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Artikel | saldo 7/2005

Den Festnetzkunden wird der Tarif nicht klar durchgegeben

Auf die deklarierten Tarife ist im Schweizer Festnetz kein Verlass. Aufgrund unvorteilhafter Abrechungsmethoden sind vor allem kurze Gespräche weit teurer als angegeben.

Die von den Anbietern publizierten Minutentarife im Schweizer Festnetz reichen von 3 bis 8 Rappen tagsüber. Doch manch einer dürfte sich beim genaueren Betrachten der Rechnung schon gewundert haben: Insbesondere kurze Gespräche sind meist deutlich teurer. Das liegt vor allem an der nur schwer durchschaubaren Preispolitik der Anbieter: Bei keinem kostet die erste Gesprächsminute tatsächlich so viel, wie der Minutentarif vermuten lässt. Das zeigt auch eine saldo-Stichprobe (siehe Tabelle).


Verbindungsgebühr zum Teil höher als der Minutentarif

Verantwortlich für die Preisabweichungen ist in den meisten Fällen der Tarif für den Verbindungsaufbau - eine Grundgebühr, die bei jedem Gespräch verrechnet wird.
Sie wird auch dann fällig, wenn das Gespräch nur ein paar Sekunden dauert. Beispiel Cablecom: Ein 30 Sekunden dauerndes Gespräch würde eigentlich nur 1,5 Rappen kosten. Wegen der hohen Gebühr von 8 Rappen für den Verbindungsaufbau kommt der Anruf jedoch auf 9,5 Rappen zu stehen und ist damit mehr als sechsmal so teuer.

Doch auch die tieferen Startgebühren von 3 bis 3,5 Rappen, die Globalzone, Econophone, Tele 2 und Sunrise verrechnen, können ein Gespräch massiv verteuern: Während der Niedertarifzeit kostet der Verbindungsaufbau in vielen Fällen mehr als der eigentliche Minutentarif. Nur Cablecom verzichtet abends und am Wochenende auf die Startgebühr.


10-Rappen-Takt: Geht vor allem bei kurzen Anrufen ins Geld

Eine andere Methode, die den Kunden Mehrkosten bringt, ist die Abrechnung im 10-Rappen-Takt, wie sie Swisscom, N-Tel und Télésonique kennen: Die Kosten für das Gespräch werden jeweils auf die nächsten 10 Rappen aufgerundet. Dies ist besonders ärgerlich, wenn der Kunde nur kurz auf einen Anrufbeantworter spricht.

Bei Swisscom etwa kostet deshalb ein Gespräch von einer Minute zur Niedertarifzeit statt 4 plötzlich 10 Rappen - dauert das Gespräch 3 Minuten, wird von 12 auf 20 Rappen aufgerundet. Tiefe Minutenpreise nützen für kurze Gespräche rein gar nichts, wenn sie aufgerundet werden.

Als weitere Abrechnungsmethode kommt der 10-Sekunden-Takt zur Anwendung: Econophone und Globalzone runden bei diesem System die Gesprächsdauer auf die nächsten 10 Sekunden auf. Für ein Gespräch von 52 Sekunden wird also effektiv eine Minute verrechnet.

Die Kunden werden hier weniger stark benachteiligt als beim 10-Rappen-Takt, doch die einfachste und fairste Verrechnung ist nach wie vor der Sekundentakt: Nur hier zahlt der Kunde genauso viel, wie das Gespräch effektiv gekostet hat. Cablecom, Tele 2 und Sunrise rechnen so ab - allerdings verlangen diese Anbieter eine Verbindungsaufbaugebühr.

Kaum sparen lässt sich derzeit bei der Grundgebühr fürs Abo: Sie beträgt generell Fr. 25.25 und muss stets an die Swisscom entrichtet werden. Nur der Kabelnetzbetreiber Cablecom verrechnet eine eigene Grundgebühr von 20 Franken.

Cablecom ist mit Digital Phone also über alles gesehen klar der günstigste Anbieter für Anrufe übers Schweizer Festnetz. Allerdings klagen Cablecom-Kunden häufig über mangelnden Support und lange Wartezeiten bei den Hotlines (siehe saldo 20/04).


