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Artikel | K-Tipp 10/2005

Sitz, Platz - Geld her!

Hans Schlegel bildet in teuren Kursen Hundetrainer aus. Wer nicht reüssiert, verliert unter Umständen viel Geld.

Mit der vor wenigen Jahren geführten Debatte um gefährliche Kampfhunde erlangte Hans Schlegel schweizweit Berühmtheit. Der Mann aus Gansingen AG war in vielen Medien und Diskussionsrunden als Hundefachmann präsent.

Schlegel hat ein eigenes Hunde-Trainingssystem mit dem Kürzel DTS entwickelt. Interessierte können Schlegels Methode an insgesamt vier Kursen lernen. Wer alle Kurse erfolgreich absolviert und auch die Abschlussprüfung besteht, erhält ein Diplom und darf DTS selber unterrichten. Jeder Kurs beinhaltet 20 Trainingstage, Unterlagen und Nachbetreuung per Internet.


Jeder Zweite steigt vorzeitig aus

Schlegels Wissen zu erlangen ist teuer. Jeder einzelne der vier Kurse kostet rund 5000 Franken - zahlbar im Voraus. Bis zum Diplom kostet die Ausbildung also gut 20 000 Franken - allfällige Übernachtungs- und Verpflegungskosten nicht eingerechnet.

Besonders teuer wird es für jene Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer, die bei Zwischenprüfungen durchrasseln und auf eigene Kosten repetieren müssen. Aber auch für all jene, die während des Kurses das Handtuch werfen. Allein im ersten als Vorbereitungsjahr deklarierten Kurs ist das zum Teil mehr als die Hälfte.

Zu den Aussteigern zählt auch Antonia Schröder aus Kriens LU. «Erst in diesem Moment wird den meisten klar, wie sehr man sich mit der Vertragsunterzeichnung Hans Schlegel ausgeliefert hat», moniert sie.

Tatsächlich: Schlegels Verträge sind äusserst einseitig. Des Hundeflüsterers Kunden haben trotz des stolzen Preises, den sie bezahlen, einzig das Recht, am Kurs teilzunehmen. Ob Kurse zum angesagten Zeitpunkt auch wirklich stattfinden, ob aus gesundheitlichen oder privaten Gründen verpasste Kurse nachgeholt werden dürfen, ob Teilnehmer die Zwischenprüfungen bestehen oder wegen «unsportlichem Verhalten» ausgeschlossen werden - all das bestimmt Hans Schlegel allein. Egal, wie er entscheidet: Geld gibt es laut Vertrag in keinem Fall zurück.


Information bewahrt vor Enttäuschungen

Für Hans Schlegel ist das in Ordnung. «Die Vertragsbedingungen werden mehrmals kommuniziert und an einem Infoabend sehr transparent erläutert», sagt er dem K-Tipp. Und dass tatsächlich viele seiner Kunden an den Kursanforderungen scheitern, hat für ihn einen einfachen Grund: «Zahlreiche Teilnehmer unterschätzen ganz einfach die Ausbildung.»

Egal, ob es um Hunde-, Koch- oder Computerkurse geht, oft erkennen viele Aus- und Weiterbildungswillige zu spät, dass sie im falschen Kurs sitzen. In den meisten Fällen können sie sich dann das eingesetzte Geld ans Bein streichen, weil in allen Branchen einseitige Verträge gang und gäbe sind.

Wichtig für eine erfolgreiche Aus- oder Weiterbildung ist es darum, sich umfassend über die verschiedenen Angebote zu informieren. Zum Erreichen eines Ausbildungszieles gibt es nämlich meist mehrere Wege zu verschiedenen Preisen.

So auch bei einer Ausbildung zum Hundetrainer. Nebst privaten Schulen, bietet auch die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) Kurse an. Laut SKG-Pressefrau Verena Ammann kommt die Ausbildung zum Hundetrainer mit allen nötigen Kursen auf höchstens 1500 Franken zu stehen. Am Schluss gibt es auch hier ein Diplom, und das ist genau so viel wert wie das rund 13-mal teurere von Hans Schlegel - eigentlich nichts. Denn beide Diplome sind nirgends offiziell anerkannt.



Lehrgänge und Kosten vergleichen

- Seien Sie realistisch: Überlegen Sie genau, welche Fähigkeiten Sie sich aneignen wollen und wie viel Zeit und Geld Sie investieren können. Lassen Sie sich allenfalls bei einer Berufsberatungsstelle, bei Berufs- und Interessenverbänden beraten.
- Überfordern Sie sich nicht. Wenn Sie erst im Kurs merken, dass Sie dem Stoff nicht gewachsen sind, wird es teuer. Wer vorzeitig aussteigt, kann das bezahlte Geld in der Regel nicht zurückfordern. Ein Rechtsstreit lohnt sich meistens nicht.
- Vergleichen Sie die Angebote und Preise. Klären Sie ab, was im Preis alles inbegriffen ist (Lektionen, Kursmaterial, Gebühren usw.). Prüfen Sie die Prospekte und nehmen Sie wenn möglich an Schnupperkursen teil. Verlangen Sie Referenzen.
- Erkundigen Sie sich, ob ein allfälliges Diplom anerkannt ist.
- Lesen Sie Vertrag und Kleingedrucktes. Folgendes sollte darin beantwortet sein: Wozu verpflichten Sie sich, wozu der Anbieter? Was ist, wenn Sie vor Kursbeginn oder während des Kurses krank werden? Können Sie den Kurs oder Teile davon wiederholen, auch falls Sie dem Programm nicht folgen können? Gibt es Kündigungsfristen und unter welchen Umständen bekommen Sie allenfalls Geld zurück?

18. Mai 2005 | Markus Kellenberger - mkellenberger@ktipp.ch


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