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Artikel | K-Tipp 19/2005

So bekommen Sie, was Sie verdienen

Die Top-Kader verdienen erneut deutlich mehr, während die tiefen Einkommen nur wenig gestiegen sind. Wer seine Situation verbessern will, muss sich auf das Lohngespräch gründlich vorbereiten.

Angestellte von Banken und Versicherungen haben es meist gut: 7425 Franken betrug im letzten Jahr der mittlere Bruttolohn in der Finanz- und Versicherungsbranche. Das hat das Bundesamt für Statistik errechnet. Zum Vergleich: Im Gastgewerbe erreichte ein durchschnittlich bezahlter Angestellter gerade mal 3825 Franken.

Doch auch bei Banken und Versicherungen harzt es im Lohngefüge. So haben die Niedriglöhne im Vergleich zu 2002 nur um knapp 0,5 Prozent auf 5550 Franken zugenommen, bei den Topverdienern der Branche hingegen um satte 7 Prozent auf 15 107 Franken.
Damit nicht genug: Laut Susanne Blank von der Gewerkschaft Travail Suisse sind die tatsächlichen Unterschiede noch viel grösser. Denn die offizielle Statistik arbeitet mit Mittelwerten; Blank hat hingegen Spitzengehälter und Mindestlöhne bei grossen Schweizer Unternehmen verglichen. Hier einige Beispiele:
- Letztes Jahr verdiente ein Top-Manager bei der UBS im Schnitt 230-mal mehr als ein Tieflohn-Empfänger. Die Managerlöhne legten in einem Jahr um über 22 Prozent zu.
- Ein Konzernleitungsmitglied der Credit Suisse erhielt durchschnittlich 180-mal mehr Gehalt als das Schlusslicht der CS-Lohn-skala. Lohnzuwachs im obersten Kader: 29 Prozent.
- Bei Novartis verdient ein Manager 98-mal mehr als ein Tieflohn-Empfänger, der Lohn stieg beim Top-Kader um über 32 Prozent.

Der Hauptgrund dafür liegt laut Blank im flexiblen Lohnsystem für obere Chargen: «Sie haben einerseits ein fixes Gehalt und erhalten andererseits Boni. Diese nehmen Jahr für Jahr zu - unabhängig davon, ob es der Firma gut oder schlecht geht.»

Bonus-Zahlungen machen gemäss Erhebungen des Bundesamts für Statistik einen stetig steigenden Anteil des Lohns aus. Am grössten ist er beim Top-Kader der Banken: 53 Prozent.

Die UBS will dazu keinen Kommentar abgeben. Die Credit Suisse schreibt, sie «zahle marktgerechte Vergütungen, die sich nach der jeweiligen Funktion, den Verantwortungs- und Geschäftsbereichen richtet». Und Novartis sagt, ihre Gehaltspolitik orientiere sich an Markt, Geschäftsergebnis und an der individuellen Leistung.

Margrit Osterloh, Zürcher Wirtschaftsprofessorin, sieht in diesen «Leistungslöhnen» eine Gefahr. Sie verleiteten das Kader dazu, sich mehr aufs eigene Geld als auf echte Leistung zu konzentrieren. Und: «Je höher der variable Teil des Lohns, desto höher der Anreiz, Kriterien zu manipulieren, die dem Kader einen höheren Leistungslohn bescheren.»

Während Top-Manager ihr Einkommen quasi selber festlegen, müssen sich Normalverdiener bei Lohnverhandlungen ins Zeug legen. Allerdings: Auch wenn man sich noch so ärgert über die ungleiche Entwicklung der Gehälter im Betrieb: Aggressivität ist im Lohngespräch fehl am Platz. Susan Erdös vom Kaufmännischen Verband rät: «Sachlich bleiben, sich dokumentieren und aufzeigen, was man übers Jahr gemacht hat.»



Bringen Sie besondere Leistungen zur Sprache

So erhöhen Sie Ihre Chance, beim Lohngespräch ein besseres Gehalt auszuhandeln.

Gehalt vergleichen
Lohnrechner im Web helfen Ihnen herauszufinden, ob Ihr Lohn angemessen ist.
- Der Lohnrechner des Schweiz. Gewerkschaftsbundes www.lohnsgb.ch stützt sich auf Zahlen des Bundesamts für Statistik über tatsächlich bezahlte Löhne. Die Daten werden alle zwei Jahre aktualisiert.
- Unter www.jobpilot.ch/salarysurvey und www.facts. ch/lohnrechner finden sich ständig aktuelle Daten, die von Nutzern stammen.
Alle drei Lohnrechner abzufragen und die Resultate zu vergleichen, lohnt sich. Können Sie in Erfahrung bringen, wie viel die Kollegen in Ihrem Betrieb verdienen - umso besser!

Lohngespräch
Dabei kommt es nicht nur auf geschicktes Verhandeln, sondern noch mehr auf den Arbeitsmarkt an.
- Wer die Gewissheit hat, dass er anderswo leicht einen - eventuell sogar besser bezahlten - Job findet, hat eine stärkere Verhandlungsposition.
- Die eigenen Leistungen und Erfolge erwähnen. Viele Arbeitgeber sind bereit, besondere Leistungen speziell gut zu entlöhnen.

Lohn-Ungleichheit
- Unter www.lohngleichheit. ch erfahren Arbeitnehmerinnen, wie hoch die Durchschnittslöhne für Männer und Frauen in den einzelnen Branchen sind.
- Frauen, die den Eindruck haben, sie seien schlechter entlöhnt als ihre Kollegen, können die Lohndifferenz vor Gericht einklagen. Ausschlaggebend ist dann der Lohnunterschied innerhalb der Firma. Die Klägerin muss aber nur belegen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit diskriminiert wird (siehe K-Tipp 18/05).

(ko)

16. November 2005 | Andreas Schaffner, Bennie Koprio


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Kommentare (1)

 
  • tobyone | 11.04.2010, 17:03

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