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Artikel | K-Tipp 10/2005

Konzessionen um jeden Preis

Ein Mitarbeiter der Billag brachte einen Teenie dazu, für seine 19-jährige Schwester eine Radiokonzession zu beantragen.

Familie Greminger bewohnt in Winterthur zwei Stockwerke eines Mehrfamilienhauses und bezahlt ihre Radiokonzession. Tochter Prisca (19) und Sohn Marcel (16) haben jedoch einen eigenen Briefkasten.

Das scheint den Argwohn eines Mitarbeiters der Gebühreneintreiberin Billag geweckt zu haben. Dieser war letzten Herbst auf der Suche nach Schwarzhörern - und traf Marcel allein zu Hause an. Der Billag-Mann überredete den 16-Jährigen, im Namen seiner Schwester eine Anmeldung für eine Radiokonzession auszufüllen. Laut Aussagen der Familie Greminger wurde Marcel «quasi dazu genötigt». Billag-Sprecher Jonny Kopp konnte aber «nach entsprechenden Abklärungen beim Aussendienstmitarbeiter kein Fehlverhalten feststellen».

Unbestritten ist, dass Marcel Greminger überhaupt nicht befugt war, im Namen seiner Schwester einen Vertrag zu unterschreiben. Ausserdem brauchen Gremingers keineswegs zwei Radiokonzessionen, da sie gemeinsam einen Haushalt führen.
Erst unlängst berichtete das Konsumentenmagazin «Bon à Savoir», mehrere Leser hätten sich über das ungebührliche Verhalten von Billag-Vertretern beschwert. Die allzu forsche Gangart der Billag-Leute lässt sich leicht erklären: Sie arbeiten auf Provisionsbasis. Wie hoch sie ist? Das will Kopp nicht bekannt geben.

Gremingers hatten noch weiteren Ärger: Denn aus einem G wurde ein C, weshalb Prisca Greminger als Prisca Creminger in der Billag-Datei figurierte. Bis dieser Irrtum endlich geklärt war, vergingen mehrere Monate.

Auch sonst scheint die Billag nicht allzu effizient zu arbeiten. Für das Eintreiben der Radio- und TV-Gebühren kassiert die Swisscom-Tochter jährlich 48 Millionen Franken oder 4 Prozent der Konzessionsgelder. Sie verursacht so viel höhere Verwaltungskosten als vergleichbare Firmen im Ausland (siehe Saldo 5/05).





Magnetismus zum Mega-Preis

Die Firma Arena & Partner verkauft «Energie- & Signal-Therapie» gegen allerlei Krankheiten - und sahnt tüchtig ab.

Das Gerät heisst EST 1000. Dank der «heilenden Kraft des Magnetismus» bietet es gemäss Prospekt «eine alternative Methode zur Behandlung von chronischen Leiden». Diese «Energie- & Signal-Therapie» stärke auch die Körperzellen, heisst es: Sie werden dadurch angeblich «widerstandsfähiger gegen alle Krankheiten».

Auf dem Kaufvertrag der Firma Arena & Partner hat das Wunderding einen stolzen Preis: 4500 Franken. Zu diesem Preis sei es anfänglich auch verkauft worden, sagt Arena-Chef Michael Kroll. Laut einem Kaufvertrag vom Oktober 2004, der dem K-Tipp vorliegt, erhielt eine Kundin stolze 30 Prozent und musste «nur» noch 3150 Franken zahlen.

Das ist immer noch sehr viel. Denn der Hersteller verkauft das identische Gerät in Deutschland für umgerechnet 2400 Franken.

Der Schluss liegt nahe: Die Firma Arena & Partner sahnt kräftig ab. Denn sie erhält ja vom Hersteller auch noch Mengenrabatte. Wie viel denn eigentlich? «Das geht Sie nichts an», sagt Arena-Chef Michael Kroll zum K-Tipp.

Dass solche Wundergeräte gerne sehr teuer verkauft werden, zeigt sich auch am Beispiel des «Neuromuskulären Elektrostimulators», den die Firma GBN + Partner aus Ebmatingen ZH für 5200 Franken verkauft. GBN-Geschäftsführer Marcel Seiler sagt dem K-Tipp, er selber kaufe das Gerät für 1000 Franken ein.

(em)

18. Mai 2005 | Stephan Dietrich - sdietrich@ktipp.ch


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