SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2005

Der TV-Doktor unter Druck

Sonntagabend, 31. August 2003: Thema Neurodermitis in der Gesundheit-Sprechstunde. TV-Doktor Samuel Stutz gibt dem Hautarzt das Stichwort: «Was taugen die neuen Hautcremen wie Elidel?» Der Hautarzt: «Wir sind froh, gibt es die neuen Medikamente. Sie wirken gut und sind sicher.» Dann stellt eine Apothekerin Neurodermitis-Medikamente vor. Im Vordergrund: Elidel. Auch sie sagt: Die neuen Salben wirken «sehr gut». Ein versteckter Werbespot für ein rezeptpflichtiges Medikament. Was die Zuschauer nicht wissen: Elidel ist von Novartis. Und Novartis unterstützt die Sendung mit Geld.

Jetzt schreiten die Behörden gegen die Fernsehsendung ein. Sie habe die Werbe- und Sponsoringbestimmungen verletzt, stellte das Bundesamt für Kommunikation fest. Unter anderem wegen Elidel: Sie habe gegen das Verbot der Schleichwerbung verstossen. Die TV-Sendung habe Novartis «gegen Entgelt» eine Werbeplattform geboten. Beim Publikum würde der Eindruck erweckt, Elidel sei anderen Medikamenten überlegen. Zudem: Werbung für rezeptpflichtige Medikamente ist am Fernsehen gar nicht erlaubt.

Was der TV-Doktor den Zuschauern verschwieg: Elidel steht im Verdacht, bei Kindern Krebs auszulösen. Novartis preist es zudem als hautschonend an. Doch das «British Medical Journal» hat kürzlich aufgedeckt, dass man das gar nie bei Patienten untersucht hat. Neurodermitis-Patienten brauchen nicht unbedingt Medikamente. Auch pH-neutrale Seifen und rückfettende Cremen wirken. Solche Informationen fanden die Leser im Gesundheitstipp vom letzten März.

Im Gesundheitstipp sind die Beiträge garantiert nicht von Pharmafirmen oder Ärztevereinigungen gekauft. Informationen über Medikamente holt die Redaktion bei unabhängigen Fachleuten und Fachzeitschriften ein. So zum Beispiel auch in diesem Heft über das Verhütungsstäbchen Implanon. Ärzte setzen es Frauen in den Oberarm ein. Doch jetzt kommt aus: Frauen werden trotzdem schwanger, weil Ärzte Fehler machen (siehe Seite 6). Leserinnen und Leser schätzen offensichtlich die Unabhängigkeit des Gesundheitstipp: Gemäss neusten Umfragen wird das Heft regelmässig von 641 000 Interessierten gelesen.

28. September 2005 | Tobias Frey, Redaktionsleiter


Beitrag als PDF
Der TV-Doktor unter Druck
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Heftiger Streit ums Gefahr fürs Herz: Zu viel Fructose in Fertigprodukten Übergewicht schadet auch der Haut
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten