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Artikel | Gesundheits-Tipp 12/2004

«Mein Körper war feuerrot»

Zehn Minuten im Solarium genügten - ein schwerer Sonnenbrand war die Folge. Fachleute fordern bessere Sicherheitsbestimmungen für Solarien.

Am 26. September wollte sich Maria Theres Wiedemann einen erholsamen Tag im Thermalbad Zurzach gönnen. Nach dem Baden legte sich die 55-Jährige 10 Minuten auf die Sonnenbank. Nicht länger als sonst - und genau nach den Empfehlungen. Doch das hatte verheerende Folgen: «Am Abend hatte ich einen extrem starken Sonnenbrand», erinnert sie sich.

Noch am selben Abend in der Apotheke habe man ihr geraten, sofort kalt zu duschen. Und falls sich Blasen bildeten, müsse sie in die Notfallstation. «Ich bekam Angst, denn ich habe sonst nie Sonnenbrand.» Sie sei immer sehr vorsichtig. Wiedemann ärgert sich und fordert, dass das Thermalbad die Besucher warnt und den Schaden behebt. Zudem möchte sie das Geld zurück.


Thermalbad sieht keinen Grund, etwas zu ändern

Doch das Gespräch mit den Leuten vom Thermalbad war enttäuschend. «Die Sekretärin behauptete, ich hätte etwas falsch gemacht.» Und Geschäftsführer Dominik Keller habe zwar versprochen, sich beim Lieferanten des Solariums zu erkundigen. Doch Schadenersatz werde sie keinen erhalten. Es werde auch nichts geändert.

Das bestätigt Dominik Keller dem Pulstipp: Es sei der einzige Fall, von dem er bisher gehört habe. Deshalb sehe er keinen Grund, die Röhren auszutauschen oder die Kundeninformation zu ändern. «Wir haben die besten und leistungsstärksten Solarien.» Alle seien zertifiziert. Verantwortlich sei der Lieferant des Solariums: die Firma Sun World aus Wetzikon ZH.

Keller schickte Maria Theres Wiedemann schliesslich einen Brief von Sun World. Inhalt: Tipps zum richtigen Verhalten im Solarium. Für Wiedemann «eine Frechheit». Sie wisse, worauf man achten müsse. Der Brief gehe überhaupt nicht auf das konkrete Problem ein. Das wundert nicht. Denn laut Sun World war die Firma nie im Detail über den Fall informiert worden. Der Brief sei «ein Entwurf für ein Schreiben, wenn bei einem Kunden unerwartet Hautreaktionen auftreten». Zudem: «Wir haben sämtliche Solarien in Zurzach kürzlich geprüft.» Sie hätten keine technischen Probleme festgestellt.


Bundesamt: «Niemand kontrolliert die Sicherheit»

Für Beat Gerber, Solarium-Experte vom Bundesamt für Gesundheit, ist aber klar: «So etwas darf nicht passieren.» Möglich seien solche Fälle allerdings, denn bei den Geräten gebe es grosse Unterschiede in Bezug auf Leistung, Anzahl Röhren und den Anteil an UVB-Strahlen.

«Es gibt zur Zeit niemanden, der die Sicherheit der Solarien kontrolliert», räumt Gerber ein. Genauso fehlten in der Schweiz gesetzliche Sicherheitsbestimmungen für Solarien. «Eine rechtliche Regelung wird zurzeit geprüft. Nach unserer Meinung ist sie unbedingt nötig.» Am besten sei es allerdings, ganz auf die Kunstsonne zu verzichten. «Es ist eine unnötige, zusätzliche Belastung mit gesundheitsschädlicher UV-Strahlung.»



Merkblatt für Solariumbenützer

Das Bundesamt für Gesundheit hat ein Faltblatt und eine Broschüre zum richtigen Verhalten im Solarium herausgegeben.

- Faltblatt: «Sie wollen ins Solarium? Wissen Sie...», Artikel-Nr. 311.324.1d, gratis
- Broschüre: «Solarium. Strahlung und Gesundheit», Artikel-Nr. 311.324.d, Fr. 7.20.

Beides kann man bestellen unter BBL, Vertrieb Publikationen, 3003 Bern, Fax 031 325 50 58 oder herunterladen unter www. uv-index.ch/de/downloads.html.

08. Dezember 2004 | Sonja Marti - smarti@pulstipp.ch


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