|
(0) |
Schokolade mit hohem Kakaoanteil findet immer mehr Liebhaber. Und die Auswahl bei den dunklen Tafeln ist gross. saldo hat zwölf von Fachleuten degustieren lassen.
Die Schweiz als Land der Milchschokolade - diese Zeiten sind vorbei. Seit einiger Zeit ist unter Schoggi-Liebhabern dunkle Schokolade angesagt. Hersteller und Confiserien bieten mittlerweile eine ganze Reihe von zartbitteren Schokoladen mit eleganten Namen wie «Cacao extrême» oder «Noir Satin» an. In den edlen Verpackungen stecken Tafeln mit einem Kakaoanteil von 60, 80 oder gar 100 Prozent. Herkunftsbezeichnungen wie Madagascar, Venezuela oder Ghana sollen die Exklusivität unterstreichen.
Excellence Noir Extra Fin von Lindt begeistert Experten
saldo wollte wissen, wo es für wenig Geld gute Schokoladen gibt - und ob die teureren ihren Preis wirklich wert sind. Fünf Fachleute degustierten 12 Tafeln. Diese stammten von Grossverteilern und Confiserien. Preis: zwischen Fr. 1.40 und Fr. 15.- pro 100 Gramm. Alle enthielten mindestens 60 Prozent Kakao.
Die Experten: Antonio Colaianni vom Restaurant Il Casale in Wetzikon, Markus Kunz von der Konditorei Kunz in Frick AG, Rafael Pérez von Slow Food Schweiz, Werner Rüegsegger von der Confiserie Soleure in Solothurn und Silvia Schlegel von der Konditoreifachschule Richemont. Sie probierten die Schokoladen nach folgenden Kriterien: Bruch (wie bricht die Schokolade?), Geruch, Schmelz (wie schmilzt die Schokolade im Mund?) - und vor allem nach dem Geschmack. Danach erstellten die Fachleute für sich eine persönliche Rangliste. Aus dem Durchschnittswert der individuellen Bewertungen ergibt sich der Schlussrang.
Das erstaunliche Ergebnis: Als Sieger aus der Degustation geht eine der günstigsten Schokoladen hervor: Excellence Noir Extra Fin von Lindt (Fr. 2.40/100 g). Vier von fünf Degustierenden setzten diese Schokolade auf Platz eins. Das Lob fällt entsprechend deutlich aus: «Intensiv, charaktervoll», notierte Werner Rüegsegger. Antonio Colaianni hielt fest: «Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis.»
«Toll!», sagte ganz einfach Rafael Pérez. Eine Degustatorenrunde in Italien hat jüngst für die Konsumentenzeitschrift «Altroconsumo» schwarze Schokoladen probiert. Die Experten kamen zum gleichen Schluss: Sie krönten Excellence Noir Extra Fin ebenfalls zur Siegerin.
Kult-Schoggi fiel durch: «Sehr bitter und unausgeglichen»
Auch auf Rang zwei folgt eine günstige Schokolade: Noir Cacao extrême von Cailler (Fr. 2.40/100 g). Grand Cru Arriba von Sprüngli gefiel den Experten gleich gut. Weil die Tafel mit Fr. 5.50 aber doch doppelt so teuer ist, landete sie auf Rang 3. Ausgerechnet die mit Abstand teuerste Schokolade bildete das Schlusslicht: Puro Cacao Cult von Domori fiel bei den Fachleuten völlig durch: «Sehr bitter, unausgeglichen, nicht harmonisch», befand Antonio Colaianni. Silvia Schlegel vermutete hinter dem Produkt gar eine «Kochschokolade minderer Qualität». Ein erstaunliches Resultat für eine Schokolade, die nach positiven Medienberichten einen regelrechten Kultstatus unter Liebhabern erlangt hat. Silvia Schlegel brachte es auf den Punkt: «Der Preis hat nicht immer etwas mit dem Geschmack zu tun.»
26. Oktober 2005 | Claudine Gaibrois
