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Artikel | Haus & Garten 1/2005

Damit sind Sie sauber raus

Weg mit den vielen Wunder- und Spezial-Putzmitteln: Eine einfache, günstige Grundausstattung genügt zum Saubermachen - und ist erst noch umweltschonender.

Katharina Zaugg ist Ethnologin, studierte Völkerkundlerin - und betreibt einen ökologischen Reinigungsdienst*. Ihre Erfahrung bringt sie zum Schluss: «Überquellende Putzschränke weisen auf Menschen hin, die ungern putzen.» Und nicht etwa umgekehrt. Zauggs Begründung: «Sie kaufen immer wieder das Neueste, und das soll ihnen das Putzen endlich abnehmen. Merken sie, dass es auch damit wieder nicht klappt, stellen sie das Mittel zu den anderen und probieren das nächste, noch speziellere, noch teurere.»

Das freut die Hersteller: Letztes Jahr haben Schweizerinnen und Schweizer gemäss dem Marktforschungsinstitut AC Nielsen für 114 Millionen Franken Putzmittel gekauft. 2002 waren es noch 106 Millionen Franken gewesen.
Die Grossverteiler räumen den Putzmitteln viel Platz in ihren Regalen ein: Sage und schreibe etwa 400 verschiedene Artikel fürs Saubermachen bieten die grössten Coop-Center an. Bereits in einer mittleren Migros-Filiale finden Putzwillige acht verschiedene WC-Reiniger im Angebot - nicht inbegriffen weitere acht Sorten von WC-Dufteinsätzen.

Doch auf die vielen Spezialmittelchen kann man getrost verzichten. Ein paar wenige Grundreinigungsmittel erfüllen den Zweck genauso gut. In den Putzschrank gehören laut Putzprofi Katharina Zaugg:
- Allzweckreiniger
Am besten in Form eines so genannten Neutralreinigers. Wegen ihres neutralen pH-Werts putzen diese schonend und umweltverträglich. Mit normalem Schmutz auf Böden, im Lavabo, in der Badewanne und auf der Küchenablage werden sie problemlos fertig.

Von der guten alten Schmierseife rät die Reinigungsspezialistin ab. Sie eignet sich nur für offenporige Tonböden und Marmor. Heute sind die meisten Böden aber versiegelt. Und diese werden mit Schmierseife spröde und klebrig.
- WC-Reiniger
Fürs WC genügt ein Allzweckreiniger meistens nicht. Ein WC-Reinigungsmittel ist wirksamer. Unnötig sind hingegen WC-Einsätze, die bei jeder Spülung Duft und manchmal auch blaue Farbe absondern. Deren Erfolg basiert auf der Formel «Schmutz stinkt. Reinheit duftet.» Allerdings muss man sich im Klaren sein: Die Dufter verschleiern den Schmutz eher, statt ihn zu beseitigen.

Überflüssig sind auch Abflussreiniger. Wenn das WC, die Dusche oder das Lavabo verstopft ist, ist eine Gummi-Saugglocke immer noch am wirksamsten (siehe Do-it-yourself-Tipps Seite 58) - und dazu völlig giftfrei.
- Essig
Gegen Kalkränder um den Wasserhahn und am Badewannenrand hilft Essig. Ist die Kalkschicht bereits hartnäckig dick: Ein Tuch mit Essig tränken und über Nacht auf den Kalkrand legen. Am nächsten Morgen lässt sich der Kalk fortwischen.
- Glasreiniger
Allzweckreiniger schmieren auf Glasflächen. Für Fensterscheiben, Spiegel und Glastablare wählt man deshalb besser einen Glasreiniger. Nach dem Putzen mit einem fusselfreien Tuch oder mit einem Wasserschaber trocknen.
- Staubsauger, Schrubber, Besen
Sie gehören zur Grundausstattung des Putzschranks. Staubsaugerrohr, Besen- und Schrubberstiele müssen lang genug sein, damit man sich beim Putzen nicht ständig bücken muss.

