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Artikel | saldo 17/2005

Schädliche Zusätze sind unnötig

In der Schweiz enthalten die meisten Nasensprays Konservierungsstoffe, welche die Nasenschleimhaut schädigen können. Dabei ginge es oft auch ohne.

Die Nase trieft, der Schädel brummt. In solchen Fällen versprechen abschwellende Nasensprays rasche Hilfe. Viele der Sprays enthalten jedoch Benzalkoniumchlorid. Der Konservierungsstoff hält das Präparat keimfrei.


Swissmedic hält Warnhinweise für überflüssig

Studien zeigen aber, dass der Stoff nicht unbedenklich ist. Bei längerem Gebrauch kann er Allergien auslösen und die Nasenschleimhaut schädigen. Geraten die feinen Flimmerhärchen in der Nase in Kontakt mit dem Konservierungsmittel, vermindern sie ihre Schlagfrequenz. Folge: Sie können den Schleim nicht mehr so wirksam abtransportieren, die Nase verstopft. Bei längerer Anwendung stellen die Härchen ihre Funktion ganz ein. Die Schleimhaut kann sich dann nicht mehr selber reinigen - sie trocknet aus. Experten haben den Konservierungsstoff zudem in Verdacht, dass er die Abhängigkeit von abschwellenden Nasensprays begünstigt.

Für das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind die Studien zu Benzalkoniumchlorid eindeutig. Die Beamten forderten daher die Hersteller auf, nach Alternativen für den Konservierungsstoff zu suchen. Falls sie das nicht schaffen, müssen sie Warnhinweise in der Fach- und Gebrauchsanweisung des Arzneimittels aufnehmen. Die Schweizer Heilmittelkontrollstelle bleibt indes untätig.

«Swissmedic sieht keinen Handlungsbedarf», sagt Mediensprecher Michel Ballif. Er argumentiert, dass: «trotz jahrzehntelanger breiter Anwendung von Benzalkoniumchlorid bis heute keine schlüssigen klinischen Hinweise vorliegen, dass dieses Konservierungsmittel ein relevantes Sicherheitsrisiko darstellt». Auch in Deutschland wehren sich die Pharmafirmen gegen den Entscheid des Bundesinstituts.


Zwei von zwölf Sprays enthalten Konservierungsstoff

Dabei gibt es Alternativen zum Konservierungsmittel: So können besondere Sprühsysteme das Eindringen von Keimen verhindern. Mit einem solchen Filter hat etwa der Pharmakonzern Novartis seinen Kassenschlager Otriven schon vor Jahren ausgerüstet. Allerdings gibts dieses Produkt nur in Deutschland, in der Schweiz verkauft Novartis nach wie vor Otrivin mit Konservierungsmittel.

Dies versucht Novartis-Sprecher Chris Lewis mit einer Art Schweizer Sonderrolle zu erklären: «In der Schweiz hat sich keine Notwendigkeit gezeigt, das Präparat aus gesundheitlichen Gründen oder wegen entsprechender Nachfrage zu ändern.» Mit anderen Worten: Novartis reagiert nur auf Druck der Behörden oder wenn sich der Konzern mehr Absatz verspricht.

Auch andere Hersteller halten es nicht für nötig, in der Schweiz Präparate ohne Konservierungsstoffe anzubieten: Eine Stichprobe ergab, dass von zwölf gängigen Nasensprays nur zwei kein Benzalkoniumchlorid enthielten.



Teufelskreis

Abschwellende Nasensprays sollte man nicht länger als eine Woche anwenden. Die darin enthaltenen Wirkstoffe trocknen auf Dauer die Nasenschleimhaut aus. Als Gegenreaktion schwillt die gereizte Schleimhaut an, um die Durchblutung zu steigern. Folge: Die Patienten bekommen noch weniger Luft und greifen immer wieder zum Spray - ein Teufelskreis.



Die günstige Alternative: Selbst gemachte Salzlösungen

Hersteller wie Apotheker verkaufen gerne Salzlösungen als sanfte Alternative zu abschwellenden Nasensprays. Diese machen zudem weder abhängig noch enthalten sie Konservierungsstoffe. Zum Beispiel die Meersalzlösung Rhinomer. Allerdings ist das Novartis-Präparat alles andere als billig. Der 115-ml-Nasenspray kostet stolze 20 Franken.

Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser hält solche Produkte für überflüssig. Selbst hergestellte physiologische Salzlösungen helfen seiner Erfahrung nach ebenso gut, wenn nicht besser. Und so funktionierts: Man gibt einen gestrichenen Teelöffel Kochsalz auf einen halben Liter Wasser und spült mit dieser Lösung gründlich die Nase. Mehr Infos gibts auf www.dr-walser.ch/ schnupfen.htm.

26. Oktober 2005 | Silvia Baumgartner


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