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Berichte über die Vogelgrippe haben viele Menschen verunsichert. Der Luzerner Spezialist Marco Rossi erklärt, wie die Gefahr einzuschätzen ist und wie man sich verhalten soll.
Schützt Tamiflu vor der Vogelgrippe?
Im Reagenzglas und bei Tierversuchen wirkt es. Beim Menschen wurde Tamiflu nur in Einzelfällen angewendet, weil weltweit bis heute erst rund 120 Menschen an der Vogelgrippe erkrankt sind. Man kann aber davon ausgehen, dass es wirkt.
Ist es sinnvoll, jetzt schon Tamiflu zu kaufen?
Nein, das ist gar nicht sinnvoll. Niemand sollte auf eigene Faust Tamiflu kaufen. Wenn die Vogelgrippe ausbricht, ist genügend Tamiflu für die Behandlung der erkrankten Personen vorhanden. Es ist auch nicht nötig, dass jeder Haushalt einen Vorrat anlegt. Selbst im Fall einer Pandemie werden nicht alle Schweizer gleichzeitig krank.
Ausserdem ist Tamiflu rezeptpflichtig und soll ärztlich verordnet werden. Es hat keinen Sinn, das Medikament bei jeder fiebrigen Erkältung zu schlucken. Denn Tamiflu hat Nebenwirkungen wie Übelkeit und Magenschmerzen.
Die voreilige Einnahme von Tamiflu kann übrigens auch dazu beitragen, dass das Virus schneller resistent wird gegen das Medikament. Wenn das passiert, wirds unangenehm.
Schützt eine herkömmliche Grippeimpfung gegen Vogelgrippe?
Nein. Die Grippeimpfung ist wie jedes Jahr angezeigt für ältere Menschen über 65, für Personen mit erhöhtem Risiko für Komplikationen bei einer Grippe sowie für medizinisches Personal. Neu wird die Impfung auch empfohlen für Menschen, die mit Geflügel in Kontakt kommen. Damit soll eine Doppelinfektion mit Vogelgrippe und saisonaler Grippe verhindert werden. Denn bei einer solchen Doppelinfektion könnten noch gefährlichere Viren entstehen.
Wie gross ist die Gefahr, dass die Vogelgrippe in der Schweiz ausbricht?
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Vogelgrippe bei uns als Geflügelkrankheit auftreten wird. Das wäre tragisch für die Geflügelhalter.
Gefährlich für die Menschen wird die Vogelgrippe aber erst, wenn sich das Virus verändert und damit von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Wie gross diese Gefahr ist, lässt sich nicht sagen. Dies kann in ein paar Monaten passieren, in zehn Jahren - oder überhaupt nicht.
Wie gross ist das Risiko, dass ein an der Vogelgrippe erkrankter Mensch stirbt?
Von den Menschen, die in Asien an der Vogelgrippe erkrankten, sind rund die Hälfte gestorben.
Die Sterblichkeitsrate wäre in der Schweiz vielleicht etwas geringer.
Darf man noch in die von der Vogelgrippe betroffenen Länder reisen?
Ja. Das ist kein Problem, sofern sich die Reisenden an die Regeln halten, die das Bundesamt für Gesundheit veröffentlicht hat. Vor allem sollte man in den betreffenden Ländern keine Geflügelmärkte besuchen und den Kontakt mit lebenden und toten Vögeln vermeiden.
Kann man sich beim Essen von Pouletfleisch oder Eiern mit der Vogelgrippe anstecken?
Nein. Der Bund hat einen Importstopp erlassen für Pouletfleisch aus Ländern, in denen die Vogelgrippe ausgebrochen ist. Aber auch Poulet aus Rumänien könnte man gefahrlos essen, wenn es gekocht wird. Das Virus geht bei einer Temperatur von 70 Grad kaputt.
Der Konsum von Eiern ist ebenfalls ungefährlich. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Vogelgrippevirus von Eiern übertragen wird.
26. Oktober 2005 | Aufgezeichnet: Andreas Gossweiler
