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Artikel | saldo 9/2005

Guter Schutz zu günstigen Preisen

Die Qualität der meisten Velohelme kann sich sehen lassen. Erfreulich: Schon für 30 Franken gibts einen sehr guten Kopfschutz.

Jeder dritte Velofahrer ist heute mit einem Helm unterwegs. Der früher unbeliebte Kopfschutz hat sich in den letzten Jahren zum sportlichtrendigen Accessoire gemausert. Es hat sich viel getan, seit die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) und die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) 1987 zum ersten Mal eine Velohelm-Kampagne durchgeführt haben: Die Zahl der schweren Kopfverletzungen nach Fahrradunfällen hat sich halbiert.

Dennoch besteht Verbesserungspotenzial, haben doch allein im letzten Jahr nach Unfällen immer noch 1600 Velofahrerinnen und -fahrer schwere Schädel- und Hirnverletzungen erlitten. Mit der diesjährigen Kampagne «Damit Velounfälle nicht zum Horror werden: Velohelm tragen» wollen Suva und BFU noch mehr Leute zum Helmtragen motivieren. Kampagnenleiterin Esther Infanger: «Beim Mountainbiken und Rennvelofahren gehört der Velohelm bereits zur Grundausrüstung. Weniger Anklang findet er in der Stadt und auf kurzen Strecken. Dabei lauern gerade hier grosse Unfallgefahren.»

Jeder Velohelm, der in der Schweiz verkauft wird, muss die Sicherheitsstandards der Europäischen Norm (EN) 1078 erfüllen. In einem internationalen Gemeinschaftstest haben die europäischen Konsumentenorganisationen geprüft, ob die Helme wirklich so viel Schutz bieten, wie die Hersteller versprechen. Und tatsächlich: 20 der 21geprüften Helme erfüllen die Auflagen.


Wichtig für die Sicherheit: Qualität des Kinnriemens

Zusätzlich wurden die Helme einer praktischen Prüfung unterzogen, bei der Testpersonen unter anderem beurteilten, wie gut sich die Helme anpassen lassen, ob sich die Riemen problemlos öffnen und schliessen lassen und wie bequem der Helm sitzt. Ebenfalls bewertet wurden das Belüftungsvermögen, die Verarbeitungsqualität sowie die Markierungen im Helm und die mitgelieferte Gebrauchsanleitung.

Den eigentlichen Härtetest hatten die Helme im Labor zu bestehen, wo ihre Schutzwirkung an einem Kunststoffschädel erprobt wurde. Hier wurde geprüft, ob sie sich abstreifen lassen, ohne dass der Kinnriemen sich öffnet. Das ist ein zentraler Prüfpunkt. Denn löst sich der Helm bei einem Unfall vom Kopf, ist dieser ungeschützt.

Mit einem 10-Kilogramm-Fallgewicht wurde versucht, den geschlossenen Helm von hinten über den Prüfkopf zu ziehen. Diese Prüfung schafften sämtliche Helme mit der Note «sehr gut». Einzig der Helm Trek Interval fiel durch: Zweimal brach die Halterung der Riemen. Aus diesem Grund wurde Trek Interval im Gesamturteil als «schlecht» beurteilt.

Die Firma Trek sperrte nach Bekanntwerden des Testergebnisses alle Interval-Modelle für den Verkauf und schickte mehrere Helme zur Überprüfung in ein unabhängiges Labor. Trek-Geschäftsführer Thomas M. Brown: «Alle Helme entsprechen den Standards der EN 1078. Wir haben das Modell Interval wieder für den Verkauf freigegeben, da wir von der Sicherheit unseres Produktes überzeugt sind.»


Stossdämpfung: Drei Helme nur mit genügender Note

Die Belastbarkeit der Riemen und des Verschlusses wurde ebenfalls mit einem Fallgewicht kontrolliert - dieser Prüfung hielten sämtliche Helme stand. Um die Stossdämpfung zu testen, wurden die behelmten Prüfköpfe aus 1,5 Metern Höhe auf einen flachen Steinsockel fallen gelassen. Der Aufprall wurde von vorne, hinten, seitlich und oben simuliert. Die Mehrheit der Helme schnitt bei diesem Prüfpunkt mit der Note «gut» oder «sehr gut» ab - einzig Giro Indicator, Bell Ukon und Trek Vapor 3 erhielten nur gerade die Note «genügend». Mit den besten Noten beim Unfallschutz überzeugten vier Modelle: Ked Spirit, Casco Generation 2, Uvex Explorer und Reevu Regular RVLX.

Doch die beste Schutzwirkung nützt nichts, wenn der Helm nicht getragen wird, weil er unbequem ist oder drückt. Drei Frauen und drei Männer prüften deshalb, wie gut sich der Helm der Kopfgrösse anpassen lässt, ob sich die Riemen problemlos straffen, öffnen und schliessen lassen und wie gut sich der Helm der Kopfform anpasst.


Bell Ukon: Punkto Belüftung die besten Eigenschaften

Für diese Kriterien verteilten die Testpersonen praktisch allen Helmen die Noten «gut» oder «sehr gut». Einzig Briko Mistral und Reevu Regular schnitten beim Prüfpunkt «Einstellen auf Kopfumfang» nur genügend ab. Die meisten Helme haben im Innern einen Plastikring, der sich über einen Drehknopf oder Schieber verstellen lässt, sodass er den Kopf vollständig umschliesst.

