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Artikel | saldo 17/2005

Gar nicht anziehend: Schweizer zahlen mehr für Kleider

Gleiche Ware, verschiedene Preise: Die grossen Modehäuser sind in ganz Europa vertreten. Bei einigen Marken zahlen Schweizer mehr.

Gar nicht anziehend: Schweizer zahlen mehr für Kleider

Egal in welchem Kaufhaus, Kleiderlabels wie Street One, S. Oliver und Mexx dominieren das Angebot - quer durch Europa. Oder aber sie haben gleich eigene Filialen an zentraler Lage gegründet wie Esprit, Zara oder Mango. Auf den ersten 200 Metern der Zürcher Bahnhofstrasse finden sich nicht weniger als drei H & M-Filialen.

Die internationalen Modehäuser lassen die Ware überwiegend in Asien herstellen. Ihr Angebot in ganz Europa ist nahezu identisch. Doch die Preise sind längst nicht überall gleich. Das zeigt eine saldo-Stichprobe im grenznahen Deutschland und in der Schweiz. Zwei Redaktorinnen verglichen die Preise von gleichen Kleidungsstücken in Zürcher Filialen mit jenen in einem Shopping-Center in Konstanz. Dabei nahmen sie sieben Marken unter die Lupe: H & M, Tally Weijl, S. Oliver, Mexx, Zara, Street One und Esprit.

Das Resultat: Die Preispolitik der Hersteller ist sehr unterschiedlich. Für Kunden von Tally Weijl oder H & M macht es im Portemonnaie kaum einen Unterschied, ob sie sich in Deutschland oder der Schweiz neu einkleiden. Andere Marken bitten ihre Schweizer Kunden stärker zur Kasse.


Ungünstiger Eurokurs verteuert die Ware extrem

Besonders kräftig langt Esprit zu. In der Schweiz multipliziert das Unternehmen die deutschen Europreise meist mit dem Faktor zwei statt mit demWechselkurs von Fr. 1.56. Für einen Jupe aus der Herbstkollektion beträgt der Europreis 69.95 (Fr.109.-). In der Schweiz hingegen kostet das Stück rund 27 Franken mehr.

«Die Preise in der Schweiz hat unser früherer Lizenzpartner festgelegt», sagt Ursula Habedank, Assistentin der Esprit-Geschäftsleitung. Die Läden gehören seit anderthalb Jahren wieder zu Esprit. Man arbeite an einem Projekt zur Angleichung der Preise.

Auch Street One schlägt in der Schweiz konsequent 27 Prozent auf seine Preise. Über die Gründe verweigert das Unternehmen jede Auskunft.

Beim Label S. Oliver erwischt die Kundin mit Glück auch mal ein Kleidungsstück, das in der Schweiz «nur» 25 Prozent teurer ist. Geschäftsführer Victor Jauch begründet den Zuschlag mit höheren Lohn- und Lagerkosten. «Dazu kommt, dass wir die Preise nicht alleine festlegen können und an das deutsche Mutterhaus Lizenzen entrichten müssen.» Was die Unternehmen in ihren Erklärungen meist unterschlagen: In der Schweiz ist die Mehrwertsteuer fast 10 Prozent niedriger als in Deutschland. Dies gleicht die höheren Zollkosten allemal aus, die durch die Einfuhr in das Nicht-EU-Mitgliedland anfallen.


Je prestigeträchtiger das Label, desto höher der Preis

Zwischen 6 und 27 Prozent teurer als in Deutschland sind die Kleidungsstücke bei Mexx in der Schweiz. So kostete derselbe Blazer in Konstanz umgerechnet Fr. 155.90, in der Schweiz hingegen Fr. 199.-.

Ruud Krabbe, Mexx-Manager für die Schweiz, führt Zollkosten, Ladenmieten und höhere Löhne als Gründe an. Zudem seien die Konsumenten in Deutschland «extrem preissensibel». Deshalb dürften sie nicht als Massstab gelten. Die Marke Mexx ist laut Krabbe in der Schweiz anders positioniert und gelte als hochwertiger. «Unser Ziel ist es, die Schweizer Preise in den nächsten drei bis vier Jahren dem Niveau in Frankreich und den Beneluxländern anzunähern, aber dafür müssen auch die Kosten sinken», erklärt Krabbe.

