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Die Preise für einen bestimmten Flug variieren enorm. Wer einige Tipps beachtet, hat gute Chancen, einen günstigen Tarif zu finden.
Bis vor kurzem galt für den Kauf von Flugtickets: Je später die Buchung, desto tiefer der Preis. Diese einfache Formel hat ihre Gültigkeit aber verloren. Heute ändern die Preise von Tag zu Tag, die Preisentwicklung ist für Konsumenten oft überhaupt nicht nachvollziehbar. Mehr denn je stellt sich deshalb die Frage: Wann soll ich buchen?
K-Geld ist dieser Frage nachgegangen und hat die Preise für acht Flüge während eines Monats beobachtet (siehe Tabelle). Ein Fazit vorweg: Einen guten Preis zu finden ist nicht einfach Glückssache, wenn man einige Faktoren berücksichtigt.
Grundsätzlich muss man zwischen Europa- und Langstreckenflügen unterscheiden. Wer einen Europaflug buchen will, sollte sich vor allem überlegen, ob der gewünschte Flug für Geschäftsreisende von Interesse ist. Denn die Airlines haben es auf die zahlungskräftigen Business-Reisenden abgesehen und erhöhen die Preise für Flüge, die diese Kundschaft ansprechen.
So sind Hinflüge bis 9 Uhr und Rückflüge ab 17 Uhr generell teurer als Flüge zwischen 9 und 17 Uhr. Auch ein Kongress oder ein grosser Sportanlass am Zielort kann den Flugtarif erhöhen.
Aber auch andere Faktoren beeinflussen den Preis, wie das Beispiel der Swiss zeigt: Vier Tage vor Abflug zog der Preis für den Flug nach Rom plötzlich markant an. Ein Grund dafür waren die schlechten Wetterprognosen für das Pfingstwochenende. Viele Deutschschweizer wollten dem Regen mit einem Städteflug nach Rom entfliehen. Die Swiss reagierte auf diese gestiegene Nachfrage und hob den Preis an.
Flug ausgebucht - zwei Tage später wieder verfügbar
Die Beispiele 2 und 4 - Air Berlin und Easy Jet - verdeutlichen, dass Billig-Airlines bei ihrer Preisgestaltung oft ein vorgegebenes Muster anwenden: Zwei Wochen vor Abflug erhöhen sie den Tarif kontinuierlich, weil dann die Buchungen der Geschäftsreisenden eintreffen. Bei Billig-Airlines findet man selten günstige Last-Minute-Angebote.
Interessantes veranschaulicht auch Beispiel 3, der KLM-Flug von Zürich nach Amsterdam: Die Fluggesellschaften vergeben den Reiseveranstaltern einige Monate im Voraus Sitzkontingente. Nicht genutzte Kontingente müssen die Veranstalter in der Regel vier Wochen vor Abflug wieder zurückgeben. Die Folge: Für die Airline zeichnet sich erst ab diesem Zeitpunkt ein klares Bild über die Nachfrage des betreffenden Fluges ab.
Auch Beispiel 5, der Flug mit Thai Airways nach Bangkok, zeigt, was passiert, wenn ungenutzte Sitzplatzkontingente zurückgegeben werden. Am 2. Mai war der Flug ausgebucht, zwei Tage später aber wieder verfügbar. Höchstwahrscheinlich sind zwischen diesen beiden Daten Kontingente zurückgegeben worden.
Denselben Effekt kann man auch beim Beispiel 8, mit der Lufthansa nach Vancouver, beobachten. «Ausgebucht» heisst noch lange nicht, dass sich der Flug nicht noch einmal öffnet.
Die Preisentwicklung beim Lufthansa-Flug mutet an wie eine Fahrt mit einer Berg-und-Tal-Bahn. Die Erklärung von Lufthansa-Pressesprecherin Katrin Meier ist wenig aussagekräftig: «Wegen der Rückgabe von Kontingenten und des Erhalts von Annullationen kann sich die Buchungssituation stetig verändern. Und je nach Platzverfügbarkeit variiert das Preisniveau.»
Schwierigkeiten bei der Online-Reservation
Auch das Beispiel 7, Continental nach Newark, irritiert mit massiven Preisschwankungen. Erklärungsversuch einer Continental-Sprecherin: «Möglich sind solche Preisschwankungen bei Eingang oder Annullation von Gruppenbuchungen.» Je nach Auslastung eines Fluges, würden Buchungsklassen geöffnet und wieder geschlossen.
Flugpreis-Experte Stefan Angst hat einen anderen Verdacht. Der Verkaufsleiter beim Reservationssystem Amadeus vermutet Systemschwierigkeiten der Airline-Buchungswebsite als mögliche Ursache.
