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Der Kampf um Spendengelder ist ein hartes Geschäft. Doch aggressive Sammel-methoden sind selbst bei den Hilfswerken umstritten.
Wenn abends Mitarbeiter eines Hilfswerks unangemeldet an der Haustür klingeln und für ihre Sache werben, kann das lästig werden. Bei der jüngsten Mitgliederkampagne des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Luzern gab es denn auch negative Reaktionen, räumt Geschäftsführer Hanspeter Waldburger ein: «Solche Aktionen bringen dem Roten Kreuz doch nichts», habe es geheissen. Oder: «Um 19 Uhr klingelt man doch nicht mehr an der Tür.»
Profis sammeln fürs Rote Kreuz
Dennoch hält der Luzerner Kantonalverband die Mitgliederwerbung durch «Kontaktaufnahme an der Haustür» für eine gute Idee. Denn unterm Strich stehe der Erfolg: Mehr als 16 000 neue Passivmitglieder konnten laut Waldburger gewonnen werden. Die Jahresbeiträge der Passivmitglieder seien die mit Abstand bedeutendsten Spenden.
Pikant: Wer fürs Rote Kreuz unterwegs ist, kommt nicht vom Hilfswerk selbst. Es handelt sich um bezahlte und geschulte Profis der Fundraising-Firma Wesser & Partner mit Hauptsitz in Zollikon ZH. Mit ihr arbeitet das SRK seit rund 20 Jahren zusammen. Das habe dem Ruf des Roten Kreuzes nie geschadet, versichert Waldburger. Im Gegenteil: Das Image sei sogar nachhaltig verbessert worden.
Auch die Zürcher Firma Corris entsendet ihre Werber im Auftrag grosser Hilfswerke. Die Behinderten-Organisation Pro Infirmis ist ein bekannter Corris-Kunde. «Es ist besser, in einen persönlichen Dialog zu treten, statt Hochglanzbroschüren zu versenden», findet Mark Zumbühl von Pro Infirmis. Deren Spendensammler gehen sogar einen Schritt weiter als die vom Roten Kreuz: Sie werben auch mit Lastschriftverfahren (LSV). Damit kann der Jahresbeitrag gleich von den Konten der Gönner abgebucht werden.
Massive Methoden, von denen sich andere Hilfswerke klar distanzieren, wie eine Umfrage des K-Tipp zeigt.
- Die Krebsliga hält nach eigenen Angaben nichts von solchen Sammelmethoden.
- Die Caritas hält Haustür- und Strassensammlungen für zu aggressiv.
- «Spender sollen die Wahl haben, wen sie unterstützen. Damit dies bewusst geschehen kann, braucht es etwas Distanz», sagt die Aidshilfe.
- Sogar Terre des Hommes, die für ihre forschen Strassenaktionen mit Corris zusammenarbeitet, lehnt Hausbesuche ab. Das dringe zu sehr in die Privatsphäre ein.
- Pro Juventute findet Lastschriftverfahren, ob auf der Strasse oder an der Haustür, zu aufdringlich. «Das überfordert potenzielle Spender, da sie sich ad hoc entscheiden müssen.» Pro Juventute wie auch die Aidshilfe befürworten LSV jedoch bei regelmässigen Spendern.
Zentralstelle überwacht Hilfswerke
Die Zewo - Zentralstelle für Wohlfahrtsorganisationen - wacht darüber, ob Hilfswerke seriös arbeiten. Haustürsammlungen und LSV steht die Stiftung aber sehr tolerant gegenüber - obwohl sie andererseits betont, aggressives Sammeln generell abzulehnen. Wichtig sei, dass sich die Hilfswerke an die Zewo-Richtlinien halten. Zwei davon: Spendern die freie Wahl des Zahlungsmittels lassen und Gespräche sofort abbrechen, wenn jemand kein Interesse zeigt. Dies nachzuprüfen, sei freilich schwierig, räumt Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer ein. Immerhin: «Wenn sich Spender bei uns beklagen, intervenieren wir bei der betreffenden Organisation.»
Lassen Sie sich nicht drängen
Darauf sollten Sie beim Spenden achten.
- Lassen Sie sich an der Haustür, auf der Strasse oder am Telefon nicht zum Spenden drängen. Verlangen Sie Unterlagen und einen Einzahlungsschein.
- Sagen Sie Nein, wenn man Ihnen vorschlägt, Ihre Spende per Lastschriftverfahren (LSV) direkt von Ihrem Konto abzuziehen. Wichtig zu wissen: Spendensammler von Fundraising-Firmen wie etwa Corris erhalten für LSV-Abschlüsse Provisionen.
- Wer ein LSV-Formular unterschrieben hat, kann dies jederzeit widerrufen.
- Das Zewo-Gütesiegel bietet eine gewisse Sicherheit, ob ein Hilfswerk seriös ist. Zertifizierte Organisationen finden sich unter www.zewo.ch. Übrigens: Viele seriöse Hilfswerke sind von der Zewo nicht erfasst - zum Beispiel die Heilsarmee.
- Zur Vorsicht rät Zewo bei der Stiftung «Leben für alle», die derzeit Bettelbriefe verschickt. Hauptkritik: Die Stiftung hat bislang weder die Jahresrechnung noch den Revisionsbericht offen gelegt.
- Spenden an Hilfswerke kann man bis zu einem bestimmten Betrag von den Steuern abziehen (siehe K-Tipp 2/05).
16. November 2005 | Vera Sohmer - vera.sohmer@ktipp.ch
