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Das TV hat die Wohnsorgen der Zuschauer entdeckt. Vor laufenden Kameras verwandeln Handwerker triste Buden in helle Zimmer - und ermöglichen intime Einblicke.
Bei Big Brother darf heimlicher Sex beobachtet, bei TV-Psychologin schmerzhaftem Seelenstriptease gelauscht und bei Fernseharzt Sämi Stutz Prominenten in diverse Körperöffnungen geschaut werden - warum also nicht bereits im Vorabend-Programm fremden Leuten schamlos in die Stube blicken?
Zum Beispiel in jene von Natalie und Dirk. Dort vertreibt die noch aus Dirks Junggesellenzeit stammende Wohnwand jegliche Gemütlichkeit, das schäbige Sofa ladet kaum zur Kuschelstunde ein und die unzähligen Plüschtiere, die sich wie Käfighühner auf schiefen Regalen drängen, verderben die Atmosphäre vollends. Kein Wunder, wünscht sich das Paar nichts sehnlicher als «endlich mal eine schöne Stube».
Den guten Geschmack in die Wohnung bringen soll RTL-Einrichtungsspezialistin Tine Wittler in der Sendung «Einsatz in vier Wänden». Nach einem ersten Kameraschwenk findet sie zwar, «Ausmisten würde auch schon viel helfen», doch dazu haben sich die Zuschauer nicht vor den TV gesetzt. Sie wollen sehen, mit welchen Tricks und neuen Möbeln Wittler und ihr Handwerker-Team Natalies und Dirks Traum in 40 TV-Minuten wahr werden lassen.
Deko-Soaps wie auf RTL sind zurzeit der Renner bei einigen Privatsendern. Von Montag bis Freitag flimmern sie zwischen 16 und 19 Uhr über die Bildschirme. Bei Pro 7 nennt sich die Deko-Soap «S.O.S Style & Home», bei Vox heisst sie ähnlich gefährlich «Style Attack». Lifestyle-Magazine am Weekend ergänzen die Serien.
Das Prinzip ist bei allen Sendungen dasselbe: Menschen mit akuten Wohnsorgen bewerben sich bei der zuständigen Redaktion. Wer ausgewählt wird, bekommt vor laufender Kamera kostenlos eine neue Einrichtung verpasst.
Bei RTL siehts danach meistens ein bisschen wie bei Ikea aus und wer vom bastelfreudigen Pro-7-Team heimgesucht wird, muss sich möglicherweise mit Bastmatten an den Wänden abfinden. Noch einen Schritt weiter geht Vox: Dort kriegen nicht nur Lotterbuden einen neuen Anstrich, sondern chronische T-Shirt-Träger ein buntes Hemd und falls nötig einen schrägen Haarschnitt verpasst. Ein echter Komplett-Service.
Die Botschaft, die alle Deko-Soaps ihrem Publikum mit jedem Hammerschlag einbläuen, heisst: «Wer zu wenig aus seiner Wohnung macht, macht zu wenig aus sich selbst!» Dank RTL haben Natalie und Dirk aus ihrer Wohnung etwas gemacht.
Jetzt müssen die beiden nur noch etwas aus sich selber machen. Aber auch das ist heute kein Problem mehr und wir, die Zuschauer, werden wieder hautnah dabei sein. Auf Pro 7 können sie sich in der Sendung «The Swan, endlich schön» nämlich passend zur neuen Einrichtung das Fett absaugen und die Brüste richten lassen.
05. Januar 2005 | markus kellenberger
