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Etliche Hilfswerke buhlen auf Strassen und Plätzen mit aggressiven Methoden um Spender. Neuerdings mit dem Segen der Zewo und der Stadt Zürich.
Die Pro Infirmis verstösst beim Spendensammeln gegen die Richtlinien der Zewo», hatte der K-Tipp vor bald vier Jahren geschrieben. Damals drängten bezahlte Spendensammler die Passanten dazu, ein Formular für ein Lastschriftverfahren (LSV) zu unterschreiben. Wer unterschreibt, ermächtigt die Spendenorganisation, periodisch von seinem Konto einen bestimmten Betrag abzuheben.
Die Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (Zewo) wacht über die Seriosität von Hilfswerken. Sie verbot ihren Mitgliedern diese Sammelmethode - mit gutem Grund: Spendensammler erhalten nämlich für jeden erfolgreichen LSV-Abschluss eine Provision. Im Schnitt 1000 Franken pro Monat. Entsprechend aggressiv gehen sie ans Werk.
Doch die Zewo liess ihre Organisationen trotzdem gewähren. Und neuerdings lässt sie die umstrittene Sammelmethode sogar ausdrücklich zu. Sie sei «international üblich», begründet Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer diesen Rückzieher.
«Sammelmethode ist zu aggressiv»
Seit Februar erlaubt es auch die Stadt Zürich den Spendensammlern, LSV-Formulare auf öffentlichem Grund unterschreiben zu lassen. «Das Verbot war nicht mehr zeitgemäss», begründet Polizeisprecherin Judith Hödl.
Und Gerhard Friesacher, Geschäftsführer der Firma Corris, die im Auftrag vieler Spendenorganisationen Geld sammelt, sagt: «Reklamationen gibt es nur in Einzelfällen.»
Dennoch verzichten viele Spendenorganisationen darauf, Passanten um LSV-Unterschriften zu bitten. «Zu aggressiv», schreibt die Aids-Hilfe Schweiz, «wir wollen niemanden zu unüberlegten Handlungen drängen.» Die Krebsliga will es bei «sympathischen Aktionen belassen». Der Blindenverband hat festgestellt, dass «die Bevölkerung gegenüber LSV nach wie vor skeptisch ist».
Ähnliches lässt Pro Juventute verlauten: «Diese Sammelmethode überfordert die Spender.» «Unsere Spenderinnen würden sich bedrängt fühlen», findet die Pro Senectute. Und auch der Stiftung Cerebral ist die Sammelmethode «zu aggressiv».
Anders tönts bei Amnesty International, Gehörlosenbund, Helvetas, Pro Infirmis, Swissaid, Terre des Hommes Schweiz und WWF. Sie betonen, wer ein LSV unterschreibe, sei ein treuer Spender. Das senke die Sammelkosten und die Einnahmen liessen sich leichter budgetieren.
Für Leute, die sich dazu haben drängen lassen, ein LSV-Formular zu unterschreiben, gibt es immerhin einen Trost: Die Unterschrift lässt sich jederzeit widerrufen.
23. März 2005 | Marco Diener - mdiener@ktipp.ch