Angst hat jahrelang bei der Swissair in der Pricing-Abteilung gearbeitet. Er kennt die Mechanismen der Preisgestaltung aus dem Effeff. Einen besten Zeitpunkt fürs Buchen kann er wegen der vielen die Preise beeinflussenden Faktoren nicht nennen.
Bei Europaflügen lohnt sich laut Angst aber eine frühzeitige Buchung, wenn «sich die Flugzeiten auch für Geschäftsreisende eignen. Dann erfolgen viele Buchungen erst in den letzten 14 Tagen vor dem Abflug. Das führt dazu, dass die Tarife steigen.»
Langstreckenflug: Die Saison ist für den Preis relevant
Zusätzlich verweist Stefan Angst auf weitere interne und externe Faktoren aus der Sicht der Fluggesellschaft. Als externen Faktor nennt er die Preisentwicklung bei Flügen von Konkurrenz-Gesellschaften. Und interne Faktoren können sein: die Lancierung von Aktionen oder ein Wechsel der eingesetzten Maschine.
Wird der Flug statt mit einem Airbus 319 plötzlich mit einer Embraer durchgeführt, verändere sich die Verfügbarkeit schlagartig und damit in der Regel auch der Preis.
Bei Langstreckenflügen spielen grundsätzlich die gleichen Faktoren wie bei Europaflügen, aber mit einer anderen Gewichtung. Die Nachfrage von Geschäftsreisenden und ihr Einfluss auf die Preisgestaltung spielt meist eine weniger grosse Rolle - ausser bei den Flügen nach New York.
Bei einem Interkontinentalflug nach Osten (Singapur, Tokio usw.) sollte man berücksichtigen, wann Geschäftsreisende am ehesten fliegen. Sie wählen meist eher den Montag- als den Mittwochflug, um vor Ort noch vor dem Wochenende arbeiten zu können. Entsprechend dürfte der Montagflug in den letzten Wochen vor dem Abflug eher ein steigendes Tarifniveau erleben.
Wichtiger bei Langstreckenflügen ist aber der Einfluss der aktuellen Saison auf den Preis. Wer in der Nebensaison reist - nach Thailand zum Beispiel im April oder November -, fliegt grundsätzlich günstiger.
Der richtige Zeitpunkt zum Buchen
Europaflüge
Tipp 1:
Geschäftsreisende fliegen am Morgen hin, abends zurück. Flüge untertags sind billiger.
Tipp 2:
Feiertage erhöhen die Preise, Grossanlässe am Zielort ebenfalls. Vor der Buchung abklären, was an der Destination läuft.
Tipp 3:
Fliegt eine Airline eine neue Strecke an, ist gewiss: Die Konkurrenz senkt auf der gleichen Strecke die Preise.
Tipp 4:
Die billigsten Tarife sind drei bis elf Monate vor Abflug erhältlich. Der Flug mit Air Berlin von Zürich nach Berlin vom 12. bis 17. Oktober kostete Mitte Mai zum Beispiel nur 140 Franken (Beispiel 2).
Tipp 5:
Zwei Wochen vor Abflug ziehen bei guter Nachfrage die Preise zum Teil massiv an. Eine Verdoppelung oder Verdreifachung gegenüber dem Anfangspreis ist nicht selten.
Langstreckenflüge
Tipp 1:
Flexible Datenwahl. Kann die Reise um zwei oder drei Tage verschoben werden? Wer alle möglichen Daten abcheckt, findet oft günstigere Flüge.
Tipp 2:
Das Abflugdatum bestimmt den Preis. Ein Abflug Ende November kann deutlich günstiger sein als ein Abflug Anfang Dezember.
Tipp 3:
Den Flugtarif bei mehreren Quellen vergleichen - bei der Airline selber, bei einem Flugbuchungsportal, bei einem Länderspezialisten und in einem Reisebüro. Die Airlines offerieren ihren Vertriebspartnern unterschiedliche Preise und verbilligte Sitzplatzkontingente.
Tipp 4:
Sogar Airlines, die einen Flug zusammen durchführen, so genannte Code-Share-Partner, unterbieten sich gegenseitig, obwohl es sich um denselben Flug handelt. Es kann sich lohnen, die Preise beider Airlines abzuchecken.
Tipp 5:
Muss das exakte Reisedatum eingehalten werden, lohnt es sich, einen Monat vor Abflug zu buchen. Kann man die Reise um wenige Tage verschieben, kann sich Zuwarten lohnen. Es besteht dann allerdings das Risiko, gar keine Plätze mehr zu erwischen. Langstrecken-Schnäppchen sind selten geworden, am häufigsten noch in Kombination mit einem Hotel.
25. Mai 2005 | Gregor Waser
