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Urlauber am Meer sollten am Strand und in seichtem Wasser vorsichtig sein. Tropen-mediziner geben Tipps, wie man sich vor Quallen, Steinfischen und Seeigeln schützt.
Die 34-jährige Karin Leu aus Zürich hatte grosses Glück. An einem abgelegenen Strand auf der Insel Mauritius trat sie auf einen hochgiftigen Steinfisch. «Als ich ins Wasser rannte, spürte ich plötzlich einen wahnsinnigen Schmerz im Fuss.»
Verzweifelt rief sie ihren Freund um Hilfe. «Ich wäre nicht mehr alleine an Land gekommen.» Doch bis Karin Leu eine fachgerechte ärztliche Behandlung bekam, dauerte es noch über 24 Stunden. Denn weder in der Apotheke noch im öffentlichen Spital stellte man die richtige Diagnose. Die Vermutungen reichten von einer Korallenverletzung bis zum gebrochenen Fuss. «In der Zwischenzeit war mein Fuss schwarz angelaufen und dick geschwollen», erinnert sich Leu.
Schliesslich suchte sie Hilfe in einem Privatspital. Erst hier erkannte der Arzt, dass die Patientin von einem Steinfisch gestochen worden war. Dessen Gift ist lebensgefährlich - für das Gegengift war es allerdings bereits zu spät. Deshalb versorgte sie der Arzt mit Kortison und starken Schmerzmitteln. Auch gegen die zunehmenden Atemprobleme bekam sie ein Mittel. «Zum Glück schlugen die Medikamente schnell an», sagt Karin Leu. Wie gefährlich die Situation gewesen war, wurde ihr erst später bewusst - als sie sich in der Schweiz von einem Tropenmediziner nachbehandeln liess. Dieser habe gesagt: «Es ist ein Wunder, dass Sie noch leben.»
Immer wieder verletzen sich Strandurlauber durch Quallen, Seeigel, Kegelschnecken oder Fische mit Giftstacheln, wie sie Steinfisch, Stachelrochen und Petermännchen haben (siehe Tabelle). Das kann lebensbedrohliche Folgen haben. Tropenmediziner Bernhard R. Beck aus Zürich: «In Australien werden mehr Menschen durch Quallen getötet als durch Haifische.»
Quallen sind gefährlich, Seeigel nur schmerzhaft
Die einzelnen Quallenarten können schmerzhafte Hautverletzungen verursachen. Es kann sogar zu Herzstillstand oder einem allergischen Schock kommen. Meist ungiftig, aber schmerzhaft sind Seeigelstacheln. Diese sollte man sofort entfernen und desinfizieren - sonst kanns zu Entzündungen kommen.
Gefährdet sind Badende vor allem beim Waten im seichten Meer. Der Grund: «Man sieht die Gefahren unter Wasser nicht», sagt Arzt Beck. Aber auch beim Schnorcheln oder Tauchen kann man auf die giftigen Tiere stossen. Sein Fazit: Keine Tiere, Pflanzen und Korallen anfassen.
Plastiksandalen schützen vor den Stacheln
Eine schmerzhafte Erfahrung mit Nesseltieren machte die 38-jährige Karin Müller aus Zürich, als sie am Roten Meer in den Ferien war. Sie stand im Wasser bei einem Steg, der ins Meer hinausführt. Sie berührte mit dem Rücken versehentlich einen der Holzpfosten - aber der war mit Nesselfarn überwuchert.
«Es brannte wie Feuer», erinnert sie sich. Bald darauf überzog sich ihr Rücken mit schmerzhaften Blasen und wurde feuerrot. Doch Karin Müller hatte Glück. «Die Strandaufsicht wusste gleich Bescheid und gab mir eine Tinktur.» Vom Arzt bekam sie zusätzlich eine kühlende Salbe. «Nach zwei, drei Tagen ging es mir wieder besser», erinnert sich Müller.
Strandurlauber können sich vor schmerzhaften Begegnungen mit Tieren schützen. Der Reisemediziner Bernhard R. Beck empfiehlt: «Am Strand sollte man Schuhe mit festen Sohlen tragen, zum Beispiel Plastiksandalen.» Noch besser wären Stiefel, wie sie Taucher tragen. Diese schützen auch vor Stachelrochen, deren Giftstachel das Opfer meist am Knöchel verletzt. Beck betont, dass Kinder besonders gefährdet sind. Wegen ihres geringen Körpergewichts wirke das Gift schlimmer. Deshalb sollten sie unbedingt Schuhe anziehen. Kinder sollten auch niemals alleine im Meer oder am Strand spielen. Beck rät, mit T-Shirt oder einem Sonnenschutzanzug zu baden. «Das schützt Kinder nicht nur vor UV-Strahlen, sondern auch vor Quallen.»
Wer diese Vorsichtsmassnahmen beachtet, kann seine Ferien am Meer unbeschwert geniessen. Auch Karin Leu lässt sich durch ihr Erlebnis mit dem Steinfisch nicht die Ferienfreude verderben. «Ich fahre nach wie vor ans Meer», sagt sie. «Aber ich bin vorsichtiger geworden.» Beim Tauchen halte sie mehr Abstand zu Pflanzen und Tieren. Und beim Waten geht sie schlurfend durch den Sand. «So tritt man nicht von oben auf ein giftiges Tier, sondern verscheucht es oder schiebt es weg.» Den Tipp bekam Karin Leu von ihrem Tropenarzt.
Wer bezahlt die Arztkosten der Opfer? Lesen Sie Seite 31
So schützen Sie sich vor Verletzungen
- Informieren Sie sich bei der Strandaufsicht, im Hotel oder bei Einheimischen über die Tiere am Strand.
- Greifen Sie am Strand und beim Schnorcheln nicht in unübersichtliche Nischen und heben Sie unter Wasser keine Steine auf.
- Berühren Sie keine Tiere am Strand, auch keine scheinbar toten.
- Tragen Sie beim Waten im Meer Schuhe mit einer widerstandsfähigen Sohle (Plastiksandalen).
- Wenn vermehrt Quallen auftreten, sollten Sie nicht baden.
Aufruf
Hatten Sie Erlebnisse mit gefährlichen Tieren in den Ferien? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen: Redaktion Gesundheitstipp, «Gefährliche Tiere». Postfach 277, 8024 Zürich oder redaktion@gesundheitstipp.ch
29. Juni 2005 | Sonja Marti - smarti@gesundheitstipp.ch
