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Artikel | saldo 11/2005

"Fettfrei" ist kein kulinarischer Freipass

Gummibären und Lollipops «ohne Fett» - das tönt nach wenig Kalorien. Doch die Produkte sind nicht gesünder als andere Süsswaren.

Was Hersteller von Süssigkeiten im Zug der «Low Fat»-Welle in den USA längst ausnützen, etabliert sich nun auch in der Schweiz: Haribo, Kattjes und Chupa Chups werben für ihre Gummibären und Lollipops mit dem Aufdruck «ohne Fett».

Das schweizerische Lebensmittelrecht erlaubt diese Aussagen - obwohl Selbstverständlichkeiten nicht hervorgehoben werden dürfen. Da es jedoch viele Süssigkeiten gibt, die Fett enthalten, können die Hersteller mit Angaben wie «0 Prozent Fett» für ihre Produkte werben.

Damit suggerieren die Firmen, dass man sich mit den fettfreien Süssigkeiten kalorienbewusster ernähren kann als mit anderen. Gleichzeitig werden die Gefahren verschleiert, die sich aus dem hohen Zuckeranteil - dieser liegt oft bei über 80 Prozent - ergeben.

«Der Slogan "fettfrei" verleitet dazu, Süssigkeiten in grossen Mengen zwischen den Mahlzeiten zu essen. Damit sind die Blutzuckerwerte dauernd erhöht und die Fettverbrennung wird wirksam unterbunden», sagt Monika Müller, Ernährungsberaterin bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung.

Wird der Zucker allein und nicht in Kombination mit Nahrungsfasern, Fett oder Eiweiss aufgenommen, löst er einen weit dramatischeren Blutzuckeranstieg aus als etwa ein Dessert nach einer vollständigen Mahlzeit.

Wer zu viel Zucker konsumiert, erhöht damit das Risiko für Metabolisches Syndrom (eine Fettstoffwechselstörung), Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. «Der hohe Zuckerkonsum ist insbesondere bei Kindern und Jugendlichen problematisch. Bereits bei Schulkindern werden Anzeichen des Metabolischen Syndroms diagnostiziert», so Expertin Monika Müller.

Fazit: «Fettfreie» Süssigkeiten sind genauso mit Mass zu konsumieren wie alle übrigen. Wer zu viel davon nascht, nimmt zu viel Energie auf, die der Körper in Fettreserven anlegt.

jeb.

08. Juni 2005


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