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Das Zuger Projekt zur Vernetzung von Bahn und Bus gewinnt den Publikumspreis Öffentlicher Verkehr. Eine Postautolinie im Münstertal erhält den Innovationspreis.
Das hätten sich die Projektmanager in Zug und Chur nicht träumen lassen. Aber inzwischen steht fest, dass die Konsumenten ihre beiden Verkehrsinitiativen noch besser annehmen als erhofft. Zudem wurde den Projekten am 16. November eine besondere Ehre zuteil: Sie bekamen den Publikums- und den Innovationspreis Öffentlicher Verkehr 2005.
Region Zug: Bessere Anschlüsse - mehr Passagiere
Geld gibts für die Gewinner keines, dafür viel Aufmerksamkeit. Genau dies bezweckten die Initianten des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbands (SEV) und des Verbands öffentlicher Verkehr, als sie den Preis 1999 ins Leben riefen. Seitdem küren sie alle zwei Jahre innovative Ansätze, die den öffentlichen Verkehr noch einfacher und attraktiver machen.
Für das Zuger Projekt «Bahn und Bus aus einem Guss» votierten 374 von 1644 Wählern; abstimmen konnten die Leser von saldo (15/05) und dem Westschweizer Konsumentenmagazin «J'achète mieux» sowie VCS- und SEV-Mitglieder. Seit Dezember 2004 verkehren Bahn und Bus in der Region Zug eng aufeinander abgestimmt. Kein Passagier sollte mehr wegen des Fahrplans seinen Anschluss verpassen. Zum Konzept gehören neun neue Haltestellen, der Ausbau von fünf Bahnhöfen, der Einsatz moderner Triebzüge sowie eine behindertengerechte Infrastruktur.
Der Preis kam für die Zuger Projektverantwortlichen überraschend, gesteht Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amtes für Öffentlichen Verkehr des Kantons Zug. Genauso unerwartet wie die Reaktion der Reisenden: Viele Zuger sind nämlich inzwischen vom Auto auf Bus und Bahn umgestiegen. Nach Webers Schätzungen hat der Verkehr auf der Strasse in den ersten neun Monaten des Jahres zwischen 2 und 5 Prozent abgenommen. Gleichzeitig beförderten Bus und Bahn 5 Prozent mehr Reisende. «Das übertrifft unsere Erwartungen», sagt Weber.
Gute Verbindungen - sogar über die Grenze hinaus
Den Innovationspreis vergab eine Fachjury an das Projekt «Öffentlicher Verkehr im rätischen Dreieck». Bisher endete die Postautolinie von Zernez über den Ofenpass in Müstair. Seit Mai 2005 fahren nun alle zwei Stunden Postautos bis ins italienische Mals weiter. Dort kann der Reisende dann in die wiedereröffnete Vinschgaubahn umsteigen, um weiter bis nach Meran zu fahren. Wer ein SBB-Generalabonnement oder ein Halbtax-Abo besitzt, fährt auf der italienischen Seite bis Mals sogar gratis.
«Vorbildcharakter» bescheinigt Juror Kurt Metz, Präsident der Schweizer Bahnjournalisten, dem Bündner Projekt. Es weise eine «Dichte und Qualität des Verkehrsangebotes auf, wie wir sie sonst nur im Schweizer Mittelland kennen». Das Angebot stösst auf rege Nachfrage: Im Oktober nahmen im Schnitt 250 Reisende pro Tag das Postauto zwischen Müstair, der Haltestelle Glurns und Mals. Und im September und Oktober fuhren je 130 000 Passagiere mit der Vinschgaubahn, das entspricht einer Sitzplatzauslastung von 80 Prozent. Den Preis versteht Paul Stopper, Projektleiter der Fachstelle Öffentlicher Verkehr Graubünden, als Anerkennung dafür, «dass man auch in Randregionen etwas beim öffentlichen Verkehr bewegen kann, zumal über die Grenze hinweg».
Projekte aus Bern und Genf ebenfalls prämiert
Anerkennungspreise verlieh die Jury an zwei weitere Initiativen. Beim Projekt zur Gewaltprävention Noctambus sind an Wochenenden in Genfer Nachtbussen Moderatoren unterwegs, die Auskünfte erteilen, Konflikte schlichten und Gewaltausbrüche verhindern. Ausgezeichnet wurde auch der «Chinderbahnhof»: Seit Dezember 2004 bietet die S-Bahn im Berner Hauptbahnhof einen Hütedienst an. Kinder zwischen 2 und 8 Jahren dürfen hier maximal drei Stunden spielen - ohne Voranmeldung. Kunden mit einem ÖV-Ticket erhalten Rabatt.
23. November 2005 | Eric Breitinger
