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Artikel | saldo 9/2005

Parfüm-Stichprobe: Betörender Duft - bedenklicher Inhalt

Wer gut riecht, tut seiner Gesundheit nicht unbedingt einen Gefallen: In vielen Parfüms stecken bedenkliche Substanzen. Einige sind sogar illegal.

Greenpeace hat Markendüfte für Männer und Frauen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und auf bedenkliche Stoffe analysieren lassen. Gesucht wurden Phthalate und Moschus-Verbindungen. Das Ergebnis ist alarmierend: In allen Proben konnten Phthalate nachgewiesen werden. So auch zum Teil erhebliche Mengen an DEHP, DBP und BBP - drei Stoffe, deren Einsatz in Kosmetika die EU seit April dieses Jahres untersagt.


Paco Rabanne XS: Enthält drei verbotene Substanzen

Am meisten DEHP und DBP enthielt Poison von Christian Dior, gefolgt von Calvin Kleins Eternity for Women. Theoretisch müsste sich das im nächsten Jahr in der Schweiz ändern: «Ab 2006 sind diese Stoffe auch bei uns verboten», sagt Michel Donat vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Fragt sich bloss: Werden sich die Parfümproduzenten daran halten?

Greenpeace hegt Zweifel. Auf Anfrage der Umweltschützer war kein Hersteller bereit, Angaben über die Inhaltsstoffe seiner Parfüms zu machen. Fazit von Greenpeace: Kontrollen sind nötig, sonst weiss niemand, ob die Produzenten in Zukunft verbotene Substanzen einsetzen.

Dass es gewisse Hersteller mit den Gesetzen nicht so genau nehmen, lässt sich belegen. In einigen Düften wurden kleine Mengen der synthetischen Moschus-Verbindungen MM, MT oder MA gefunden. Am höchsten waren die Konzentrationen in Paco Rabanne XS. Alle drei Stoffe sind in der EU und der Schweiz in Kosmetika seit Jahren untersagt. «Hier gibt es kein Pardon für die Hersteller», sagt Donat. «Der Grenzwert liegt bei null. Diese Produkte müssen vom Markt genommen werden.»

Genau das will auch Matthias Wüthrich, Chemie-Experte von Greenpeace Schweiz: «Wir verlangen von den zuständigen Behörden, dass sie den Verkauf von Parfüms mit illegalen Substanzen stoppen.» Vollziehen müssten das freilich die Kantone. Hans Rudolf Hunziker, Verbandspräsident der Kantonschemiker, wäre dazu bereit: «Wenn die Vorschriften nicht eingehalten werden, dann handeln wir.» Er und seine Kollegen haben Greenpeace etwas voraus: Sie dürfen Einsicht in die Liste der Inhaltsstoffe aller Parfüms verlangen. Zudem schliesst Hunziker nicht aus, dass die Kantone eigene Messungen vornehmen werden.


Produktedeklaration: Bezeichnung «Duftstoffe» genügt

Was Schweizer Käuferinnen und Käufer als wohlriechend bezeichnen, kann extrem unterschiedliche Mengen an problematischen Stoffen enthalten. Laut Marionnaud war das im letzten Jahr bestverkaufte Parfüm in der Deutschschweiz Le Mâle von Jean-Paul Gaultier. Es enthält nach White Musk von The Body Shop am meisten Moschus-Verbindungen und beträchtliche Mengen Phthalate. Auf Platz sechs der Marionnaud-Hitliste steht Chanel Chance. Die Konzentration an Moschus-Verbindungen ist bei diesem Produkt über 1800-mal geringer als bei Le Mâle. «Es ist ein Skandal, dass Konsumenten täglich durch die Verwendung von Parfüms Risikochemikalien aufnehmen», schreibt Greenpeace.

Kommt hinzu, dass die Konsumenten gar nicht informiert sind: In der Schweiz müssen die vielen wohlriechenden Substanzen bislang nur als «Duftstoffe» auf den Flacons deklariert werden. So weiss keiner genau, was er sich auf die Haut reibt. «Auch das wird sich im nächsten Jahr ändern», versichert Michel Donat vom BAG. 26 allergene Duftstoffe müssen dann einzeln deklariert werden.

Parfüm-Report: http://marktcheck. greenpeace.at/1966.html



Gefährliche Chemikalien

Phthalate: Kommen in zahlreichen Kosmetika und Körperpflegemitteln vor. In Parfüms werden sie als Trägersubstanzen für Duftstoffe verwendet oder sorgen dafür, dass der Alkohol untrinkbar wird. Als besonders gesundheitsgefährdend gelten die Phthalate DBP, BBP, und DEHP. Sie beeinträchtigen die Fortpflanzung und können das ungeborene Kind schädigen.

Der Verkauf von Kosmetika mit diesen Inhaltsstoffen wird in der Schweiz ab 2006 untersagt. In der EU gilt das Verbot schon jetzt. Erlaubt, aber nicht unbedenklich, ist der Einsatz des Phthalats DEP. Studien weisen darauf hin, dass dessen Abbauprodukt die Spermien schädigt.
Synthetische oder künstliche Moschus-Verbindungen: Die wohlriechenden Substanzen kommen in Waschmitteln, Raumsprays oder in Parfüms vor. Die Duftmittelindustrie verwendet sie anstelle des teuren natürlichen Moschus. Synthetische Moschus-Düfte können die Leber schädigen. Moschus Mosken (MM), Moschus Tibeten (MT) und Moschus-Ambrette (MA) stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Die Schweiz und die EU haben ihren Einsatz in Kosmetika seit mindestens fünf Jahren untersagt. Zulässig ist der Einsatz von MX und MK. Dies, obwohl sie mit dem Auftreten bestimmter Geschlechtskrankheiten bei Frauen in Verbindung gebracht werden.

11. Mai 2005 | Franco Tonozzi


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