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Ein frischer Anstrich lässt verschmutzte Wände wieder weiss werden. Doch Dispersionsfarben enthalten oft heikle Stoffe. Von 10 Proben sind nur 3 uneingeschränkt empfehlenswert.
Die eigene Wohnung neu zu streichen, ist eine Arbeit, die sich fast jeder zutraut. Das Material dazu gibts in jedem Baumarkt. Für Innenräume und grosse Flächen nimmt man am besten Dispersionsfarben.
Aber welche problematischen Stoffe hats in den Farben drin? Im Saldo-Labortest (19/ 2005) wurde ein besonderes Augenmerk auf Formaldehyd und Isothiazolinone gerichtet.
Die Resultate: Die Hälfte der Produkte ist frei von Formaldehyd. Zwei enthalten nur minimale Spuren. In den Farben Eurocolor, M-Budget und Exponit BB wies das Labor die Substanz jedoch in grösseren Mengen nach. Während das Jumbo-Produkt Eurocolor das strenge Gütezeichen von 20 Milligramm pro Kilo von Natureplus nur knapp überschreitet, liegen die M-Budget-Farbe und vor allem Exponit BB deutlich darüber.
In der Luft freigesetzt, reizt Formaldehyd bereits bei niedriger Konzentration Augen und Schleimhäute. Aber: «Anders als bei Spanplattenmöbeln nimmt die Formaldehydbelastung durch Farbe nach dem Austrocknen stark ab», sagt Roger Waeber vom Bundesamt für Gesundheit.
Um die Farben vor Schimmel- oder Bakterienbefall zu schützen, setzen einige Hersteller auch Isothiazolinone ein. Diese Stoffgruppe kann Allergien wie etwa Ekzeme hervorrufen.
Formaldehyd: Drei Farben enthalten grössere Mengen
In keiner einzigen Probe wies das Labor das Isothiazolinone MCI nach. «Das ist ein Fortschritt», kommentiert Markus Niederer vom Kantonalen Labor Basel. «Neu setzen Farbenhersteller vor allem auf die Verbindungen MI und BIT, die nicht in die Raumluft entweichen», sagt Niederer. Diese Verbindungen sind weniger problematisch, können aber bei empfindlichen Menschen durch Hautkontakt zu allergischen Reaktionen führen.
Dass es auch ohne Formaldehyd oder Isothiazolinone geht, zeigt die Thymos AG, die die Primasol-Wandfarbe herstellt. Sie setzt zur Konservierung Borsalz und Bergamotte-Öl ein.
Fazit: Bei drei Produkten ist das Formaldehyd und jeweils eine weitere nicht unproblematische Substanz zu bemängeln. Vier weitere Farben sind mit leichten Einschränkungen und drei ohne Wenn und Aber zu empfehlen.
Untersuchte Stoffe
- Formaldehyd: Konservierungsmittel, das bereits in geringen Mengen Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann.
- Isothiazolinone: Stoffgruppe, die zur Konservierung eingesetzt wird. Die chlorhaltige Verbindung MCI löst häufig allergische Reaktionen aus.
- Terpene: Organische Verbindungen, die bei Allergikern Atmungsorgane und Schleimhäute reizen können.
- Glycolether und -ester: Stoffgruppe, die als Lösemittel eingesetzt wird und zu Bindehautreizungen und Nierenschäden führen kann.
- Phthalate: Weichmacher, die im Verdacht stehen, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen.
04. Januar 2006 | Sigrid Cariola
