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Artikel | Gesundheits-Tipp 12/2005

Getrübte Silvesterlaune

Der Gesundheitstipp liess Champagner, Prosecco, Cava und Sekt auf Schwefeldioxid untersuchen. Das überraschende Resultat: Eine Probe war verdorben - und zwei weitere knapp davor.

Der Korken knallt - und der Schämpis beginnt zu schäumen: Beim Anstossen wünscht man sich «frohe Weihnachten», «es guets Nöis» oder «happy Birthday» - aber sicher nicht, das Getränk möge nicht verdorben sein. Müsste man aber, wie eine Stichprobe zeigte.

Der Gesundheitstipp kaufte bei sieben Grossverteilern 15 Schaumweine. Im Labor wurden diese auf Schwefeldioxid - auch schweflige Säure genannt - untersucht. Dieser Stoff stoppt die Vergärung und schützt vor Keimen, macht die Weine also haltbar. Schweflige Säure kommt in zwei Formen vor:
- Freie schweflige Säure: Ihr Anteil ist ein Hinweis dafür, wie lange der Schaumwein noch haltbar ist. Ohne schweflige Säure beginnt er zu oxidieren - und wird schlecht.
- Gesamte schweflige Säure: Der Wert setzt sich zusammen aus der freien und der im Wein gebundenen Menge. Zu viel davon kann bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen. Der gesetzliche Grenzwert für die gesamte schweflige Säure liegt bei 260 Milligramm pro Liter.


Kein Produkt überschritt den Grenzwert

Die gute Nachricht zuerst: Die Kopfweh-Gefahr ist klein. Der Aldi-Prosecco Spumante Valdobbiadene weist den höchsten Wert an der gesamten schwefligen Säure auf (132 Milligramm/Liter). Laut Experten ist dies aber unbedenklich. Nur empfindliche Menschen würden bereits bei geringen Mengen an gesamter schwefliger Säure mit Kopfschmerzen reagieren.
Überraschend hingegen waren die Resultate der freien Schwefelsäure - schlechte Werte gab es bei drei Proben:
- Die Champagner Brut de Montpervier von Aldi und Pommery Dry von Carrefour enthielten noch gerade mal 1 Milligramm freie Schwefelsäure pro Liter (siehe Tabelle). Sie waren kurz vor dem Oxidieren.
- Der Bio-Champagner von Coop schnitt mit 3 Milligramm freier schwefliger Säure pro Liter zwar etwas besser ab - trotzdem war er bereits ungeniessbar. Der Korken war kaputt «und der Inhalt roch säuerlich und unangenehm», so der Lebensmittelchemiker Klaus Haase-Aschoff, Inhaber des gleichnamigen Labors im deutschen Bad Kreuznach.

Trinkt man einen solchen Wein, schädigt man damit zwar nicht die Gesundheit. Doch als prickelnd und festlich wird man das Cüpli nicht in Erinnerung behalten. Haase-Aschoff: «Die Werte der freien schwefligen Säure sollten nicht unter 5 Milligramm pro Liter liegen. Sonst ist die Gefahr gross, dass der Schaumwein ungeniessbar wird.»


Freie Schwefelsäure baut sich mit der Zeit ab

Auffallend: Vor allem teurere Produkte enthielten nur wenig freie Schwefelsäure: Der Moët & Chandon von Denner etwa wies 2 Milligramm/Liter auf, der Champagner Charles Bertin (Coop) deren 3.

Für Frank Hesford von der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Wädenswil (FAW) hat der geringe Gehalt an Schwefeldioxid einen Grund: Qualitativ bessere Schaumweine würden meistens zwei Jahre gelagert, bevor sie in den Verkauf gelangten. «Solche Weine haben dann oft nur noch einen sehr geringen Gehalt an Schwefeldioxid. Die Flaschen sind nicht mehr allzu lange lagerfähig, sollten also bald getrunken werden.» Das sei aber nicht zwangsläufig schlecht.

Coop-Sprecher Karl Weisskopf erstaunt das schlechte Abschneiden des Bio-Schaumweins. Bei der analysierten Probe müsse es sich um einen «Ausreisser» handeln. «Laut Hersteller wird der Schwefeldioxid-Gehalt tief gehalten, um möglichst natürliche Weine herzustellen.» Zudem würden leicht süssliche Schaumweine die freie schweflige Säure schneller abbauen, da sich ein Teil mit dem Zucker verbinde.

Die Sprecherin von Denner wiegelt ab: «Erst wenn gar keine schweflige Säure nachweisbar ist, kann ein oxidatives Milieu entstehen.» Und bei Carrefour heisst es, es sei absolut normal, dass ein Champagner bei der Konsumation nur noch 1 Milligramm Säure pro Liter enthalte.



Kunstlicht ist Gift für die Schaumweine

- Schaumweine muss man nicht lagern, sie sind trinkfertig. Ausnahme: Jahrgangs-Champagner.
- Für kurze Zeit kann man einen Schaumwein im Kühlschrank im untersten Fach aufbewahren. Längerfristig aber haben Schaumweine im Kühlschrank nichts zu suchen - sie werden schal und langweilig.
- Mit einem Spezialverschluss lässt sich geöffneter Schampus zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Der Trick mit dem Silberlöffel im Flaschenhals, um die Kohlensäure zu erhalten, bringt aber kaum etwas.
- Ideal sind Dunkelheit und eine Lagertemperatur von 10 Grad Celsius. Zimmertemperatur, Kunstlicht (vor allem Neonlicht) sind Gift für Weine. Solche Bedingungen lassen sie schneller oxidieren. Besonders anfällig dafür sind Getränke in hellen und blauen Flaschen.

07. Dezember 2005 | Gabriela Braun


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