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Ein kleines Fläschchen Evolus pro Tag soll gut für den Blutdruck sein. Doch der neue Joghurtdrink aus dem Labor stösst bei Fachleuten auf Kritik.
Der neue Joghurtdrink soll sich «günstig auf den Blutdruck» auswirken, behauptet die Luzerner Firma Emmi in ihrer Werbung. Diese Wirkung schreibt sie den bioaktiven Peptiden zu, die sie in das Joghurt gemischt hat.
Bioaktive Peptide sind ein Produkt aus dem Labor. Sie entstehen aus einem Gemisch von Milch und Milcheiweiss, das von einem Bakterium namens Lactobazillus helveticus verdaut wird.
Ob das Joghurt aus dem Labor den Blutdruckpatienten wirklich etwas bringt, ist jedoch umstritten.
Daniel Wechsler von Agroscope Liebefeld-Posieux, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Nutztiere und Milchwirtschaft: «Man weiss, dass bestimmte Peptide den Blutdruck senken können.» Doch diese Peptide seien auch von Natur aus in vielen traditionellen Käsesorten enthalten. Für die Peptid-Menge, die Evolus zugesetzt ist, brauche es gerade mal 50 Gramm Hartkäse oder 40 Gramm Extra-Hartkäse.
«Fraglich, was der Joghurtdrink bringt»
Für Ernährungsfachfrau Carine Buhmann ist es deshalb «fraglich, was der Joghurtdrink dem Konsumenten wirklich bringt.» Eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung nütze viel mehr gegen Bluthochdruck. Dazu gehören: viel Obst und Gemüse und wenig tierisches Fett und Salz. Buhmann: «Das schützt auch langfristig vor Herzproblemen.»
«Das überschreitet die Grenzen des Erlaubten»
Doch nicht nur der Nutzen von Evolus ist umstritten. Auch wegen der Werbekampagne kritisieren Fachleute die Firma. Denn für Nahrungsmittel dürfen die Hersteller nicht mit Heilversprechen werben. Das heisst: Emmi darf nicht behaupten, dass Evolus den hohen Blutdruck senkt. Das ist nur bei Medikamenten erlaubt. Was die Behörden der Firma aber gestattet haben, klingt kaum anders: Evolus sei geeignet «zur Ernährung bei leicht erhöhtem Blutdruck». Und es könne «den Blutdruck günstig beeinflussen».
Die Kampagne stösst deshalb bei Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz SKS auf harsche Kritik: «Emmi rückt den Joghurtdrink in die Nähe von Medikamenten.» Denn die Firma verkauft gleichzeitig auch noch ein Blutdruckmessgerät zum Sonderpreis. «Das überschreitet die Grenzen des Erlaubten», ist Walpen überzeugt. Die Konsumentenschützerin forderte deshalb das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf, die gesamte Werbekampagne von Emmi auf ihre Rechtmässigkeit zu prüfen.
Blutdruckmessgeräte: Emmi hat Verkauf gestoppt
Bis anhin berief sich die Behörde darauf, nur für die Angaben auf dem Produkt und nicht für die gesamte Kampagne zuständig zu sein. Und diese seien korrekt. Doch jetzt kommt Bewegung in die Behörde: «Wir klären mit den zuständigen kantonalen Stellen ab, inwiefern die ganze Werbekampagne den rechtlichen Bedingungen entspricht», sagt BAG-Mediensprecherin Sabina Helfer.
Und tatsächlich: Emmi reagiert jetzt auf die Kritik. Sie habe den Verkauf der Blutdruckmessgeräte gestoppt und die «Werbung in Absprache mit dem BAG angepasst», erklärt Firmensprecherin Alexandra Karpf. Emmi habe jedoch nie «den Eindruck erwecken wollen, dass Evolus ein Medikament ist». Und die Firma habe immer betont, dass das Produkt nur «eine zusätzliche Massnahme zu einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise ist.»
28. September 2005 | Sonja Marti
