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Ein Anleger hat 300 000 Franken in riskante Optionen investiert - und fast alles verloren. Reich wurde nur sein Vermögensverwalter.
Er kassierte über 100 000 Franken Gebühren.
Vor rund zwei Jahren wählte ein Mitarbeiter der Firma KMH Consulting AG zufällig die Telefonnummer von P. L. Er erzählte dem angehenden Rentner, dass die KMH gerne mit seinem Geld arbeiten würde. Maximal ein halbes Jahr. Bei 30 bis 40 Prozent Rendite.
L., der als ehemaliger Unternehmer im Zürcher Oberland etwas Vermögen hatte, stieg darauf ein. Weil er ein vorsichtiger Mensch sei, habe er zuerst nur 4320 Franken überwiesen. 4000 Franken für eine Probe-Investition und 320 Franken für die 8-prozentige Kommission.
Das Geld wurde in Papiere des Pharmakonzerns Pfizer investiert. Was dem Laien in Sachen Finanzfragen jedoch nicht bewusst war: Bei diesen Papieren handelte es sich um hochriskante Optionen.
«Der Berater jonglierte am Telefon mit Zahlen. Es war alles sehr verwirrend, was er sagte - aber verlockend», erinnert sich L.
Einige Wochen später erhielt L. einen weiteren Anruf der in Steinhausen ZG ansässigen KMH. Er solle jetzt 100 000 Franken zuzüglich Kommission von 8000 Franken in Call-Optionen von Nokia investieren und erhalte in drei bis vier Tagen 160 000 Franken zurück. L. tat, wie empfohlen.
Die Überweisung blieb jedoch aus, wie L. dem wenig später eintreffenden Kontoauszug von Refco Securities in New York entnehmen konnte. Diese Firma kaufte im Auftrag von KMH die Optionen.
Zur ausgebliebenen Überweisung hiess es auf Nachfrage von L. bei der KMH nur, man habe keinen Käufer für die Nokia-Optionen gefunden. Deshalb sei die Transaktion nicht zustande gekommen.
Der Berater kaufte eigenmächtig Call-Optionen
Gleichzeitig überredete der KMH-Mitarbeiter seinen Kunden, nochmals 108 000 Franken zu investieren. Und kurz darauf liess sich L. sogar noch ein drittes Mal 108 000 Franken entlocken.
Mit diesem Geld kaufte der KMH-Berater eigenmächtig so genannte Call-Optionen auf Intel-Aktien. Gemäss der vom Kunden unterschriebenen Auftragsbestätigung hätte die Investition jedoch in das Gegenteil, nämlich in Put-Optionen, fliessen sollen.
L. investierte insgesamt also 328 320 Franken. 24 320 Franken davon flossen als Kommissionen in die Kasse der KMH.
Aber die KMH kassierte noch mehr: Für Kauf und Verkauf einer Option verlangte sie laut Tobias Steger, Sprecher von Refco Switzerland, eine Gebühr von 104 US-Dollar.
Im Auftrag von L. kaufte die KMH 579 Optionen. Die dafür verlangten Gebühren betrugen umgerechnet rund 78 000 Franken. Insgesamt verdiente die KMH an ihrem Kunden L. also über 100 000 Franken.
«Der Vermögensverwalter kann wegen der Gebühren ein Interesse haben an häufigen Transaktionen auf den Kundenkonten», sagt Steger. Die Refco weist deshalb anlässlich der Kontoeröffnung auf den möglichen Interessenkonflikt hin und hat zusätzlich ein Sicherheitssystem eingerichtet. Sie schickt ihren Kunden Warnbriefe, sofern sie auf deren Konto sehr viele Bewegungen oder unverhältnismässig hohe Kommissionen feststellt.
Auch L. erhielt einen derartigen Warnbrief. Grund dafür war ein Optionen-Kauf durch die KMH, dessen Gebühren über 23 Prozent des investierten Betrages ausmachten.
Unwissen oder Täuschung? Das ist die Frage
L. wandte sich an seinen KMH-Kundenberater. Dieser beschwichtigte ihn telefonisch mit der Falschinformation, es handle sich dabei um einen Standardbrief, und behauptete, Umschichtungen innerhalb des Kundenkontos seien kostenlos.
«Ist das Unwissen, Täuschung oder Betrug?», wollte L. im Juli 2005 von der KMH-Geschäftsleitung wissen. Eine Antwort auf diese und andere Fragen erhielt er bis heute nicht. Stattdessen wimmelte die KMH ihren Kunden mehrfach in schnoddrigen Schreiben ab.
Die Refco Switzerland hat die Verträge mit der KMH und den meisten anderen Vermögensverwaltern, mit denen sie zusammenarbeitete, unterdessen aufgelöst. «Wir konnten für die Qualität der Vermögensverwalter nicht garantieren», begründet Refco-Sprecher Steger diesen Schritt.
Anleger L. hat sich Mitte November 23 000 US-Dollar - rund 30 000 Franken - von seinem Konto bei der Refco auszahlen lassen. Der Rest in der Höhe von 300 000 Franken ist verloren.
Die KMH hat zum geschilderten Fall trotz mehrfacher Aufforderung keine Stellung genommen.
14. Dezember 2005 | Philipp Lütscher
