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Artikel | saldo 2/2005

Mit Mammutbaum-Creme die Kunden getäuscht

Gewisse Drogisten preisen ihrer Kundschaft eine Creme an, die bei schweren Krankheiten wahre Wunder wirken soll - ein klarer Verstoss gegen das Gesetz.

Frau V. K. in Zürich hat Wundersames erlebt» - das behauptet jedenfalls die Basler Hildegard-Drogerie in einem Werbeprospekt. Die Patientin leide seit 30 Jahren unter einer Versteifung der Wirbelsäule und könne kaum noch sitzen. Doch eines Tages habe sie gefühlt, wie sie sich langsam wieder aufrichten könne - und auch psychisch sei es ihr wieder viel besser gegangen.


Heilversprechen: Von Elektrosmog bis Parkinson

Diese Heilung soll nicht irgendein Handaufleger bewirkt haben, sondern eine Creme in kleiner blauer Dose. Laut Hildegard-Drogerie enthält das Produkt die Kraft und Vitalität des nordamerikanischen Mammutbaums und heilt damit alle erdenklichen Beschwerden. Mehr noch: Die Substanz schütze gegen äussere Einflüsse wie Elektrosmog sowie Umweltgifte, wirke gegen Allergien aller Art und helfe sogar bei Epilepsie und Parkinson.

Eine simple Creme, und schon ist Linderung für Krankheiten in Sicht, an denen sich selbst die Schulmedizin die Zähne ausbeisst? Für den Arzt Thomas Walser ist dies «absoluter Unsinn und gehört zu jenen leeren Heilversprechen, die meist bald wieder lautlos verschwinden».

Zudem verstösst die Basler Drogerie ganz klar gegen das Heilmittelgesetz. Mit der heilenden Wirkung eines Produkts zu werben, ist in der Schweiz nur bei offiziell anerkannten rezeptfrei erhältlichen Heilmitteln erlaubt - und das trifft für das angebliche Wundermittel nicht zu.

saldo liess die Creme im Labor des Kantonsapothekeramts in Bern untersuchen. Das Resultat: Sie enthält keine medizinisch wirksamen Substanzen.


Mammutbaum: Nicht als Heilpflanze bekannt

Fraglich bleibt, ob sich im Produkt Spuren des Mammutbaums befinden. Laborleiter Hans-Jörg Helmlin: «Sogenannte Leitsubstanzen, die typischerweise als Komponenten von ätherischen Ölen in Nadelhölzern zu finden sind, konnten wir nicht entdecken.» Ruedi Giger, Drogist in Escholzmatt LU, der die Creme ebenfalls im Sortiment hat, hält entgegen: «Bei hohen Potenzen homöopathischer Mittel ist kein Molekül der Pflanze mehr vorhanden.»


Verkauf der «Wundersalbe» läuft gut

Gleichwohl bleibt das Mittel obskur, denn der Mammutbaum ist unter Experten nicht als Heilpflanze bekannt. Für Hans-Jörg Helmlin ist deshalb klar: «Es handelt sich bei diesem Artikel um eine Handcreme, hauptsächlich bestehend aus Wasser, Vaseline und Lanolin, wie sie auch im Fachhandel erhältlich ist.» Zu einem stolzen Preis: Eine Dose mit 50 Milligramm kostet 69 Franken.

Mit der Mammutbaum-Salbe macht die Hildegard-Drogerie guten Umsatz. Geschäftsführer Werner Ness: «Wir verkaufen im Jahr mehrere hundert Stück.» Immerhin gibt er zu, dass die «Produktinformationen nicht seriös sind. Wir haben den Lieferanten bereits im letzten Dezember darauf aufmerksam gemacht.» Was er verschweigt: Zuoberst auf dem Beiblatt sind in grosser Schrift der Name und die Adresse seiner Drogerie aufgedruckt.

Auch andere Drogisten setzen auf die angebliche Heilkraft des Mammutbaums: Allein übers Internet machte saldo drei weitere Quellen ausfindig, die Mittel mit ähnlichen Heilversprechen verkaufen. Auch sie versichern, die Informationen zu ändern.

sb

02. Februar 2005


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