Das zeigt: Weniger die Herstellungs- und Verwaltungskosten diktieren die Preise, sondern eher Marketingüberlegungen. In Deutschland ist Mexx im mittleren Preissegment angesiedelt, in der Schweiz etwas darüber. In Russland, wo sich die Marke als Edelmarke zu etablieren versucht, sind die Preise noch höher als in der Schweiz.

Auch bei Esprit lässt sich Ähnliches beobachten. Wer den Preisaufkleber vom Etikett kratzt, entdeckt nicht nur die Preisangaben in Euro, sondern auch in Dollar, englischen Pfund sowie schwedischen, dänischen und norwegischen Kronen. Die gleiche Hose kostet mit rund 75 Franken in den USA, Kanada und England am wenigsten, in Norwegen und der Schweiz mit 120 Franken am meisten.


Tally Weijl: Mit klarem Preissystem Kosten sparen

Es geht auch anders: Bei der Schweizer Kette für junge Mode Tally Weijl gilt in allen Läden der Welt für jedes Kleidungsstück ein einheitlicher Europreis als Basis. «Je nach Herkunfts- und Zielland können die gleichen Stücke einige Prozente teurer oder günstiger sein», erklärt Konzern-sprecher Christian Handelsman. «Die Preisunterschiede betragen maximal 10 Prozent.» Das bestätigt auch die saldo-Stichprobe. Ob Strickpullover oder verschiedene Modelle von Winterjacken, die Preise in der Schweiz waren jeweils um 2 bis 4 Prozent höher oder tiefer als in Deutschland. «Es ist nicht zuletzt dieses einfache Preissystem, das Kosten spart», sagt Christian Handelsman.

Bei H&M fallen Unterschiede zwischen Schweizer und deutschen Preisen ebenfalls kaum ins Gewicht. Manche Kleider sind in der Schweiz sogar etwas billiger.


Einkauf im Internet: Schweizer Kunden sind unerwünscht

Keine grossen Abweichungen findet man auch beim spanischen Label Zara. Die meisten Kleidungsstücke sind in der Schweiz nur wenig teurer als in Deutschland. Es gibt aber auch Ausreisser - nach oben und nach unten. So kostet eine Strickjacke ein paar Franken weniger, eine Seidenbluse hingegen 10 Franken mehr als in Deutschland.

Wer dank Bestellungen übers Internet im Ausland günstiger einkaufen will, wird enttäuscht. Nur eine einzige der sieben Marken verfügt in Deutschland über einen Online-Shop: Esprit. Mitarbeitende sind allerdings angewiesen, Bestellungen aus der Schweiz abzulehnen. Ein Hotline-Mitarbeiter räumt ein, dass sich «ab und zu erboste Schweizer Kunden melden. Aber wir dürfen ihre Bestellungen nicht bearbeiten.» Er behauptet, dass Schweizer wegen der angeblich zu komplizierten Zollbestimmungen nicht zum Zuge kämen.

Man kann also nur von den bis zu 27 Prozent tieferen Preisen profitieren, wenn man seine Ware an eine Adresse in Deutschland liefern lässt.

26. Oktober 2005 | Sigrid Cariola, Mirjam Fonti


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Kommentare (1)

 
  • fourxxx | 02.09.2009, 12:37

    immernoch gleiche preispolitik

    anscheinend hat sich seit der veröffentlichung ihres artikels
    immernoch recht wenig getan...letzte woche kaufte ich bei esprit in
    der schweiz einen rock für 119,90 schweizer franken. als ich den
    preiskleber - eine wohl absichtlich hartnäckige version -
    abknibbelte, blieb mir fast die spucke weg anbetrachjts des preises
    in euro: 59.95 ! im vergleich zu umgerechnet 80 euro im schweizer
    kaufhaus macht das einen preisunterschied von 33%, oder irre ich mich?
    ich finde das ziemlich unverschämt und unberündet und werde
    in zukunft jegliche käufe bei besagtem unternehmen meiden.
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