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Artikel | saldo 10/2005

Rabatte nicht Erwünscht

Der Chef von Bose Schweiz wehrt sich mit drastischen Methoden gegen Discounter, die gute Preise anbieten - die Kunden haben das Nachsehen.

Hi-Fi-Systeme der Marke Bose fluten das Wohnzimmer mit Spitzenklängen - schaffen aber Ebbe im Portemonnaie. Gut, dass es Discounter gibt: Sie machen die Produkte des US-Konzerns erschwinglich.

Einer dieser Günstiganbieter war bis vor kurzem die Preisinsel AG in Sihlbrugg ZG. Inhaber Lukas Thoma verkaufte Bose-Anlagen mit einem Preisnachlass von 20 Prozent. Weil er vom Schweizer Generalimporteur nicht beliefert wurde, deckte er sich heimlich bei einem autorisierten Vertreter ein, der Firma Hegi in Wohlen AG. Damit ist jetzt Schluss, denn Bose stellte Geschäftsführer Bernhard Hegi ein Ultimatum: «Wir standen vor der Wahl, entweder sämtliche Lieferungen an die Preisinsel zu stoppen oder nicht mehr beliefert zu werden.» Weil Hegi auf die Zusammenarbeit mit Bose angewiesen ist, blieb ihm nichts anders übrig, als dem Druck nachzugeben.

Laut Preisinsel-Inhaber Thoma «will Bose verhindern, dass Schweizer Kunden zu hohe Rabatte bekommen». Dabei könnten sich das einige Händler problemlos leisten. saldo liegen vertrauliche Konditionen eines namhaften Verkäufers vor, wonach die Marge etwa 45 Prozent beträgt. «Davon könnte man doch einen Teil den Kunden weitergeben», findet Thoma.


«Wir gewähren höchstens 3 Prozent Skonto»

Werner Sägesser, Geschäftsführer von Bose Schweiz, gibt zu, dass man bis vor einem Jahr von Rabatten überhaupt nichts gehalten hat: «In den Verträgen mit unseren Händlern war ein Mindestverkaufspreis vorgeschrieben.» Jetzt sei das aber nicht mehr so. Stillschweigend scheint die Regelung allerdings Bestand zu haben. Ein offizieller Händler bestätigt: «Wir gewähren höchstens 3 Prozent Skonto.»

Wer grosszügiger ist, wird systematisch aus dem Geschäft gedrängt - notfalls mit der Polizei. Das bekam auch der Discounter Fischer Hifi in Altwis LU zu spüren. Marketingleiter Philipp Wirz: «Plötzlich hatten wir sieben Polizeibeamte im Laden. Bose beschuldigte uns, gestohlene Ware zu verkaufen.» Dabei hatte Fischer die Anlagen legal aus Deutschland importiert.

Der einzige Fehler des Discounters: Die Ware war deutlich billiger, als es Bose in den Kram passte. Um sich zu entlasten, musste die Firma Fischer ihre deutsche Bezugsquelle offen legen. Die Konsequenzen waren absehbar: «Unser Lieferant wurde gesperrt, und wir haben jetzt endgültig genug von Bose», sagt Wirz resigniert.


Bose will lästige Billiganbieter abwimmeln

Kampflustig bleibt hingegen der Chef der Preisinsel: «Wir wollen ein offizieller Bose-Vertreter werden und unseren Kunden trotzdem Rabatte gewähren», sagt Lukas Thoma. Doch für Bose ist die Preisinsel genauso wie Fischer Hifi nur ein lästiger Billiganbieter, den es rasch abzuwimmeln gilt.

Geschäftsführer Sägesser hat denn auch unmissverständlich kundgetan, was er vom Preiswettbewerb zwischen seinen Händlern hält. «Das Verkaufen mit Rabatten sei wie Geldwechseln.
Mit Geldverdienen habe das nichts zu tun», zitiert Thoma den Chef von Bose Schweiz.

Ebenso wenig stichhaltig ist die schriftliche Begründung, dass die Preisinsel kein autorisierter Bose-Verkäufer werden soll. So schrieb Werner Sägesser: «Da wir den Bestand an Vertragshändlern in Ihrem Wirtschaftsraum als sehr ausreichend betrachten, erübrigt sich die weitere Prüfung der Erfüllung der entsprechenden Selektionskriterien.»
Dieses Argument ist auch rechtlich nicht haltbar. Patrik Ducrey von der Wettbewerbskommission (Weko): «Es spielt keine Rolle, ob es schon genügend Händler gibt oder nicht. In der Regel müssen Verkäufer bestimmte Qualitätsbedingungen einhalten.» Das heisst konkret: fachkundiges Personal sowie ein angemessenes Ladenlokal.


Politik von Bose wird von Behörden überprüft

«Diese Bedingungen erfüllen wir problemlos», versichert Lukas Thoma. «Gegen eine vertragliche Zusicherung sind wir sogar bereit, unseren Laden für viel Geld umzubauen.» Wie es nun weitergeht, wird die Weko entscheiden: «Gegen Bose läuft ein Vorabklärungsverfahren», sagt Medienspecher Ducrey. Die Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.

25. Mai 2005 | Franco Tonozzi


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