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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2005

"Jodiertes Salz macht mich fertig" - Franziska Schäublin, 46: Leben mit einer Jodallergie

Seit einem halben Jahr weiss ich, dass ich allergisch auf Jod bin. Ich darf deshalb viele Nahrungsmittel nicht essen, speziell solche mit jodiertem Salz.

Die Jahre zuvor waren schlimm. Ich fühlte mich krank, doch jeder erklärte mich für gesund. Unzählige Ärzte, Naturheiler und Therapeuten haben mich in den letzten 15 Jahren untersucht und nichts gefunden.

Doch ich litt unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung, Übelkeit und Völlegefühl. Ich hatte das Gefühl, mein ganzer Verdauungstrakt sei entzündet. Die Gelenke taten mir weh und der Kreislauf spukte. Manchmal hatte ich massive Denkstörungen und Mühe zu sprechen. Statt Worte purzelten dann nur einzelne Buchstaben aus meinem Mund. Dabei sah ich jeweils wie durch einen Schleier und hatte starkes Kopfweh. Das machte mir Angst.

Krass und unerklärlich waren die Energieschwankungen: Mal fühlte ich mich müde, energielos und eiskalt - Sekunden später lief ich auf Hochtouren. Ein inneres Motörchen trieb mich an, liess mich zappeln, und ich wusste nicht, wie dieser Zustand zu stoppen wäre. In diesen Phasen ass ich viel mehr als sonst. Ich stand sogar nachts auf, um zu essen. Diese Schwankungen machten mich fertig.

Seit ich mich jodfrei ernähre, geht es mir viel besser. Nach drei Tagen ohne künstlich jodierte Nahrungsmittel fühlte ich mich als anderer Mensch. Ich schlief wieder durch, das Gefühl einer inneren Entzündung war weg und ich war ruhiger.

Heute ist Jod für mich tabu. Nicht nur in der Ernährung. Ich habe meine Salzkristall-Lampe entfernt. Joddämpfe lassen auch heute noch meine Nasen- und Halsschleimhäute innert Sekunden anschwellen. Dann beginnt die Verdauung zu spuken und das innere Flattern ist wieder da.

Es ist schwierig, an nicht jodierte Nahrungsmittel zu kommen. In der Schweiz hat es überall Jod drin. Nicht nur dort, wo Salz drin ist. Das fängt schon beim Tierfutter und bei den Düngemitteln an. So kommen die meisten Rohprodukte - auch biologische - bereits jodiert auf den Markt.

Mit viel Aufwand habe ich meine Lieferanten für jodfreie Eier, Rahm, Fleisch und Gemüse gefunden. Ich decke mich jetzt damit jeden Samstag auf dem Markt in Bern ein. Jodfreie Butter gibts nur in Italien oder Frankreich zu kaufen. Inzwischen koche ich für die ganze Familie jodfrei. Geschmacklich merkt man nichts. Ein Besuch im Restaurant liegt aber nicht mehr drin. Mein Mann und meine beiden Buben haben sich längst an meine Extravaganzen gewöhnt. Und meine Freunde wissen, dass ich bei Einladungen mein Essen selber mitbringe.

Wunderbar ist, dass meine Partnerschaft das alles überstanden hat. Natürlich gab es Diskussionen, Spannungen und Streit. Doch wir sind beide mit dieser Geschichte gewachsen. Meine Krankheit sehe ich als Teil meines Lebenswegs. Ich bin als Kämpferin geboren und kämpfe weiter. Ich will mit der Zeit auch meine noch verbliebenen Beschwerden loswerden. Kämpfen will ich auch für alle anderen Betroffenen, und ich will Unwissende aufklären: Es darf nicht sein, dass man den Nahrungsmitteln ein chemisches Element zusetzt, sodass 15 Prozent der Menschen massive Beschwerden bekommen.



Jodallergie: Ursache ist das künstliche Jod im Salz

Der Körper benötigt Jod, um Schilddrüsenhormone zu bilden und einem Kropf vorzubeugen. Deshalb fügt man seit 1922 dem Kochsalz immer grössere Mengen Jod bei. Dadurch nehmen die meisten Menschen viel mehr Jod zu sich, als sie benötigen.

Fachleute vermuten, dass rund 10 bis 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung allergisch auf das künstliche Jod reagieren. Die Beschwerden sind vielfältig: Übelkeit, Herzrasen, Hautprobleme, Bauchschmerzen, Schwindel, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Zappelbeine und Schleiersehen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse.

Einzige Therapie ist, auf jodierte Produkte zu verzichten. Solche findet man etwa in Frankreich oder Italien, wo nicht überall das Salz jodiert wird. Auch Tierfutter, Medikamente und Arzneimittel können Jod enthalten.
Infos: Selbsthilfeverein Krank durch Jod, Hostudenweg 17, 3176 Neuenegg, Telefon 031 741 20 61 oder 031 931 31 74, Internet: www.jod-krank.ch
Buchtipp: Dagmar Braunschweig-Pauli, «Die Jod-Lüge. Das Märchen vom gesunden Jod», Verlag Herbig, Fr. 26.80

28. September 2005 | Aufgezeichnet: Evi Biedermann


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