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Artikel | Haus & Garten 2/2005

Unter Plaudertaschen

Ein Chat macht nur Sinn, wenn er rege genutzt wird. Eine Stichprobe von SPEZIAL zeigt: Am meisten Gesprächspartner tummeln sich im Chatroom von Bluewin.

Eine Studie des deutschen Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt: In Deutschland pflegt jeder zweite Internetnutzer das Plaudern über die Tastatur. In der Schweiz dürften die Zahlen ähnlich hoch sein.
Doch nicht in jedem Chatraum finden sich genügend Gesprächspartner. So tummelten sich bei den SPEZIAL-Besuchen im Chat auf www.20min.ch je nach Uhrzeit nur zwischen 0 und 24 Personen.
Ganz anders bei www.bluewin.ch: Zu Spitzenzeiten plauderten beim grössten Schweizer Chat über 3500 Leute miteinander und selbst in den Morgenstunden waren es noch über 700. Ebenfalls viele Chatter verzeichnet der älteste Chat, www.swisstalk.ch. Hier waren bei jeder Stichprobe mindestens 100 Nutzer online.

Beim Kriterium Benutzerfreundlichkeit gab es dagegen für kein Angebot die Maximalnote. Entweder fehlte wie bei www. swissflirt.ch eine genaue Bedienungsanleitung oder die Registrierung war wie bei Swisstalk umständlich.

Am kompliziertesten war ausgerechnet der meistgenutzte Chat von Bluewin. Selbst geübte Chatter zeigten Schwierigkeiten, sich hier zurechtzufinden. Gut schnitten in diesem Kriterium die Angebote auf www.knuddels.ch und www.chat.ch ab.


Der Schutz der Chatter wird gross geschrieben

Erfreulich ist, dass fast alle untersuchten Chats viel für den Schutz der Nutzer tun. Beim «Schutz der Chatter» hat SPEZIAL bewertet, ob private Unterhaltungen geführt werden können, ob der Nutzer ungeliebte Mitchatter selber sperren kann, ob der Chat überwacht wird, ob Spielregeln gegeben sind und ob eine anonyme Mailadresse zur Verfügung gestellt wird.

Alle diese Kriterien erfüllt haben Swisstalk, Knuddels und 20 Minuten. Am schlechtesten abgeschnitten hat in diesem Punkt der Chat auf www.swissflirt.ch.

Swissflirt stellt nicht einmal die Möglichkeit, ein Profil zu erstellen, zur Verfügung, was alle andern Anbieter tun. Auf www. 20min.ch oder www.swissfriends. ch können dem Profil sogar Bilder hinzugefügt werden. Bei Swissfriends, Bluewin und Peperoni können nur Chatter mit kostenpflichtigem Abo ein Profil erstellen.

Über alles gesehen hat Swisstalk mit Abstand die besten Noten erhalten. Dort gibt es wenig zu bemängeln, ausser dass die Verbindung während des Plauderns ab und zu unterbrochen wird. Ebenfalls bewährt haben sich die etwas kleineren, aber feinen Chats auf www.knuddels.ch und www.chat.ch.


Auf Flirtplattformen sind Chats zweitrangig

Abgefallen sind Swissfriends und Swissflirt. Beide Chats führen auf den beiden als Flirtplattformen konzipierten Sites ein Stiefmütterchen-Dasein. Mark Waber von Swissflirt räumt ein, dass man sich lange nicht um den Chat gekümmert habe. Und Robert Palm von Swissfriends hält fest, dass sein Chat nur als Bonus für Mitglieder gedacht und daher kaum mit anderen öffentlichen Chats vergleichbar sei.



Die virtuelle Etikette - die Chatiquette

Wer chatten will, tut gut daran, sich an die Umgangsformen, die so genannte Chatiquette, zu halten. Dazu gehört, die Privatsphäre anderer zu respektieren: Niemanden drängen, persönliche Angaben zu machen. Ebenso empfiehlt sich ein zurückhaltender Umgang mit der eigenen Mailadresse oder Telefonnummer. Auf keinen Fall sollten persönliche Angaben im öffentlichen Chatbereich platziert werden.

Auf Schimpfwörter sollte man im Chat verzichten und insbesondere Gewalt- und Drogenverherrlichung, pornografische Darstellungen und rassistische Äusserungen werden in vielen Chats geahndet. Grossbuchstaben so spärlich wie möglich einsetzen - sie symbolisieren im Chat lautes Schreien.

Auf www.chatiquette.de finden sich eine ausführliche Beschreibung der Chatumgangsformen und auch eine Erklärung der wichtigsten Abkürzungen und Symbole wie *lol* (laughing out loud - laut lachen) oder afk (away from the keyboard - ich bin kurz weg).

23. März 2005 | Mirjam Fonti


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