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Hersteller und Anbieter von Lebensmitteln machen es den Kunden nicht leicht: Die Angaben auf Importprodukten sind oft kaum verständlich.
Weil viele Packungsaufschriften winzig sind, läuft beim Einkaufen nichts ohne Lupe (saldo 8/05). Doch auch Fantasie ist gefragt. Ob gebratene Paprika im Glas aus Bulgarien «ohne Konservans» oder indische Apéro-Chips aus «Linsesen»: Was die Hersteller den Konsumenten mitteilen wollen, lässt sich häufig nur erahnen. «Seit exotische Produkte so beliebt sind, nehmen fehlerhaft übersetzte Packungsaufschriften zu. Zum Teil sind es abenteuerliche Begriffe», stellt der Berner Kantonschemiker Urs Müller fest.
Besonders fehlerhaft: Ware aus Frankreich und Italien
Das Problem beschränkt sich aber keineswegs auf türkische, thailändische oder mexikanische Spezialitätenläden. Produkte mit haarsträubenden deutschen Übersetzungen finden sich auch in Warenhäusern, Supermärkten und bei Grossverteilern, wie ein saldo-Warenkorb von knapp 50 Produkten zeigt.
Bei den exotischen Lebensmitteln betrifft dies besonders die gehobenen Warenhäuser Globus und Jelmoli, die eine breite Palette an ausländischen Spezialitäten im Sortiment haben - von den japanischen Nudeln («Mit hciBer Bouillon übergieBen») bis zu chinesischer Marinade für Spare Ribs («Am besten vor: Sehen Sie verschlossene Seite für Datum»). In der Billigkette Spar sind es vor allem Produkte aus dem Balkan wie «scharf Pfeferon», die zum Stirnrunzeln Anlass geben.
Die Hitliste der fehlerhaft übersetzten Packungsaufschriften führt jedoch Importware aus Frankreich und Italien an. Entsprechende Produkte verkaufen Carrefour, Denner, Pick Pay, Coop und Migros genauso wie Globus, Jelmoli und Spar.
Ein paar Muster: Frische Fettuccine von Denner («Packung nicht lochen»), Tropicana-Säfte von Coop («nicht von Konzentrat, keine Zusätze an Wasser oder Zucker» und «Provitamin A dient dem Unterhalt der Hautoberfläche»), Rouille-Sauce zu Fischsuppe von Jelmoli (enthält «Fumet von Fisch») oder Croutons von Globus («Spuren von Arachid»).
Besonders schlecht schneidet in der saldo-Stichprobe Carrefour ab, wo auch auf vielen speziell für die Supermarktkette hergestellten Produkten Deutschfehler zu finden sind. Die Aufbewahrungshinweise für Champignons aus der Büchse etwa heissen «Bewaartips».
Kantonslabors verlangen Korrektur unklarer Begriffe
Teilweise animieren die Blüten, die der Kampf mit der deutschen Sprache hervorbringt, zwar zum Schmunzeln. Trotzdem findet es Kantonschemiker Müller ärgerlich, dass viele Anbieter beim Übersetzen schlampen: «Bei kleinen exotischen Läden kann man noch ein Auge zudrücken. Aber von einer Ladenkette erwarte ich eine korrekte Übersetzung.»
Bei Wörtern wie «Arachid» oder «Bewaartips» hört der Spass für Müller endgültig auf: «Wenn eine deutsche Packungsaufschrift zusätzlich zur korrekten französischen Bezeichnung unverständliche Begriffe enthält, machen wir die Herstellerfirma darauf aufmerksam und verlangen eine korrekte Übersetzung ab der nächsten Neuauflage der Verpackung.»
Nach der Stichprobe von saldo wollen die Anbieter jetzt handeln. So kündigt Spar einen «Lieferantenwechsel sowie eine Anpassung der Produkte» an. Jelmoli verspricht, dass die Rouille-Sauce zu Fischsuppe «nach Verkauf des noch vorhandenen Bestandes aus dem Sortiment genommen» wird. Und Globus will «die von saldo gefundenen sprachlichen Mängel berichtigen».
Coop gibt zu, dass Fehler manchmal auch bewusst in Kauf genommen werden: «Es liegt im Ermessen des Einkäufers, ob er ein Produkt trotz unkorrekter Schreibweise im Sortiment verantworten kann oder nicht.» Die Verpackung des Tropicana-Fruchtsafts - ausgerechnet einer der meistverkauften Frischfruchtsäfte auf dem europäischen Markt - soll aber neu gestaltet werden.
Carrefour: Künftig Nachkontrolle der Übersetzungen
Carrefour argumentiert, die hauseigenen Produkte seien bis vor kurzem in der Schweiz nicht kontrolliert, sondern direkt in Frankreich übersetzt worden: «Neu werden die Übersetzungen vor der Drucklegung bei uns nochmals korrigiert.»
11. Mai 2005 | Claudine Gaibrois
