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Die wenigsten Frauen sind auf die Hormontherapie angewiesen. Eine neue Umfrage zeigt: Yoga und pflanzliche Mittel konnten die Hormone ersetzen.
Bei Wechseljahrbeschwerden schwört Esther Meyre Müller aus Scherzingen TG auf Tipps, die schon ihrer Mutter und ihrer Grossmutter geholfen haben: «Kalte Armbäder lindern Wallungen schnell», berichtet sie. «In Gesellschaft greife ich zum Fächer.»
Zwar wollte der Hausarzt Esther Meyre Müller eine Hormonbehandlung schmackhaft machen. Dies lehnte die 61-Jährige aber ab, weil ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt war.
Pflanzliche Präparate statt Hormontherapie
Seit Jahren ist bekannt, dass eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko erhöht (Pulstipp 05/02). Experten empfehlen deshalb als Behandlung keine Hormone mehr. Jetzt kommt zudem aus: Frauen, die lange Hormone schluckten, waren gar nicht auf sie angewiesen. Dies zeigte eine Umfrage bei über 9000 Frauen, wie das Fachblatt «Arzneitelegramm» berichtete.
Über die Hälfte der Befragten litt ohne die Hormonzufuhr zwar erneut unter Beschwerden - allerdings griffen die wenigsten Frauen wieder zu den Tabletten. 90 Prozent der Teilnehmerinnen konnten ihre Beschwerden wie etwa Hitzewallungen mit Yoga und anderen Massnahmen lindern. 72 Prozent der Frauen stellten fest, dass ihnen pflanzliche Präparate prima halfen.
Spitzenreiter unter den Heilpflanzen ist die Traubensilberkerze. Sie hilft gegen Wallungen, bei Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. «Die Wirksamkeit der Traubensilberkerze ist erwiesen», erklärt Heide Fischer, Ärztin in Freiburg i. Br. (D) und Spezialistin für Naturheilkunde. «Allerdings sind auch pflanzliche Heilmittel nicht ohne Nebenwirkungen», fügt sie an. Traubensilberkerze-Präparate können etwa stärkere Blutungen oder Übelkeit verursachen.
Besonders wichtig sind in den Wechseljahren körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und wenig Stress. Bei Hitzewallungen empfiehlt Heide Fischer die Bekleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip sowie Stoffe aus Seide und Mikrofasern.
Mit Vitaminen und Sport gegen Knochenschwund
Die innere Einstellung ist jedoch genauso wichtig. «Je mehr eine Frau die Wallungen zu verstecken sucht, umso stärker werden sie», sagt Fischer. Sie plädiert für ein «freundliches Verhältnis» zum Älterwerden und rät: «Statt nur für andere da zu sein, sollten Frauen die Chance wahrnehmen, etwas für sich selbst zu tun.»
Die Ärztin betont, dass Frauen, die keine Hormone nehmen, kein höheres Osteoporose-Risiko haben: «Der Knochenabbau wird ohnehin nur so lange gestoppt, wie eine Frau die Hormone nimmt.» Mit anderen Worten: Wird die Osteoporose mit Hormonen bekämpft, müssen diese bis ans Lebensende eingenommen werden.
Zum Vorbeugen der Osteoporose bieten sich aber eine Vielzahl anderer Massnahmen an. Fischer: «Eine mineralienreiche Ernährung, genügend Bewegung und eventuell Kalzium, Vitamin D und Bisphosphonate können Frauen vor Osteoporose schützen.»
Trotzdem verschreibt Heide Fischer einigen Patientinnen Hormone. Nämlich dann, «wenn sich Schlafstörungen und starke Wallungen mit pflanzlichen Mitteln nicht bessern», meint die Ärztin. «Aber so niedrig dosiert wie möglich - und so kurze Zeit wie möglich.»
«Natürlich durch die Wechseljahre»
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26. Oktober 2005 | Andreas Gossweiler
