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Bei über der Hälfte der Jugendlichen ist das Gehör geschädigt. Das zeigt eine Untersuchung aus Deutschland. Die Ursache: Zu lange zu laute Musik - auch aus dem Ohrhörer.
Das Gesundheitsministerium Bayern schlägt Alarm: Eine Untersuchung zeigt, dass nur noch 40 Prozent der Jugendlichen ein normales Gehör haben. Bei jedem Vierten ist das Hörvermögen bereits bleibend geschädigt.
Und wie steht es um das Gehör der jungen Schweizer? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann dazu nichts sagen. Die Suva weiss auch nicht viel mehr. Beat Hohmann vom grössten Unfallversicherer der Schweiz: «Wir haben zwei Untersuchungen an Berufsschulen durchgeführt. Eine zeigt ähnliche Zahlen wie in Bayern.» Diese Untersuchungen seien aber zu punktuell, um generelle Aussagen machen zu können.
Audiogramme: Vorhandene Daten nicht ausgewertet
Der Spezialist Peter Ott von der Universitätspoliklinik Zürich geht aufgrund seiner Feststellungen als Arzt davon aus, dass die Zahl der Jugendlichen mit einem Gehörschaden zugenommen hat. Für die Schweiz ständen zuverlässige Daten zur Verfügung, die einen guten Einblick in das Hörvermögen der Schweizer Jugendlichen bieten würden - zumindest in jenes der männlichen Personen. Denn anlässlich der Aushebung zur Rekrutenschule wird auch ein Audiogramm erstellt. Das BAG gibt zu, dass die Daten tatsächlich existieren. Eine Auswertung aber sei aufgrund der beschränkten Ressourcen nicht möglich.
Suva: 93 Dezibel 10 Stunden pro Woche sind die Grenze
Über die Ursache für das schwindende Hörvermögen sind sich Experten grösstenteils einig: Zu langer und zu lauter Musikkonsum. Dazu gehören Konzerte und Discobesuche genauso wie das Gedröhne aus den Ohrhörern von CD-Playern, iPods- und MP3-Abspielgeräten.
Die Suva gibt klare Richtlinien vor, wie lange man wie laute Musik hören darf: «Musik mit 93 Dezibel kann den Ohren während 10 Stunden pro Woche zugemutet werden.» Eine nur um 3 Dezibel höhere Lautstärke reduziert diese Dauer um die Hälfte.
Eine Wochendosis, die von den Jugendlichen heute locker überschritten wird. So zeigt eine Untersuchung des deutschen Bundesgesundheitsamtes an fast 10 000 Schülern, dass 16-Jährige pro Tag über 2,5 Stunden Musik hören. Für den deutschen Ohrenarzt Peter Hinterkausen liegt die Ursache dafür auch bei den heutigen Musikabspielgeräten: «Der hohe Tragkomfort von Gerät und Ohrhörer führt dazu, dass Jugendliche noch länger Musik hören.»
Einhaltung des Grenzwerts nicht überall kontrolliert
Leise Kritik übt Hinterkausen auch am Grenzwert, den das BAG in der seit 1996 geltenden Schallverordnung eingeführt hat. Die Verordnung sieht vor, dass der Schallpegel an Konzerten und in Discotheken 93 Dezibel nicht überschreiten darf. Hinterkausen: «Dieser Grenzwert kann bei der Dauer eines Konzertes bei einigen Besuchern sehr wohl Schäden verursachen. Aber zumindest hat die Schweiz einen Grenzwert eingeführt - Deutschland nicht.»
Allerdings lässt die Verordnung Ausnahmen zu - unter der Voraussetzung, dass die Besucher informiert werden und einen Ohrschutz erhalten. Der Vollzug lässt in einigen Kantonen zu wünschen übrig, wie sowohl BAG wie auch Suva bestätigen. Besonders problematisch: Die Verordnung ist auf den Schall aus iPod und MP3-Player nicht anwendbar.
Hörer knacken die Begrenzung der Lautstärke
Allerdings wollen wohl viele junge Musikfreaks gar nicht geschützt sein. Die europäischen iPods sind nämlich auf 100 Dezibel genormt - und bereits diskutieren die Liebhaber lauter Musik, wie sie diese Begrenzung umgehen können. Das Internet bietet auch bereits die Lösung: eine Software, die diese Grenze umgeht.
Lärmaufklärung im Internet: www.earaction.de, www.suva.ch
11. Mai 2005 | Silvia Baumgartner
