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Das Internet bietet so viele Informationen wie kein anderes Medium. Für den Nutzer ist das nicht nur ein Vorteil. Denn mit dem Internet lässt sich auch ganz schön Zeit verplempern.
Während Tagen sucht Linda (13) im Internet nach Infos über Norwegen. Denn schon bald muss sie in der Schule einen Vortrag halten. Die Ausbeute ist eindrücklich. Linda findet alles, was sie für ihren Vortrag braucht. Und noch viel mehr - darunter viel Unnützes.
Was die Schülerin nicht bedacht hat: Im Bücherregal neben dem Computer steht ein Geografiebuch. Und darin wären alle wesentlichen Informationen enthalten. Im Nu hätte Linda alles für ihren Vortrag beisammengehabt und sich die vielen Stunden vor dem Computer sparen können. Nur für die aktuellen Zahlen zur Ölförderung hätte sie das Internet gebraucht.
So wie Linda geht es auch vielen Erwachsenen. Sie suchen und suchen und suchen und merken nicht, dass es einfachere und vor allem schnellere Wege gäbe. Dass sie sich mit dem Gefundenen auch mal zufrieden geben könnten. Oder, dass sie das Gesuchte nie finden werden.
Clifford Stoll, einer der ersten Internetkritiker, sagte es einmal so: «Wenn ich im Web etwas suche, ist es, als ob ich aus einem Feuerwehrschlauch trinken würde. Ich werde zwar nass, bleibe aber immer noch durstig.» Viele Internetuser wissen, wovon Stoll spricht. Sie haben Ähnliches erlebt - sei es auf der Suche nach einer schönen Ferienwohnung oder nach einer aussagekräftigen Filmkritik.
Erst nachträglich tauchten Fragen auf: Musste ich nun wirklich 200 Ferienwohnungen im Internet ansehen, bevor ich buchte? Musste ich tatsächlich 15 Filmkritiken lesen, bevor ich ins Kino ging? Vergeude ich mit all dem nicht unendlich viel Zeit, ohne es zu merken?
Und häufig bleibt es ja nicht bei den Filmkritiken. Auf den Seiten finden sich unzählige Links. Zur Homepage des Hauptdarstellers. Zu seinen früheren Filmen. Oder zu seiner neusten Parfümlinie.
Clifford Stoll hat festgestellt, dass sich viele Menschen gar nicht bewusst sind, welchen Aufwand sie bei ihren Recherchen treiben. Sie sehen, so Stoll, einzig die Kosten für Computer und Internetverbindung. «Doch der wirkliche Aufwand», sagt Stoll, «entsteht aus der Differenz zwischen eingesparter und zusätzlich aufgewendeter Zeit.» Und diesbezüglich dürfte das Internet nicht immer gut abschneiden.
Beispiele gefällig?
- Postleitzahlen: Sie lassen sich zwar unter www.postleitzahlen. ch finden. Doch wer im Telefonbuch nachschlägt, ist schneller.
- Ladenöffnungszeiten: Haben die Geschäfte samstags bis 16 oder bis 17 Uhr geöffnet? Bestimmt gibts die Lösung im Internet. Aber ein Telefonanruf führt schneller zum Ziel.
David Rosenthal, der mehrere Bücher zum Thema Internet publiziert hat, spricht nicht gerne von vergeudeter Zeit. «Wer surft, sieht viel, kann sich unterhalten und lernt auch einiges.»
Rosenthal vergleicht das Surfen mit dem Zappen vor dem TV: «Man kann dies als Zeitverschwendung ansehen. Für viele ist es aber Unterhaltung und Entspannung zugleich.»
Auch Christiane Pusch, Leiterin von Seminaren zur Internetnutzung, plädiert für einen differenzierten Umgang mit dem Medium: «Wir müssen lernen», sagt sie, «gute Internetseiten von schlechten zu unterscheiden. So wie wir gelernt haben, dass wir der Klatschpresse nicht alles glauben dürfen.»
Pusch empfiehlt daher: Immer kontrollieren, ob die gefundenen Informationen aktuell sind und woher sie stammen. «Infos über Migräne», sagt sie, «sind wahrscheinlich weniger glaubwürdig, wenn sie von einem Pharmakonzern stammen.» Wer wissen möchte, wer die Urheber bestimmter Internetsites sind, erhält Auskunft unter www.switch. ch sowie unter www.denic.de.
Wichtig ist laut Rosenthal, dass der Konsument immer jenes Medium nutzt, mit dem er sein Problem am besten lösen kann. Beispiel Bahnreisen: Wer von Pruntrut JU nach Pregassona TI reisen möchte, nutzt am besten den Onlinefahrplan der SBB. Für die Reise von Bern nach Thun tuts der Taschenfahrplan. Und wer wissen möchte, ob der Nachtbus die Haltestelle Zug-Schutzengel bedient, konsultiert das Kursbuch - oder stellt den Verkehrsbetrieben die Frage via E-Mail.
Suche vorbereiten
Wenn Sie verhindern wollen, dass Sie im Internet Zeit vergeuden, bereiten Sie sich am besten vor:
- Machen Sie sich vorgängig Gedanken darüber, was Sie genau suchen.
- Überlegen Sie, ob das Internet das richtige Medium ist.
- Wenn ja: Legen Sie sich eine Suchstrategie zurecht. Das heisst: Entscheiden Sie, ob Sie gleich bestimmte Sites aufsuchen oder ob Sie lieber Suchmaschinen, Webkataloge oder Foren nutzen.
- Schreiben Sie Adressen oder Suchbegriffe auf, die Ihnen vielversprechend scheinen. Sonst vergessen Sie womöglich, dass Sie gewisse Begriffe ja schon ausprobiert haben.
- Seien Sie präzise. Mit «Ferienwohnung» und «Schweiz» erzielen Sie viel zu viele Treffer.
- Setzen Sie sich eine Zeitlimite.
- Verwenden Sie allenfalls einen Wecker. Dieser wird Sie notfalls an die Zeitlimite erinnern.
Jetzt gehts los
Nun kann die eigentliche Suche beginnen:
- Streichen Sie die verwendeten Adressen oder Suchbegriffe jeweils durch.
- Verbieten Sie sich, Links anzuklicken, welche mit Ihrer Suche nichts zu tun haben - insbesondere Werbebanner.
- Teilen Sie, falls Sie der Versuchung trotz allem nicht widerstehen können, die Links Ihren Favoriten zu. So können Sie diese später anschauen.
- Verfolgen Sie nur Fährten, die erfolgversprechend aussehen.
- Meiden Sie Sites, die einen veralteten Eindruck machen.
- Schreiben Sie gegebenenfalls Telefonnummern auf. Vielleicht kommen Sie damit eher ans Ziel.
- Geben Sie sich auch mal zufrieden. Denken Sie nicht ständig, dass Sie vielleicht noch eine bessere Site finden könnten.
- Falls die Zeit abgelaufen ist, ohne dass Sie zum Ziel gekommen sind: Informieren Sie sich bei Freunden über erfolgversprechende Sites.
23. März 2005 | Marco Diener
