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Artikel | K-Geld 5/2005

Preise nach Fust und Laune

Die Schweizer Anbieter von Kücheneinbaugeräten offerieren zu höchst unterschiedlichen Preisen. Wie ein K-Geld-Vergleich zeigt, betragen die Abweichungen bei einzelnen Geräten bis zu 44 Prozent.

Preise nach Fust und Laune

Eine Inselküche ist der Traum vieler Schweizer. Ein Merkmal ist der von der Decke hängende Dampfabzug. Diskrete Armaturen, stilvolles Design, glänzender Inox-Edelstahl und dezente Beleuchtung sind die Kennzeichen dieses zum Altar mutierten Arbeitsgeräts. Doch wer seine Küche entsprechend umbauen will, muss tief in die Tasche greifen. Allein die Abzugshaube kostet ein kleines Vermögen. Das Modell Siemens LC 95950 CH zum Beispiel gibts bei Fust für Fr. 2567.-.

Vorhaben also abbrechen? «Nein», sagt Joachim Hogg vom deutschen Anbieter Küchen Dick. Das Unternehmen liegt bei Waldshut, liefert in die ganze Deutschschweiz und rechnet in Schweizer Franken ab.
Der Siemens-Dampfabzug kostet bei Dick Fr. 1986.-, ist also 22 Prozent günstiger als bei Fust. Und: Dicks Preise schliessen Lieferung und Montage ein, bei den Konkurrenten wird beides separat verrechnet.


Fust und Sanitas Troesch: Falsche Behauptung

K-Geld hat die Preise von 14 Einbaugeräten für die Küche bei den grössten Schweizer Händlern, bei Dick sowie bei Schweizer und deutschen Online-Händlern verglichen.

Die Preiserhebung stellte sich als schwieriger heraus als angenommen. Die von K-Geld angeschriebenen Geschäftsleitungen von Fust, Media Markt und Sanitas Troesch wollten die Preise nicht bekannt geben.

«Die Preise sind je nach Region verschieden», schrieb Media Markt.

Händler Fust erklärte: «Die von Ihnen verglichenen Geräte werden bei uns wie alle Kücheneinbaugeräte mit der gesamten Küche verkauft. Insofern entsteht ein Gesamtpreis der Küche und kein Einzelpreis.»

Und Sanitas Troesch behauptete: «Wir sind kein eigentlicher Apparatevertreiber. Das heisst, die Apparate, welche wir vertreiben, sind immer in einer Küche integriert. Bei einer Küche wird der Küchenpreis immer inklusive Einbauarbeiten angegeben.»

Diese Behauptung sollte sich im Nachhinein als falsch herausstellen, ebenso die Stellungnahme von Fust.

Der K-Geld-Reporter gab sich wegen der unbefriedigenden Informationen nämlich als Kunde aus und erhob die Preise direkt in je einem Laden von Fust, Media Markt und Sanitas Troesch. Und siehe da: Es gibt Einzelpreise.

Doch die Apparate sind nicht ausgestellt und mit einem Preisschild versehen. Sie müssen ab Katalog bestellt werden. Der Endpreis wird nach Schema X berechnet: Katalogpreis minus Rabatt. Wer einen einzelnen Apparat bestellt, erhält bei Fust im Laden 15 Prozent, bei Media Markt und Sanitas Troesch 25 Prozent Rabatt auf den Katalogpreis.


Anfrage im Laden und telefonisch: Preis-Wirrwarr

Bei mehreren Bestellungen oder grossem Verhandlungsgeschick des Kunden kann der Rabatt bei Fust bis 20 Prozent steigen, bei Media Markt und Sanitas Troesch bis 30 Prozent.

Bei Fust herrscht ein eigentliches Preischaos. Die Preise schwanken je nach Informationsquelle um bis zu 30 Prozent. Im Laden erhält man den Miele-Geschirrspüler G 1220-60 i mit 15 Prozent Rabatt, bei telefonischer Bestellung jedoch mit 25 Prozent Rabatt.

Konfrontiert mit dieser Unstimmigkeit, nannte die Fust-Geschäftsleitung dann ihrerseits Einzelpreise. Der von ihr genannte Rabatt lag bei 28 Prozent auf dem Katalogpreis. Dazu Fust-Generaldirektor Erich Bohli: «Die von Ihnen eingeholten Auskünfte in Fust-Filialen beziehen sich auf Einzelgeräte-Austausch, wobei Sie am Telefon kaum den letzten möglichen Preis erhalten können. Unsere Verkäufer haben eine ziemlich grosse Preiskompetenz, um sich auf die konkrete Konkurrenzsituation einzustellen.»

Der eigentliche Preis, so Bohli, sei tiefer, wenn der Kunde den Verhandlungsspielraum auszunutzen wisse. «Die Ihnen schriftlich mitgeteilten Preise entsprechen der heutigen Realität beim Kauf einer Küche.» Die von Fust im Laden oder am Telefon genannten Preise darf man also nicht für bare Münze nehmen.

Fust und Sanitas Troesch sind - wie auch Küchen Dick - als Küchenbauer positioniert, bieten eine fachliche Beratung und haben sämtliche Apparate im Sortiment, Media Markt hingegen wird von einigen Marken wie V-Zug und Elektrolux nicht beliefert.

Deutlich eingeschränkt ist das Angebot der drei Schweizer Online-Anbieter im Vergleich. Sie haben ein kleines Sortiment, tiefe Fixkosten und kleine Margen.


Online-Händler Zumi: Testsieger bei Gerätekosten

Betrachtet man nur die Gerätepreise, ist Zumi.ch der Testsieger. Sein Angebot war im Vergleich durchschnittlich 30 Prozent günstiger als beim teuersten Händler. Zählt man jedoch Lieferung und Montage zum Einzelpreis, gewinnt Küchen Dick.
Zumi und Histo.ch sind Online-Allrounder. Sie verkaufen also auch HiFi, Foto und Elektronik. Histo hat nur eine kleine Auswahl - vor allem Bosch-Geräte.
Hshop.ch hingegen wird von ehemaligen Küchenbauern betrieben. Entsprechend professionell und informativ ist die Homepage aufgebaut.

Durch konsequentes Vergleichen von Preisen kann ein Sparpotenzial von bis zu einem Drittel ausgeschöpft werden. Im K-Geld-Vergleich betrug es für die 14 Küchengeräte durchschnittlich 27 Prozent.

Wer noch mehr sparen will und Bekannte in Deutschland hat, lässt sich die Geräte dorthin liefern und holt sie danach selber ab. Den eingangs erwähnten Dampfabzug von Siemens findet man in Deutschland unter www.redcoon.de mehrwertsteuerbereinigt für rund Fr. 1200.-, und somit halb so teuer wie bei Fust.



Im Ausland einkaufen?

Einmal mehr zeigt sich, dass Konsumgüter in Deutschland deutlich günstiger sind. Kaufen Sie persönlich ebenfalls im Nachbarland ein? Oder sollten Schweizer ausschliesslich in der Schweiz einkaufen? Ihre Meinung interessiert uns. Bitte schreiben Sie an: K-Geld, Wolfbachstrasse 15, Postfach 75, 8024 Zürich
redaktion@kgeld.ch
Bitte geben Sie Ihre vollständige Adresse an.

12. Oktober 2005 | Andreas Valda


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