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Artikel | K-Tipp 6/2005

Guten Gewissens grillieren

Für die Produktion von Holzkohle werden oft ganze Wälder zerstört. Wer den Grill nicht mit ökologisch bedenklichem Material einfeuern will, setzt auf FSC-zertifizierte Holzkohle.

Grillieren ist ein Volkssport: Rund 10 000 Tonnen Holzkohle verbrennen die Schweizer pro Jahr auf Gartengrills - das entspricht der Holzmenge von 50 000 Bäumen. Diese haben alle einmal in einem Wald im Ausland gestanden: Holzkohle ist Importware, denn das Verwandeln von Holz in Kohle wird in der Schweiz höchstens noch als Folklore gepflegt.

Wer das Brennmaterial für seinen Grill achtlos kauft, kann deshalb dazu beitragen, dass Wälder kahl geschlagen werden. Denn 8 Prozent der importierten Holzprodukte - dazu gehört auch Grillkohle - stammen von illegal gefällten Bäumen. Das zeigt eine WWF-Studie.


Illegaler Holzschlag: Verheerende Folgen

Der Frevel am Wald - ob in Osteuropa, Afrika, Asien oder Südamerika - hat verheerende Folgen für Mensch und Natur: Kahlschläge führen zu Erdrutschen und Überschwemmungen. Ausserdem entziehen sie der lokalen Bevölkerung und zahlreichen Tierarten die Lebensgrundlage. «An den Folgen des illegalen Holzschlags sterben jährlich Tausende Menschen», hält die Studie fest.

Der WWF appelliert deshalb an die Konsumenten, Produkte zu meiden, die möglicherweise aus illegal gewonnenem Holz hergestellt sind: «Die beste Wahl ist Holz mit dem FSC-Label.» So könne man sichergehen, dass das Holz mit Rücksicht auf Mensch und Natur gewonnen wurde (siehe «Holz-Einkaufsführer»).

FSC-zertifizierte Ware gibt es auch für Grillfreunde. Erfreulich: Holzkohle mit dem Gütesiegel ist auf dem Vormarsch. «Migros und Coop, zum Beispiel, setzen nur noch auf Holzkohle mit dem FSC-Zertifikat», sagt Dieter Müller vom WWF. «Zusammen verkaufen sie rund die Hälfte der gesamtschweizerischen Vertriebsmenge.» Auch bei Jumbo ist mittlerweile nur noch Holzkohle mit diesem Label erhältlich.


Umweltverträglich, aber teurer

Hornbach verkauft sowohl zertifizierte wie auch gewöhnliche Holzkohle. Bei Denner, Obi, Carrefour und Landi ist hingegen keine FSC-Kohle zu haben. Landi verteidigt sich mit dem Argument, das Holz stamme aus kontrolliert genutzten Staatswäldern in Rumänien; Denner setzt auf ein anderes Label: «Die Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet, zertifiziert nach Pan European Forest Certification», so Eva-Maria Bauder von Denner.

Dieter Müller vom WWF hält wenig vom PEFC-Label: «Die Holzindustrie hat es sich selber verliehen.» Das Zertifikat sei deshalb kein glaubwürdiger Nachweis, dass das Holz ohne Raubbau gewonnen wurde. Dasselbe gelte für das Landi-Produkt. «Das FSC-Gütesiegel steht für das derzeit einzige internationale Zertifizierungssystem, das eine umweltverträgliche und sozial verantwortliche Nutzung der Wälder garantiert», sagt Müller.

Der Nachteil: FSC-Holzkohle ist mit einem Preis von fast 13 Franken pro 10 Kilo gut 40 Prozent teurer als etwa die gewöhnliche Kohle bei Hornbach (Fr. 8.90 für 10 Kilo). Das ergab eine Stichprobe des K-Tipp. Dazu Müller: «Die FSC-Kriterien zu erfüllen ist mit Zusatzkosten verbunden: Leute ausbilden, sie anständig bezahlen und ausgewählte Bäume fällen ist aufwändiger als Wälder kahl schlagen.»



Anzündhilfen mit Zertifikat

Auch nach dem Kauf der Holzkohle gilt es einiges zu beachten, damit der Grillspass für Mensch und Umwelt verträglich verläuft.

- Unfälle vermeiden: Hände weg von Flüssigbrennstoffen wie Petrol, Sprit und Benzin, es besteht akute Explosionsgefahr. Spezielle Anzündhilfen oder Holzwolle verwenden - auch diese gibt es mit FSC-Zertifikat.
- Aus gesundheitlichen Gründen Grillgut erst auf den Rost legen, wenn die Holzkohle nicht mehr flammt und keinen Rauch mehr entwickelt. Grillgut in eine spezielle Schale oder auf eine dünne Schiefer- oder Specksteinplatte legen, damit weder Fett noch Saft in die Glut tropfen. Kein gepökeltes Fleisch grillieren und Verbranntes konsequent wegschneiden.
- Nach dem Grillieren die Asche in einem geschlossenen feuerfesten Behälter vollständig ausglühen lassen.
- Asche nur in geringen Mengen als Gartendünger verwenden - pro Jahr 3 Liter Asche pro 10 Quadratmeter Boden. Eine intensivere Düngung belastet die Gewässer.

23. März 2005 | Bennie Koprio - bkoprio@ktipp.ch


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