Ein wichtiges Kriterium ist auch die Belüftung des Helms. Wer lange Velo fährt, kommt ins Schwitzen - da darf sich unter dem Helm kein Wärmestau bilden. Um die Belüftungseigenschaften zu testen, wurde der Prüfkopf im Labor erst auf 60 Grad Celsius erwärmt, dann wurde der Helm aufgesetzt und anschliessend für 90 Sekunden in einen Luftzug gehalten.

Mittels Thermografie wurde festgehalten, welche Helme die Wärme gut ableiten und welche damit Mühe haben.

Der Helm mit den besten Belüftungseigenschaften ist Bell Ukon. Die Tester massen eine Resttemperatur von 34,4 Grad Celsius. Bei Reevu Regular waren es hingegen 41,3 und bei Trek Vapor 3 noch 40,1 Grad Celsius - diese beiden Modelle schnitten daher nur genügend ab.


Verarbeitung: Alle Helme gut bis sehr gut

Schliesslich bewerteten die Tester ebenfalls die Kennzeichnung (Sicherheitshinweise, Herstellerangaben, Gewicht, Fabrikationsdatum) und die Gebrauchsanleitung der Helme auf Vollständigkeit und Verständlichkeit. Abzug gab es bei diesem Kriterium für die drei Trek-Modelle: In der Gebrauchsanleitung waren die beiden Sprachen Deutsch und Portugiesisch vermischt.

Die Tester nahmen auch die Verarbeitung der Helme unter die Lupe. Der Grossteil der Helme wird heute mit der sogenannten Inmold-Technik produziert. Dabei wird das schockabsorbierende Polystyrol direkt in die Aussenschale gegossen, wo es dann aushärtet. Bei einigen Helmen wurde das schockabsorbierende Innenteil getrennt produziert und später an die Aussenschale geklebt. Erfreulicherweise zeigten sich im Endergebnis keine grossen Unterschiede, alle Modelle erhielten das Urteil «gut» oder sogar «sehr gut».


GPR Urbanus: Gutes und äusserst preiswertes Modell

Da die Qualitätsunterschiede der Helme nicht allzu gross sind, rückt der Preis in den Vordergrund: Während der Testsieger Ked Spirit stolze 139 Franken kostet, ist das drittplatzierte Modell GPR Urbanus bereits für knapp 30 Franken zu haben.



Gute Kinderhelme

Nicht ohne Helm» - das gilt im Besonderen für Kinder, denn sie sind oft noch etwas unsicher unterwegs. Zudem mangelt es ihnen an Erfahrung im Strassenverkehr. Die Stiftung Warentest hat Fahrradhelme für Kinder von 6 bis 10 Jahren getestet. Fünf der Helme, die das Gesamturteil «gut» erreichten, sind auch in der Schweiz erhältlich: Casco Phyton (Fr. 75.-), Bell Amigo (Fr. 59.90), KED Meggy (Fr. 69.-), Uvex Speedy (Fr. 89.90) und Cratoni Mad X (Fr. 89.90).




Tipps für den besten Schutz

- Der Velohelm muss gut sitzen, ohne zu drücken - er darf nicht wackeln. Eine Anprobe vor dem Kauf empfiehlt sich. Kinderhelme sollten nicht zu gross gekauft werden.
- Die Lüftungsschlitze sollten mit einem Netz versehen sein, damit keine Insekten in den Helm fliegen.
- Wer oft in der Dämmerung oder Dunkelheit unterwegs ist, sollte sich einen lichtreflektierenden Helm anschaffen.
- Nur Helme mit dem Hinweis EN 1078 erfüllen die gesetzlichen Sicherheitsstandards. Das Zeichen sollte sich im Innern des Helms befinden.
- Der Helm muss waagrecht auf dem Kopf sitzen, der Helmrand sollte sich etwa zwei Finger breit über der Nasenwurzel befinden. Sitzt der Helm zu weit hinten oder schräg, sind die Gesichts- und Stirnpartie nicht geschützt.
- Wenn die seitlichen Bänder richtig eingestellt sind, umrahmen sie das Ohr in Form eines Y. Der Helm darf nicht rutschen, deshalb den Kinnriemen so anziehen, dass noch knapp ein Finger unter dem Riemen Platz hat.
- Wenn der Helm einen Schlag erhalten hat, sollte er ausgewechselt werden. Auch wenn von aussen nichts zu sehen ist, kann seine Innenschale beschädigt worden sein, sodass die Stossdämpfung nicht mehr genügend gross ist.
- Es empfiehlt sich, einen häufig benützten Helm nach fünf Jahren zu ersetzen, auch wenn er keinen sichtbaren Schaden aufweist. Das Material unterliegt einer natürlichen Alterung durch Licht, Temperatur und Feuchtigkeit. Aus diesem Grund keine «Ladenhüter» kaufen, die älter als ein Jahr sind. Angaben zum Herstelldatum finden sich im Innern des Helms.
- Reinigen sollte man den Fahrradhelm nur mit Wasser und Seife. Lösungsmittel können den Kunststoff beschädigen.

11. Mai 2005 | Jeannette Büchel


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