Spezialangebote: Eignen sich meist nur für Vieltelefonierer

Das Ergebnis der saldo-Stichprobe: Kurze Gespräche kommen im Verhältnis deutlich teurer zu stehen als lange Telefonate. Telefoniert ein Kunde eine Stunde oder länger, fällt der Aufpreis von ein paar Rappen nicht mehr so stark ins Gewicht. Dauert das Gespräch nur ein paar Sekunden, kann es sich aufgrund der unvorteilhaften Abrechnungsmethoden um ein Vielfaches verteuern.

Umgehen lässt sich dies nur in Ausnahmefällen. Verschiedene Telekomunternehmen offerieren ihren Kunden Spezialangebote, bei denen abends und nachts gratis telefoniert werden kann. Doch Vorsicht, auch die Spezialangebote haben ihre Tücken. Oft wird eine Pauschale verrechnet, die so hoch ist, dass nur Vieltelefonierer profitieren. saldo hat die Spezialangebote unter die Lupe genommen und zeigt die versteckten Haken:

- Swisscom: Das Abo «Halbpreis National» kostet Fr. 9.80 pro Monat. Die Kunden können im Festnetz zwischen 19 und 7 Uhr sowie am Wochenende gratis telefonieren - die restliche Zeit wird zum halben Preis verrechnet. Allerdings gibt es pro Kunde monatlich nur maximal 300 Gratisanrufe, und der Rabatt wird nur bis zu einer Höhe von 100 Franken gewährt.
Fazit: Das Angebot lohnt sich erst ab monatlich 185 Gesprächsminuten zu Normaltarifzeiten.

- Sunrise: «Sunrise Select 60» ist ein kostenloses Angebot für Sunrise-Kunden: Sie können jeden Monat von 60 Gratisminuten profitieren, die keinen Einschränkungen unterliegen.
Fazit: Eine Anmeldung ist zu empfehlen.

Gegen eine Grundgebühr von 24 Franken können bei «Sunrise Select unlimited» maximal 600 Gratisgespräche innerhalb des Schweizer Festnetzes geführt werden. Gebühren für den Verbindungsaufbau fallen keine an.
Fazit: Das Angebot zahlt sich nur für Kunden aus, die pro Monat mindestens 348 Minuten zur Normaltarifzeit telefonieren.

- Tele 2: Die Kunden können sich ohne Kostenfolge für die Option «Moonlight» entscheiden - alle Gespräche zwischen 20 und 6 Uhr sind kostenlos. Der Nachteil: Zu den übrigen Zeiten sowie tagsüber am Wochenende wird zum Hochtarif abgerechnet.

Im Gegensatz dazu gilt bei der Option «Normaltarif» ab 17 Uhr sowie das ganze Wochenende der Niedertarif von 2,9 Rappen.
Fazit: «Moonlight» lohnt sich vor allem für Kunden, die tagsüber ohnehin kaum zu Hause sind und abends Telefongespräche führen.

Das Abo «Half Price National» wird seinem Namen nicht gerecht: Die Minutenpreise sind zwar billiger, werden aber nicht halbiert. Statt 6,8 Rappen beim Normal- und 2,9 Rappen beim Niedertarif wird die Minute zu 4 respektive 2 Rappen verrechnet. Zudem fällt beim Aufbau der Verbindung eine höhere Gebühr an: 5 statt wie üblich 3,5 Rappen. Das Angebot kostet Fr. 4.90 pro Monat und die Rabattgrenze liegt bei 100 Franken.
Fazit: Dieses Paket rechnet sich nur für Kunden, die pro Monat mindestens 176 Minuten zum Normaltarif telefonieren.

- N-Tel: «N-Tel Night» heisst eine kostenlose Option, die für die Zeit zwischen 20 und 6 Uhr Gespräche zum Nulltarif ermöglicht. Wie bei Tele 2 wird dafür während der gesamten übrigen Zeit der Hochtarif von 7 Rappen verrechnet. Zudem fällt auch bei den Gratisgesprächen eine Gebühr für den Verbindungsaufbau von jeweils 3 Rappen an; die Gespräche sind auf 600 pro Monat limitiert.

Das Abo «N-Tel 26» offeriert 600 Gratisgespräche im Schweizer Festnetz gegen eine monatliche Grundgebühr von 26 Franken.
Fazit: Das Angebot macht sich bezahlt ab 372 Gesprächsminuten zum Normaltarif.

13. April 2005 | Mirjam Fonti


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