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Artikel | saldo 16/2005

Fünf unnötige Zusatzversicherungen

Wer sie sich leistet, ist selber schuld: Ob Zuschüsse für Brillen oder fürs Fitnessstudio, einige Zusatzversicherungen kann man sich schenken.

Die meisten Zusatzversicherungen sind überflüssig», sagt Stefan Thurnherr, Versicherungsspezialist vom Vermögenszentrum VZ in Zürich. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass alle medizinisch notwendigen Leistungen durch die Grundversicherung gedeckt sein müssen. Es hat einen einfachen Grund, dass die Krankenkassen trotzdem gerne Leistungen bewerben, die darüber hinausgehen: «Sie erwirtschaften einen beträchtlichen Teil ihrer Gewinne mit Zusatzversicherungen», so Thurnherr.


Zusatzversicherung: Nicht auf den Kunden zugeschnitten

Ähnlich sieht das Richard Eisler, Chef des Internetvergleichsdienstes Comparis. An Zusatzversicherungen bemängelt er, dass sie nicht auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Wer sich versichert, bekommt oft ein Bündel an Leistungen, von denen er einige gar nicht will. Bezahlen muss er sie trotzdem. Eisler: «Was soll ein 30-Jähriger mit Zuschüssen für Badekuren oder Haushalthilfen, wenn ihn nur ein Kostenbeitrag für die Therapie bei einem Psychologen interessiert?» Daher rät der Experte: «Fragen Sie sich: Welche Leistungen würden mir im Krankheitsfall durch eine Zusatzversicherung vergütet? Wenn Sie darauf keine Antwort wissen, brauchen Sie die Zusatzversicherung wahrscheinlich nicht.» saldo hat Beispiele von unnützen Versicherungen zusammengestellt, die zeigen: Das Versichern von Zuschüssen zu Brillen oder Fitnessabos rechnet sich nicht. Oder höchstens, wenn sie zusammen mit andern Leistungen als ganzes Paket gedeckt sind.

- Brillenzuschuss:
Zusatzversicherungen vergüten etwa alle drei Jahre 200 Franken für eine neue Brille. Dafür zahlt man eine Monatsprämie von rund 20 Franken. In drei Jahren summiert sich das auf 720 Franken. Wenn eine neue Brille 500 Franken kostet, legt der Versicherte gesamthaft unter Berücksichtung des Selbstbehalts 170 Franken drauf.

- Fitnessbeitrag:
Fast alle Krankenkassen bieten Zusatzversicherungen an, die pro Jahr etwa 300 Franken zu einem Fitnessabo beisteuert. Die Zusatzversicherung kostet pro Monat gegen 25 Franken. Damit überweist man unter dem Strich der Kasse gleich viel, wie man von ihr erhält - ein Nullsummenspiel.

- Medikamentenzustupf:
Alle wichtigen Medikamente werden von der Grundversicherung bezahlt. Auch eine Zusatzversicherung deckt nie alle Medikamente ab, sondern nur jene, die auf der Liste der Zulassungsbehörde Swissmedic stehen (www.swissmedic.ch/files/pdf/sortiertpraeparat.pdf). Viele Arzneien der «sanften Medizin», etwa aus der Homöopathie, sind hier aber erst ab 2007/08 aufgelistet. Ausserdem: Homöopathische Mittel beispielsweise sind billig. Es dürfte sich lohnen, sie aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

- Spitalversicherung für die ganze Schweiz:
Wer sich beim Skifahren ausserhalb seines Wohnkantons das Bein bricht, braucht keine Zusatz-, sondern eine Unfallversicherung. Und die hat jeder Arbeitnehmer, der mindestens acht Stunden pro Woche angestellt ist. Auch wer in den Ferien krank wird und einen Arzt aufsucht, benötigt keine Zusatzversicherung. Denn das ist ein Notfall - und damit Sache der Grundversicherung. Diese Versicherung lohnt sich höchstens für Bewohner von Landkantonen, die in einem Universitätsspital behandelt werden möchten.

- Ferien-/Reiseversicherung:
Die Grundversicherung deckt im Ausland die doppelten Kosten ab, die in der Schweiz für eine Behandlung anfallen. Das reicht fast für jedes Land. Ausnahmen sind die USA, Skandinavien, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan. Nur wer seine Ferien in einem dieser Länder verbringt, kann eine Zusatzversicherung gebrauchen.

Empfehlen Experten überhaupt eine Zusatzversicherung für den ambulanten Bereich? «Ja», sagt Stefan Thurnherr vom VZ. «Die Zahnversicherung für Kinder.» Sie deckt bis zu einem Maximalbetrag drei Viertel der Kosten für kieferorthopädische Behandlungen oder Zahnspangen. «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist hier gut», sagt Thurnherr.

12. Oktober 2005 | Franco Tonozzi


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