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Artikel | saldo 5/2005

Ohne schlechtes Gewissen zum neuen Parkettboden

Tropenhölzer sind gefragt - doch die radikale Rodung bedroht vielerorts Mensch und Tier. Dass es auch anders geht, zeigt das FSC- Label, das eine schonende Waldnutzung garantiert.

Holzböden verleihen einer Wohnung einen einzigartigen Charakter: Holz lebt, nimmt die Spuren der Zeit auf, verändert sich und entwickelt eine eigene Patina. In den letzten Jahren erlebte Parkettboden einen Aufschwung; jährlich werden in der Schweiz zwischen 3,8 und 4,1 Millionen Quadratmeter Parkett verlegt. Doch der Boom hat auch eine Kehrseite, denn weltweit werden Jahr für Jahr Waldflächen zerstört, die fast viermal so gross sind wie die Schweiz.
Für Parkett werden am häufigsten Eiche und Buche verwendet. Branchenkenner schätzen allerdings, dass rund 3 bis 5 Prozent von Tropenhölzern stammen. Verschiedene Baumarten wie Wenge, Doussié und Merbau stehen mittlerweile auf der roten Liste der gefährdeten Arten. «Der überwiegende Teil dieser Hölzer stammt aus Afrika, Asien oder Südamerika und wird durch Raubbau gewonnen», sagt Dieter Müller vom WWF.


Boom: Dunkle, harte Tropenhölzer sind wieder sehr gefragt

Der rücksichtslose Holzschlag zerstört den Lebensraum bedrohter Tierarten wie Gorillas oder Orang-Utans. Auch die Ureinwohner der betroffenen Gebiete leiden. Mit dem Roden der Wälder verlieren sie ihre Lebensgrundlage - Alkoholismus und Prostitution sind oft die Folge. Durch das illegale Abholzen werden die betroffenen Länder zusätzlich um die dringend benötigten Einnahmen aus Steuern und Zöllen betrogen.

Mit Sorge beobachten Umweltschützer einen neuen Trend: Architekten und Bauherren verlangen nicht länger helle Hölzer, sondern setzen vermehrt auf dunkle, unverfälschte Produkte. Den gewünschten Kriterien - hohe Härte und Belastbarkeit - entsprechen Tropenhölzer oft in idealer Weise. «Doch die meisten der dunklen Tropenhölzer stammen aus fragwürdigen Quellen», kritisiert Dieter Müller. Nur wenige Arten wie Jatoba oder Teak würden aus nachhaltiger Waldnutzung mit dem FSC-Siegel angeboten.

Um den Konsumentinnen und Konsumenten den Überblick zu erleichtern, hat der WWF einen Einkaufsführer erarbeitet, in dem die gängigsten Hölzer in drei Kategorien unterteilt werden. Eine Farbskala, die von Grün über Gelb bis Rot reicht, zeigt, welche Hölzer mit gutem Gewissen verwendet werden können und welche mit hoher Wahrscheinlichkeit illegal gefällt wurden.


Baumesse: Fast nur Tropenholz ohne Zertifikat im Angebot

«Dieser Einkaufsführer ist nötig, weil sich die Hersteller und Händler häufig um eine klare Auskunft drücken», erklärt Müller. Das zeigte auch ein Besuch des WWF bei 17 Parkettanbietern an der Basler Baumesse im letzten Januar: Bis auf eine Ausnahme boten alle Firmen Tropenholz ohne Zertifikat an. Vertreter von sieben Unternehmen behaupteten im Beratungsgespräch, ihr Tropenholz sei «unproblematisch» und «nachhaltig» oder sie hätten vertrauenswürdige Lieferanten; den Nachweis blieben sie allerdings schuldig.

Obwohl inzwischen mehrere Schweizer Firmen FSC-Parkett führen, «sind höchstens 10 Prozent des Tropenholzes für den hiesigen Markt mit diesem Label ausgezeichnet», schätzt Ralf Ponzetto von der Firma Holzpunkt. Das Unternehmen aus Wila ZH, das ausschliesslich Tropenholz mit FSC-Zertifikat anbietet, setzt auf eine andere Strategie, um die Nachfrage nach dunklem Parkett zu befriedigen. Ponzetto: «Als Alternative zu den problematischen Doussié- und Merbau-Hölzern bieten wir rücksichtsvoll genutzte Holzarten an - wie Jatoba oder Sucupira aus Brasilien.»

Der grösste Parketthersteller der Schweiz, die Firma Bauwerk aus St. Margrethen SG, hat bislang erst ein FSC-Tropenholz im Sortiment. «Von bestimmten Baumarten aus Afrika sind gar keine entsprechenden Hölzer auf dem Markt», sagt Manfred Mayer, stellvertretender Direktor des Unternehmens. «Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir eine grosse Auswahl anbieten. Dazu gehören auch exotische Hölzer.» Bauwerk deklariere aber freiwillig deren Herkunft - womit der Ball wieder bei den Konsumenten liegt.

Der Entscheid für ein Holz aus nachhaltiger und sozial verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung muss nicht zwangsläufig teurer sein: FSC-Produkte aus europäischen Wäldern kosten fast gleich viel oder sind maximal 3 Prozent teurer. Nur bei exotischen Hölzern beträgt der Preisaufschlag bis zu 20 Prozent.


Behandelte Eiche: Umweltfreundliche Alternative

Eine praktische und vergleichsweise kostengünstige Lösung stellt Parkett aus bearbeiteter europäischer Eiche dar. So lässt sich aus Räuchereiche ein beinahe schwarzes Parkett fertigen. Daneben bieten einige Hersteller Eichenholz an, das mit Ölen behandelt wurde: Das Resultat sind dunkle Töne, die den exotischen Hölzern in ihrer Wirkung sehr nahe kommen.



FSC: Nachhaltige Nutzung

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council (FSC) hat Kriterien für eine umwelt- und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung aufgestellt, nach denen sich Forstbetriebe zertifizieren lassen können. Die Firmen werden jährlich von unabhängigen Stellen geprüft.

Auch Holz verarbeitende Firmen können das Zertifikat erhalten. Sie müssen aber sicherstellen, dass sich die Herkunft ihrer Produkte zurückverfolgen lässt. Bei einem Mischprodukt wie Parkett gilt: Mindestens 70 Prozent des Holzes kommt aus FSC-Wäldern - der Rest muss aus unbedenklicher Quelle stammen.




Holzschlag bedroht Tiger

Die Zerstörung der Tropenwälder in Südostasien, in Südamerika und in Westafrika gefährdet eine einzigartige Flora und Fauna. Auch in den Wäldern von Osteuropa bis Vorderasien hat der illegale Holzschlag katastrophale Folgen.
Mit dem Raubbau an intakten Wäldern mit Tannen-, Birken- oder Lärchenbeständen verschwindet nach und nach der Lebensraum des seltenen Amur-Tigers. Auch Bären, Luchsen und Leoparden droht der Verlust ihrer Lebensräume.

Der WWF schätzt, dass etwa ein Drittel der Bäume aus der Region Osteuropa bis Vorderasien aus illegalen oder verdächtigen Quellen stammt. Fichten-, Tannen-, Birken- oder Lärchenholz, aber auch wilder Kirsch- und Nussbaum sollten aus Westeuropa kommen oder besser noch mit dem FSC-Zertifikat versehen sein.

Laut den WWF-Verantwortlichen gibt es neben dem FSC kein gleichwertiges Label, auch wenn verschiedene Unternehmen mit speziellen Siegeln den Eindruck einer nachhaltigen Waldnutzung erwecken wollen.

16. März 2005 | Sigrid Cariola


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