten beim Ausstieg», sagt Christine Gafner.
Für Sarah Bernasconi aus Bern war dies mit ein Grund, sich für die Aktion Rauchstopp zu bewerben. «Die Motivation ist grösser, wenn andere auch mitmachen», sagt sie.
Selbsthilfeprogramme und Hotlines
- www.at-schweiz.ch: Die Seite der Arbeitsgemeinschaft Tabakmissbrauch enthält Tipps für den Ausstieg auf eigene Faust.
- www.letitbe.ch: Die Website der Krebsliga und anderer Organisationen liefert nützliche Infos.
- www.zielnichtrauchen.ch: Selbsthilfeprogramm für den schrittweisen Ausstieg.
- Rauchstopplinie der Krebsliga: Kurzberatung, Tel. 0848 000 181 (Festnetz 8 Rp./Min, Handy 30 Rp./Min.) Mo bis Fr: 11-19 h,
«Wer vor allem abends viel raucht, sollte es mit Kaugummis probieren»
Christine Gafner, Rauchstopp-Expertin
18. Januar 2006 | Andreas Gossweiler
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