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Sonntagabend, 31. August 2003: Thema Neurodermitis in der Gesundheit-Sprechstunde. TV-Doktor Samuel Stutz gibt dem Hautarzt das Stichwort: «Was taugen die neuen Hautcremen wie Elidel?» Der Hautarzt: «Wir sind froh, gibt es die neuen Medikamente. Sie wirken gut und sind sicher.» Dann stellt eine Apothekerin Neurodermitis-Medikamente vor. Im Vordergrund: Elidel. Auch sie sagt: Die neuen Salben wirken «sehr gut». Ein versteckter Werbespot für ein rezeptpflichtiges Medikament. Was die Zuschauer nicht wissen: Elidel ist von Novartis. Und Novartis unterstützt die Sendung mit Geld.
Jetzt schreiten die Behörden gegen die Fernsehsendung ein. Sie habe die Werbe- und Sponsoringbestimmungen verletzt, stellte das Bundesamt für Kommunikation fest. Unter anderem wegen Elidel: Sie habe gegen das Verbot der Schleichwerbung verstossen. Die TV-Sendung habe Novartis «gegen Entgelt» eine Werbeplattform geboten. Beim Publikum würde der Eindruck erweckt, Elidel sei anderen Medikamenten überlegen. Zudem: Werbung für rezeptpflichtige Medikamente ist am Fernsehen gar nicht erlaubt.
Was der TV-Doktor den Zuschauern verschwieg: Elidel steht im Verdacht, bei Kindern Krebs auszulösen. Novartis preist es zudem als hautschonend an. Doch das «British Medical Journal» hat kürzlich aufgedeckt, dass man das gar nie bei Patienten untersucht hat. Neurodermitis-Patienten brauchen nicht unbedingt Medikamente. Auch pH-neutrale Seifen und rückfettende Cremen wirken. Solche Informationen fanden die Leser im Gesundheitstipp vom letzten März.
Im Gesundheitstipp sind die Beiträge garantiert nicht von Pharmafirmen oder Ärztevereinigungen gekauft. Informationen über Medikamente holt die Redaktion bei unabhängigen Fachleuten und Fachzeitschriften ein. So zum Beispiel auch in diesem Heft über das Verhütungsstäbchen Implanon. Ärzte setzen es Frauen in den Oberarm ein. Doch jetzt kommt aus: Frauen werden trotzdem schwanger, weil Ärzte Fehler machen (siehe Seite 6). Leserinnen und Leser schätzen offensichtlich die Unabhängigkeit des Gesundheitstipp: Gemäss neusten Umfragen wird das Heft regelmässig von 641 000 Interessierten gelesen.
28. September 2005 | Tobias Frey, Redaktionsleiter
