SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Haus & Garten 1/2005

Grosser Rabatt - riesiger Frust

Orientteppich-Liquidationen warten mit unglaublichen Rabatten auf. Wer gute Ware will, muss einige Punkte beachten - sonst wird der Kauf zur herben Enttäuschung.

Mit Orientteppichen ist es wie mit Schuhen: Sind sie zum halben Preis zu haben, wird oft nicht mehr lange überlegt, ob der Kauf nötig ist. Deshalb werden immer wieder Liquidationsverkäufe von Orientteppichen angekündigt und Werbeprospekte versprechen Traumrabatte von bis zu 80 Prozent. In der Annahme, einen wertvollen Perser zum Schnäppchenpreis zu ergattern, greift der Laie oft vorschnell zu.

Bruno Meier, Präsident der Schweizerischen Interessengemeinschaft Orientteppich (IGOT), warnt vor solchen Aktionen: «Je höher der Rabatt, desto grösser sollte die Skepsis sein.» Es gebe skrupellose Anbieter, die astronomisch hohe Margen auf ihre Produkte schlügen, um dann scheinbar grosszügig die Preise zu senken. «Mit einer vernünftigen Marge kann es keine so fetten Rabatte geben», sagt Meier.

Siegt Kauflust über Skepsis, sind die neuen Teppichbesitzer häufig einem dreisten Schwindel aufgesessen: «Billigprodukte werden zu Mondpreisen angeboten - und es werden nur Scheinrabatte gewährt», warnt Meier.

Warum lassen sich Kunden immer wieder über den Tisch ziehen? «Für Laien ist es halt sehr schwierig zu erkennen, ob ein Teppich echt ist und ob die Qualität den Preis rechtfertigt», erklärt Markus Haas, Geschäftsführer des Einrichtungshauses Peter AG im aargauischen Wettingen und Präsident der Schweizerischen Orientteppichhändler-Vereinigung (SOV).

Ein simpler Preisvergleich zwischen den einzelnen Teppichen sei nicht möglich, da Original-Arbeiten immer Unikate seien. Um einen Preis festlegen zu können, müssten Experten den Teppich nach verschiedenen Kriterien beurteilen.

«Teppiche sind bei den Jungen nicht mehr im Trend»

Die Branche hat schon rosigere Zeiten erlebt: Die Importe von Orientteppichen gingen in den letzten 10 Jahren von 106 Millionen Franken auf die Hälfte zurück. Auch Markus Haas war letzten Herbst gezwungen, einen Räumungsverkauf durchzuführen - zum ersten Mal seit der Geschäftseröffnung vor 72 Jahren. Das sei unerfreulich, aber Teppiche seien bei jungen Konsumenten nicht mehr im Trend: «Ich gab mindestens 30 Prozent Rabatt», so Haas. Die Lagerbestände mussten weg. Vor 15 Jahren machte die Peter AG mit Orientteppichen einen Jahresumsatz von 700 000 Franken, heute ist es gerade noch eine Viertelmillion.

Über unlautere Machenschaften ärgert sich auch Schahroch Djalali, der in St. Gallen ein Teppichgeschäft führt. Obwohl die Händler verpflichtet seien, die Herkunft der Teppiche auf der Preisetikette anzugeben, werde bei der Herkunftsbezeichnung gerne geschummelt.

Speziell für eine Liquidation ein Geschäft eröffnet

Sei ein Teppich in einem so genannten Nachknüpfland - wie etwa Indien - hergestellt worden, werde dies häufig so klein angeschrieben, dass es der Käufer übersehe und den Teppich in der Meinung kaufe, er habe ein Original vor sich. Oder, so Djalali weiter: «Die Veranstalter einer Liquidation nehmen bei bekannten Finanzinstituten einen Kredit auf und begründen die Liquidation mit der dringend notwendigen Rückzahlung» - der bekannte Bankname solle Glaubwürdigkeit vortäuschen.

«Zum Teil behaupten Geschäftsinhaber während Monaten, dass sie ihren Laden aufgeben müssen, und inszenieren so eine Dauer-Liquidation», weiss Djalali. Eine andere Variante sei es, speziell für die Liquidation ein Geschäft zu eröffnen und es danach wieder zu schliessen.

Djalali schluckt seinen Ärger darüber nicht hinunter. Hört er von Liquidationen, bei denen er das Gefühl hat, es gehe nicht mit rechten Dingen zu, meldet er seinen Verdacht der Gewerbepolizei - mit Erfolg. Erst im vergangenen April hat er einen Prozess gewonnen. Die Firma, welche die betrügerische Liquidation durchführte, wurde mit 10 000 Franken Busse bestraft.

Werner Hollenstein, Leiter der Fachgruppe Gewerbe bei der Zürcher Gewerbepolizei, bestätigt Djalalis Beobachtungen. «Kürzlich hatten wir einen Fall, da kam alles zusammen», erinnert er sich. Die ursprünglichen Preise, zu denen die Teppiche angeblich verkauft worden waren, seien «fiktiv und völlig überteuert gewesen». In solchen Fällen verhänge die Polizei Geldbussen, was meistens nütze - die Firmen stellten ihr unlauteres Treiben ein.
Obwohl das Geschäft mit den Orientteppichen für Normalverbraucher schwer durchschaubar ist, kann man einiges tun, um sich vor einem Fehlkauf zu schützen:

Mit Rückgaberecht - ein seriöses Angebot

Hier die Kauftipps von Fachmann Bruno Meier von der IGOT:
- Orientteppiche bei einem Anbieter kaufen, der bei Vereinigungen wie IGOT und SOV dabei ist oder dieselben Standards erfüllt.
- Sind auf der Etikette Material und Herkunft des Teppichs klar bezeichnet, ist dies ein gutes Zeichen.
- Kann der Teppich für ein Probe-Legen mit nach Hause genommen werden und besteht ein Rückgaberecht, kann man davon ausgehen, dass das Angebot seriös ist.
- Hände weg, wenn Prospekte mit Angeboten ohne Angaben zu Preis, Knotenzahl und Herkunft der Teppiche ins Haus flattern.
- Liquidations- und Haustürverkäufe sind nicht zu empfehlen.
- Unter www.igot.ch gibts zusätzliche Informationen und Tipps



Designermöbel: Feilschen bringts

Im Ausland sind Designermöbel häufig bis zu mehreren hundert Franken günstiger als in der Schweiz (K-Geld 2/04). Für einen zusätzlichen Rabatt reicht oft ein kurzes Feilschen. Das funktioniert auch in der Schweiz - mit etwas Verhandlungsgeschick. Trotzdem kann sich der Einkauf jenseits der Grenze lohnen, denn die Differenz der Mehrwertsteuer wird vergütet.

05. Januar 2005 | JULIA KONSTANTINIDIS


Beitrag als PDF
Grosser Rabatt - riesiger Frust
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
So bleiben Sie ganz sicher auf dem Teppich «Die Revolution des Möbelmarktes» Kleine ganz stark
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten