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Artikel | Haus & Garten 1/2005

Immergrüne Oase mit Farbtupfern

Das Angebot an Pflanzen bei Gärtnern und Grossverteilern ist immens, der Laie angesichts der Fülle meist überfordert. Was auf dem Balkon am besten gedeiht, verrät der «grüne Rudi».

Rudi Ottleben (59), Agronom und Botanikberater, spricht aus langer Erfahrung: «Wer Pflanzen hegt und pflegt, erlebt Freude, innere Ruhe und Ausgeglichenheit, kann durch sie auftanken und neue Energie gewinnen.»

Die erfolgreiche «Wechselwirkung guter Schwingungen» dokumentiert der sprichwörtlich «grüne Daumen», davon ist Ottleben überzeugt. Die SPEZIAL-Tipps des selbständigen Pflanzenexperten aus Embrach ZH helfen, einen 0815-Balkon in ein immergrünes Gärtchen oder eine wohnliche Oase zu verwandeln:
- Ohne Garantie zwar, aber garantiert pflegeleicht und preisgünstig sind einheimische, anspruchslose Ganzjahres-Grünpflanzen für Hängekistchen und Einzelgefässe.
- Saison-Blumen zum Einpflanzen setzen ohne viel Aufwand attraktive Farbtupfer, je nach persönlichem Geschmack.
- Pflanzen, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum oder Asien stammen, jedoch längst hier heimisch geworden sind, verbreiten etwas Exotik. Teuer sind sie nicht.

Auch Balkon-Accessoires - vom Stuhl über den Klapptisch bis zum Windlicht - gibts in zahlreichen Looks: mediterran, asiatisch, nordisch, rustikal.

Ab ins Kistchen - ob in der Sonne oder im Schatten

Nicht alle Balkone von Mehrfamilienhäusern sind sonnig. Viele fristen ein Schattendasein - zusammen mit ihren Bewohnern: Die gelben Punkte verraten, ob eine Pflanze viel (ooo), durchschnittlich (oo), wenig (o) oder gar keine Sonne (°) braucht.

Für die Norm-Balkonkistchen schlägt Ottleben folgende Gewächse vor - ihre lateinischen Namen verhindern Verwechslungen beim Kauf:

- Hauswurz (ooo), Hybriden (Sempervivum-Hybriden)
Immergrüne, dickblättrige Rosettenstauden mit einer ungeheuren Sortenvielfalt. Diese Steinbrechgewächse mit ihren vielen kleinen und grossen Rosettenformen brauchen zwar viel Sonne, dürfen aber nicht zu viel gegossen werden, damit sich eine gute Blattfärbung ausbilden kann. Sie speichern in ihren Blättern Wasser und können so längere Trockenzeiten überstehen. Im Juni und Juli entwickeln sie ihre Blüten.

- Gräser (ooo bis °)
Anmutige Spielgefährten des Windes, perfekte Zierpflanzen: exotisch, elegant, sehr pflegeleicht. Robuste, winterharte, so genannte Horst bildende Sorten (Strauchwerk), in denen sich der Raureif verfängt. Beispiele:

Blauschwingel (Festuca glauca): Immergrüne, dichte, halbkugelige Büsche mit wunderbarer Blaufärbung.

Bärenfellschwingel (Festuca gautieri): Die immergrünen, feinen Blätter bilden sehr dichte, hellgrüne Rasenpolster.

Atlasschwingel (Festuca mairei): Kräftiges, graugrünes Horstgras.

Federborsten-Gras (Pennisetum alopecuroides): Besticht durch seine raupenartigen Blütenstände. Besonders die Sorte «Little Bunny» eignet sich für Balkonkisten und Töpfe.

Verschiedene Seggen-Arten:

Japan-Segge (Carex morrowii): Immergrüne, dunkle, überhängende Blätter mit gelben Randstreifen.

Fuchsrote Segge (Carex buchananii): Ein schöner, rot gefärbter Raureifträger.

Bronze-Segge (Carex comans): Die Abendsonne lässt ihre leicht überhängenden Wedel im schönsten Bronzeton erscheinen.

- Efeu (ooo bis °)
Die langen, immergrünen Triebe mit unterschiedlichen Blattformen kaschieren Kistchen gut. Besonders winterharte Arten:

Hedera helix: Blätter von Silbergrün über schmalen weissen Rand bis Dunkelgrün mit weissen Blattnerven.

Hedera hibernica: Die bekannteste grossblättrige Art, sehr schnell wachsend.

- Zwergkoniferen (ooo bis °)
Langsam wachsende Nadelgehölze, ideal für Kistchen, weil sie bei wenig Erde klein bleiben:

Zuckerhutfichte (Picea pungens glauca «Conica»): Aufrecht wachsend, gleichmässige Kegelform mit einer frischgrünen Belaubung.

Kriechföhre (Pinus mugo mughus pumilo): Nieder liegende Zwergföhre mit dunkelgrünen, kurzen Nadeln.

Zwerg-Bergföhre (Pinus mugo «Henry»): Kugeliger «Zwerg», noch mit 20 Jahren nur 20 cm hoch und 40 cm breit.

Nestfichte (Picea abies nidiformis): Die fächerförmigen Zweige wirken wie ein Nest.

Fadenzypresse (Chamaecyparis pisifera filifera «Nana»): Fadenförmige, grüne, überhängende Zweige mit kugeligem Wuchs.

Muschelzypresse (Chamaecyparis obtusa «Nana gracilis»): Bekannte Zwergzypresse mit dunkelgrüner Belaubung und muschelförmig gebogenen Zweigen - die Pflanze mit dem Asien-Touch.

Laubgehölze (ooo bis °)
Immergrün, strauchartig. Einer der bekanntesten und widerstandsfähigsten Vertreter:

Buchsbaum (Buxus sempervirens): Lederartige, hell- bis dunkelgrüne Blätter, alle Grössen.
Diese Pflanze fordert die Kreativität heraus: Sie lässt sich zur Kugel, Pyramide, zum Kegel oder zu einem persönlichen Gebilde zurechtschneiden (nur von Mai bis August!). Bildhauerarbeit nach Gärtnerart also - und ein dekorativer Blickfang dazu.

Zusätzliche blumige Farbtupfer - je nach Saison

Fröhliche Akzente in die immergrüne Basis-Bepflanzung setzen einjährige Frühlings- und Sommerblumen.
- Frühjahrsreigen
Der Blütenreigen beginnt im Februar oder März mit Zwiebelblumen:

Vorgetriebene Arten: Die gibts im Handel - einfach in passende Lücken setzen. Anspruchslos und pflegeleicht sind:

Blaustern, Gartentulpen, Hyazinthen, Krokusse, Narzissen, Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen und Wildtulpen. Ergänzen kann man mit Hornveilchen und Stiefmütterchen.

Nicht vorgetriebene Blumenzwiebeln: Sie müssen - je nach Sorte - zwischen September und November in die Erde gesteckt werden. Faustregel: Zwiebeln zwei- bis dreimal so tief einsetzen, wie sie hoch sind.

- Sommerblüte
Sommerblumen werden ab Mai eingepflanzt, bunt gemixt oder nach Farben assortiert:

Weiss: Ein weisser Blütenflor, von Grün und Dunkelgrün umgeben, beruhigt und verleiht dem hängenden Gärtchen Reinheit und Eleganz. Geeignet sind:

Duftsteinrich, Flammenblume, Fleissiges Lieschen, Geranie, Knollenbegonie, Müllerblüemli (Bellis).
Gelb: Die Farbe der Sonne strahlt sommerliche Unbeschwertheit aus. Gelbe Blüten wirken in Gesellschaft von Weiss sehr edel:

Goldtaler, Goldzweizahn, Pantoffelblume, Husarenköpfchen, Mittagsgold und Sonnenblume (niedrige Sorten).

Blau: Die Farbe des Himmels erinnert an Ferien, ans Meer. Im Pflanzenreich ist sie eher selten, geniesst aber grosse Popularität. Sie lässt sich gut ergänzen mit Lila - eine romantische Mariage:

Browallia, Eisenkraut, Kapaster, Leberbalsam, Salbei und Vanilleblume.

Rosa: Hat viele Gesichter - von Hellrosa über Rosarot bis Pink. Rosa regt zum Träumen an!

Begonien, Bellis, Elfensporn, Fleissiges Lieschen, Spanisches Gänseblümchen und Ziersalbei.

Rot: Beim Umgang mit der Farbe des Feuers und der Kraft ist Vorsicht geboten. Rot spielt sich gern in den Vordergrund, Fingerspitzengefühl ist gefragt. In kleinen Mengen sind «glühende» Arrangements sehr stimmungsvoll:

Eisenkraut, Feuersalbei, Roter Fuchsschwanz, Zigarettenblume, Ziertabak.

- Herbst- und Winterflor
Verblühte Sommerblumen entfernen. Sehr schön ergänzen Heideblumen die immergrüne Bepflanzung:

Calluna und Erika.

Eintopf: Solitärpflanze als stimmungsvoller Blickfang

In einem Topf können Solitärpflanzen eine ganz besondere Wirkung erzielen und Stimmung verbreiten:
- Eulaliagras
Miscanthus sinensis («Gracillimus» oder andere Miscanthus-Sorten): Wie der Name sagt - ein (hohes) Gras.
- Bambus
Man hört sein Zittern und Rascheln im Wind. Der Pflanzkübel sollte 50 Zentimeter Durchmesser haben. Geeignete Sorten sind:

Fragesia murielae, Phyllostachys aurea, Phyllostachys nigra oder Pseudosassa japonica.
- Einheimische Gehölze (Laub abwerfend)
Felsenbirne, Felsenmispel (aufrecht oder hängend), Hängebirke, Schmetterlingsstrauch.
- Rosen
Vom Hochstamm über die Strauchrose zur Kletterrose ist alles möglich. Der Topf sollte besonders hoch sein, weil Rosen Pfahlwurzeln haben.

Für jede Pflanze den besten Topf oder Trog

Ein Pflanzgefäss sollte mindestens 40 Zentimeter Durchmesser haben. Das Angebot ist riesig, was Materialien, ihre Vor- und Nachteile, Gewicht, Haltbarkeit und Preise anbetrifft: Holz, Ton, Kunststoff, Natur- oder Kunststein. Lassen Sie sich beraten.

Der Balkon-Teich - auch auf Mini-Balkonen möglich

Menschen, die Freude an Wasser haben, können leicht einen privaten Teichgarten gestalten - bescheiden zwar, aber eine Attraktion für Sinne und Seele:

Ein Eimer, ein oder mehrere Cachepots, andere wasserdichte Behältnisse, ein halbiertes Holzfass (kaufen). Die Grösse dem eigenen Tragvermögen für den Wasserwechsel anpassen!
- Wasser-, Sumpfpflanzen
Darf es eine Seerose sein? Wenn nicht - die Auswahl ist da:

Froschlöffel, Schilf, verschiedene Sumpf-Iris, Winterschachtelhalm, Wollgras, Zwergbinse.

Im Sommer machen nicht winterharte Wasserhyazinthen und Wassersalat Freude.

Was prima an schattigen Plätzen gedeiht Pflanzen, die auch ohne Sonne prächtig gedeihen, gibt es mehr, als man denkt. Etwas Giessen trotzdem nicht vergessen.
- Winterhart
Astilben, Bergenien, Buchs, Efeu, immergrüne Farne. Funkien faszinieren durch ihre grossen Blätter: Ob blaugrün, gelbgrün oder mit weissem Rand - als Gruppe sind sie eine Augenweide. Nachteil: Im Winter fallen die Blätter.
- Einjährige Dauerblüher
Fleissiges Lieschen, unzählige Fuchsiensorten, Glockenblumen, Knollenbegonien, Leberbalsam, Männertreu.
- Hortensie
Die Pflanze mit den dicken Blütenbällen liebt ein Schattendasein.