Nicht zwingend nötig ist ein Dampfreinigungsgerät. Im Boom-Jahr 2000 wurden in der Schweiz zwar 11 000 Stück verkauft. Aber inzwischen ist in vielen Haushalten Ernüchterung eingekehrt: Auch Dampfreiniger putzen nicht von allein. Heute stehen die Geräte vielerorts unbenutzt im Schrank.
- Putzlappen
Sehr wirksam sind Mikrofaser-Tücher. Sie bestehen aus feinsten Fasern, die gerade mal sechs Gramm pro 100 Kilometer wiegen, und erfassen beim Putzen auch die winzigsten Partikel. Reinigungsmittel sind nicht nötig.

Die Nachteile: Gröbere Krümel lassen sich nicht gut aufwischen - und wenns doch gelingt, lassen sie sich kaum mehr vom Lappen spülen. Zudem entfetten Mikrofaser-Tücher die Haut der Hände.
- Wasser-Eimer
Im riesigen Putzmittel-Angebot geht oft das wichtigste Reinigungsmittel vergessen: Wasser. Auch wenn heute fast alle Putzmittel «biologisch abbaubar» und «umweltschonend» sind: Wirklich gut für die Umwelt sind sie nie. Wer mit genug Wasser und möglichst wenig Zusätzen putzt, tut am meisten für den Umweltschutz.
- Alte Zahnbürste
Damit lassen sich Rillen und kleinste Winkel gut erreichen. Es lohnt sich zum Beispiel, ab und zu die dreckigen Ecken der Fensterscheibe mit einer ausgedienten Zahnbürste zu schrubben.

Neben der zweckmässigen Ausstattung des Putzschrankes kann auch die innere Einstellung hilfreich sein für den obligaten «Kehr»: Es ist sinnlos, sich darüber aufzuregen, dass nach dem Putzen der Schmutz so schnell wieder da ist. «Man muss einsehen, dass es unmöglich ist, Lebensraum schmutzfrei zu halten», sagt Katharina Zaugg.

*Katharina Zaugg arbeitet derzeit an einer Dissertation über Raumpflege; sie bietet zudem Kurse an, z.B. «Putzen Sie deutsch?» oder «Glanz & Leistung, ein Kurs für Führungskräfte zur Bedeutung der Raumpflege in Unternehmungen»



Alte Putzmittel im teuren Design

Mit banalem Waschmittel-Pulver und Allzweckreiniger gelingen den Putzmittel-Produzenten keine Umsatzsprünge. Pressen sie das Pulver aber zu schicken «Tabs» oder träufeln den Allzweckreiniger auf Wegwerftücher, können sie den Umsatz kräftig ankurbeln. Denn in neuen Formen kosten die altbekannten Putzmittel beträchtlich mehr. Zum Beispiel:
- Das Geschirrspülmittel Handy Matic von der Migros kostet in der herkömmlichen Pulverform Fr. 3.60 und reicht für 30 Waschgänge. Die gleiche Menge Handy Matic als «Tabs» kostet Fr. 5.80. Also 19 statt 12 Rappen pro Abwasch.
- Zehn Rappen teurer pro Waschgang kommt es, wenn man «Ariel Tablets» statt «Ariel Classic» in die Waschmaschine gibt: nämlich 73 statt 63 Rappen.
- 64 Wegwerftücher, die mit dem Allzweckreiniger «Potz» getränkt sind, kosten bei der Migros Fr. 4.50. Mit der Literflasche «Potz»-Allzweckreiniger und einem wieder verwendbaren Putzlappen kann man mindestens so oft putzen - für Fr. 3.10.



BUCHTIPP

Katharina Zaugg: «Wellness beim Putzen», 3. Auflage 2004, 25 Franken; erhältlich: www.mitenand-putzen.ch

05. Januar 2005 | ESTHER DIENER MORSCHER


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