Pflege: Richtig giessen - und Verblühtes entfernen

Gut versorgt bleiben Balkon- und Kübelpflanzen gesund, leistungsfähig und sind weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten.
- Giessen
Am besten nach der «Fingerprobe». Regel- und gleichmässig giessen. Je kleiner das Gefäss, desto häufiger. Immergrüne Pflanzen im Winter nicht vergessen! Bei Trockenheit und niedriger Luftfeuchtigkeit Pflanzen besprühen: wie beim Giessen frühmorgens oder abends, nie wenn die Sonne brennt.
- Ausschneiden
Verblühte und vertrocknete Zweige mit der Schere wegschneiden. Wichtig: Samenstände entfernen, sonst werden keine neuen Blüten gebildet.
- Düngen
Bei Pflanzen in Kistchen auf ausreichende Ernährung achten. Von Mai bis August einmal pro Woche etwas Flüssigkunstdünger ins Giesswasser geben - damit aber nie ausgetrocknete Erde wässern, sonst verbrennen die Wurzeln. Variante: Biologische Langzeit-Düngerkörner mit Holzstab in die Erde drücken.

Schädlinge: Wie man sie umweltgerecht loswird

Wer seine Pflanzen täglich beobachtet, entdeckt beginnende Erkrankungen und Schädlinge, bevor sie sich ausbreiten: Ein Griff zur Schere oder ein scharfer Wasserstrahl helfen meist und machen Chemie überflüssig.

Die wichtigsten Schädlinge und wie man sie entfernt:
- Blattläuse
Pflanze mit Seifenlauge besprühen. Natürliche Feinde: Marienkäfer, Florfliege, Ohrwürmer.
- Weisse Fliege
Blattunterseiten immer wieder kräftig mit Wasser einnebeln.
- Rote Spinne, Spinnmilbe
Pflanzen mit lauwarmem Wasser absprühen und - wenn möglich - an einen kühlen, schattigen Ort stellen. Gut düngen.
- Dickmaulrüssler
Gefährlicher Vielfrass. Abends (Taschenlampe einschalten) ablesen. Larven fressen das Wurzelwerk: Fadenwürmer (Nematoden) einsetzen (erhältlich auf Bestellung bei Gartencentern).
- Pilzkrankheiten
Geschädigte Pflanzenteile sofort entfernen und vernichten.

Pflanzen mieten - für Feste oder als Abwechslung

Topf-Pflanzen können auch für einen oder mehrere Tage «geleast» werden. Zum Beispiel bei:
- Irene und Martin Rosse, Blumen & Pflanzen Detailhandel - Messegärtnerei Rosse GmbH, 8905 Arni, Tel. 056 634 11 39, info@messegaertnerei.ch, www.rosse.ch
- Richard Meier, Blumen & Pflanzen Detailhandel - Blumenland Meier, 8426 Lufingen, Tel. 01 813 23 22, blumenland@blumenland.ch, www.rent-a-plant.ch
- Giardino Verde - Pflanzen & Event AG, 8142 Uitikon, Tel. 01 495 74 74, info@giardinoverde.ch, www.giardinoverde.ch



Gräser: Pflegeleicht, robust - und auch in winterharten Sorten erhältlich

Hauswurz: Immergrün, braucht viel Sonne, aber relativ wenig Wasser

Efeu: Auch im Winter ein Farbtupfer - zudem kaschieren die Blätter Balkonkistchen

Konifere: Zwergkoniferen eignen sich für Kistchen, weil sie bei wenig Erde klein bleiben

Buchs: Ein Blickfang im Topf - Kreative schneiden ihn zur Kugel oder Piramide

Balkonteich: Ein wasserdichter Topf genügt. Und es müssen nicht immer Seerosen sein - Frangipani-Blüten, Froschlöffel und Zwergbinsen sind attraktive Alternativen

Leberbalsam: Der einjährige Dauerblüher liebt ein Schattendasein

Dickmaulrüssler: Den gefährlichen Vielfrass jeweils abends ablesen

Pilzbefall: Kranke Blätter sofort entfernen und vernichten

05. Januar 2005 | GINA GYSIN


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